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18/08/2015 06:06 CEST | Aktualisiert 18/08/2016 07:12 CEST

Superlehrer, Superschule, Supergeil?

ullstein bild via Getty Images

Die juristische Keule

Schnell konstatieren Hobby-Anwälte den Bruch mit dem Schulgesetz und machen Lehrern die Hölle heiß. Dann aber mit echten Anwälten, die auf ihren websites ungeniert auf die vielen Klagemöglichkeiten gegen Schulen hinweisen:

Sie haben keinen Platz an Ihrer Wunschschule bekommen?

Ihr Kind wurde schlecht benotet (obwohl Sie die Präsentation größtenteils selbst vorbereitet haben)? Sie finden die disziplinarischen Maßnahmen der Lehrer gegen Ihr Kind ungerecht?

Ihr Kind läuft Gefahr, durchs Abitur zu fallen (wenn es weiterhin so faul ist)?

Unfrieden zwischen Lehrern und Eltern

Für all diese Fälle gibt es zahlreiche Rechtsbeistände, die sich auf Schulrecht spezialisiert haben und den Unfrieden zwischen Lehrern und Eltern am Köcheln halten - oder zumindest Eltern auf Ideen bringen, die sie vorher vielleicht gar nicht hatten.

Manche Kanzleiwerbungen suggerieren den Eltern: Wenn das eigene Kind die Leistung nicht erbringt, dann wird das im Nachgang der Anwalt erledigen; wenn sich das eigene Kind danebenbenimmt, ebenso.

Alles ist nachprüfbar

Dort heißt es dann, dass sowohl Erziehungsmaßnahmen als auch Noten- oder Versetzungsentscheidungen nachprüfbar sind, dass man sich auf einen bestimmten Schulplatz durchaus einklagen könnte, dass selbst Abiturprüfungen im gerichtlichen Verfahren überprüft werden können.

Dahinter verbergen sich wahre Heilsversprechen. Und Eltern lesen gern heraus: Eigentlich alles, was der Lehrer mit dem eigenen Sprössling veranstaltet, ist anfechtbar, und alles, was die Schule tut oder nicht tut, ist auch be- bzw. einklagbar.

Verhältnis ist belastet

Das ist für das Verhältnis beider Seiten äußerst belastend. Lehrer fühlen sich in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt - aus Angst, angreifbar und letztendlich angeklagt zu werden.

Das kann sogar so weit gehen, dass einige Schulkollegen sich weigern, auf Klassenreisen mitzufahren, weil zu den netten Kindern klagewütige Eltern gehören, welche dem Lehrer schnell nachweisen, dass er bei dreißig Kindern nicht jedes gleichermaßen im Auge gehabt haben kann.

Eltern fühlen sich zum Teil auch in der Pflicht, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Nicht, dass der Sohnemann am Ende der Schullaufbahn den Vorwurf erhebt, sie hätten ihn bei der Aufnahme in seine Wunschschule nicht ausreichend unterstützt.

Mündige Bürger

Zudem möchte man seinem Kind auch beibringen, dass nicht alles, was in den eigenen Augen ungerechtfertigt erscheint, gottgegeben ertragen werden muss. Einmischen, diskutieren und wehren lohnt sich - das sind Kompetenzen, über die schließlich jeder mündige Bürger verfügen sollte.

Es mag schwierig sein, Lehrerentscheidungen zu akzeptieren, die in ihrer Summe über die schulische Biografie des eigenen Kindes entscheiden; es ist aber auch schwierig, sich anmaßen zu wollen, alle pädagogischen Entscheidungen juristisch nachzuprüfen.

Der Anwalt schadet dem Schulfrieden!

Die Klagewut gegen Pädagogisches Handeln ist dem guten Verhältnis von Schule und Lehrern auf der einen Seite und Eltern auf der anderen Seite sehr abträglich. Wenn Lehrer bei jeder disziplinierenden Maßnahme oder Benotung den eisigen Atem des Anwalts im Nacken spüren, dann brauchen wir uns über ein angestrengtes Miteinander nicht zu wundern.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Superlehrer, Superschule, supergeil

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ISBN: 978-3-442-17542-0

Goldmann


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