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01/12/2015 05:29 CET | Aktualisiert 01/12/2016 06:12 CET

So sieht die Realität von AIDS in Südafrika aus

The Global Fund / Deborah Rossouw

Wie so viele von uns habe ich, als ich aufwuchs, bestimmte Dinge für selbstverständlich gehalten: In einem schönen Haus wohnen, die Schule besuchen und etwas lernen, auf Partys gehen, sich mit Jungs verabreden und einen Beruf wählen, der mir gefällt.

Doch als ich erwachsen war, wurde mir klar, dass nicht alle Mädchen oder Jungen mit einem Leben voller Möglichkeiten und Chancen aufwachsen.

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Als ich Nicolet in Grabouw kennen lernte, einer Township nur eine Stunde von Kapstadt in Südafrika entfernt, wurde ich mit ihrer Realität konfrontiert - einer Geschichte, wie sie Tausende von jungen Frauen erleben, die genauso sind wie sie. Es ist eine Geschichte vom Überleben, eine Geschichte, die erzählt werden muss.

Jede Woche infizieren sich mehr als 2000 junge Frauen mit HIV

Als Kind hatte Nicolet ein schwieriges Zuhause, geprägt von elterlichem Alkoholismus und Armut. Voller Sehnsucht nach Zuwendung und Hoffnung auf ein besseres Leben lernte Nicolet ihren ersten Freund kennen, als sie 13 war, er war 19. Wo sie geboren wurde, infizieren sich jede Woche mehr als 2000 junge Frauen und Mädchen mit HIV.

Doch Sex und HIV sind Themen, über die niemand in ihrem Umfeld spricht. Es ist sogar so, dass Menschen, von deren Krankheit man weiß, oft von ihren eigenen Familien gemieden werden, und obwohl Tests und Medikamente kostenlos erhältlich sind, lassen sich die Menschen nicht testen, aus Angst, was dabei herauskommen könnte. Nicolet wusste also nicht, als sie und ihr allererster Freund intim wurden, dass er HIV-positiv war.

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Mit 17 wurde Nicolet schwanger, und ihr Freund verließ sie. Drei Jahre später wurde sie krank und beschloss, sich auf HIV testen zu lassen. Sowohl sie als auch ihr Sohn waren positiv. Bis zum heutigen Tag weigert sich der Vater ihres Sohnes, sich testen zu lassen, obwohl Nicolet darauf beharrt, sich bei ihm angesteckt zu haben.

AIDS ein Ende setzen

Meine Zeit mit Nicolet war der Beginn einer neuen Reise für mich, auf der ich verstehen lernte, welche Rolle ich bei einer der größten Aufgaben und Chancen unserer Generation spielen kann: der AIDS-Epidemie ein Ende zu setzen. Die gute Nachricht ist, dass wir heute größere Fortschritte sehen als zu jeder anderen Zeit in der Menschheitsgeschichte.

Durch den Globalen Fonds und die weltweite Solidarität unterstützte Programme retten Millionen von Menschenleben, verhindern Neuinfektionen und bringen jeden Tag mehr und mehr Menschen in Behandlung.

Allerdings wird sich die Aussicht, die Epidemie endgültig einzudämmen, nur dann verwirklichen lassen, wenn wir zuerst die überproportionale Belastung von jungen Frauen und Mädchen mit HIV beenden.

Diese nüchterne Realität ist in afrikanischen Ländern südlich der Sahara kristallklar, wo junge Frauen und Mädchen mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit HIV bekommen als ihre männlichen Altersgenossen.

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Der Beginn eines Teufelskreis

Die Geschichte von Nicolet, die sich viel zu oft wiederholt, ist der Beginn eines Teufelskreises, um den wir uns kümmern müssen. Die Lösung ist alles andere als einfach, den Anfang müssen wir aber mit der Erkenntnis machen, dass Bildung, Empowerment, Chancengleichheit und Gesundheit untrennbar miteinander zusammenhängen.

Bei einem Mädchen, das einen Schulabschluss macht, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es früh heiratet, früh schwanger wird oder sich mit HIV ansteckt. Junge Frauen müssen für sich selbst eine Zukunft sehen, die ihnen Sicherheit gibt und sie nicht von Männern abhängig macht.

HIV befällt nach wie vor die anfälligsten Bevölkerungsgruppen deswegen, weil geschlechtsspezifische Gewalt, fehlende Chancengleichheit und Diskriminierung ein Klima entstehen lassen, in dem die Epidemie gedeihen kann. Das ist es, was ich in Grabouw gelernt habe.

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Sie hat nicht aufgegeben

Am meisten berührt hat mich an der Geschichte von Nicolet, dass sie, obwohl sie alles gegen sich hatte, nicht aufgegeben hat.

Heute, mit 26, ist Nicolet - als Mutter und Grundschullehrerin - entschlossen, in ihrem Umfeld einen Wandel herbeizuführen und die Generation ihres Sohnes und ihrer Schüler in die Lage zu versetzen, die Probleme zu vermeiden, denen sie sich als Jugendliche gegenübersah.

Sie macht aus ihrem Gesundheitszustand kein Geheimnis und möchte ihre Schicksalsgenossinnen dazu bringen, sich selbst zu schützen und nach Hilfe zu suchen, wenn sie sie brauchen.

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Hoffnung auf das Ende der AIDS-Epidemie besteht

Die Hoffnung auf ein Ende der AIDS-Epidemie besteht deswegen, weil Menschen wie Nicolet jeden Tag aufwachen und die Entscheidung treffen, die Welt nicht so zu akzeptieren, wie sie sie vorfinden.

Sie arbeiten unermüdlich für eine Welt, in der sich Chancengleichheit und Gleichberechtigung schneller ausbreiten als jede Krankheit. Wir haben gegenüber künftigen Generationen junger Frauen die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass diese Vision Wirklichkeit wird.

Fotos: The Global Fund / Deborah Rossouw

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Als ich Nicolet in Grabouw kennen lernte, einer Township nur eine Stunde von Kapstadt in Südafrika entfernt, wurde ich mit ihrer Realität konfrontiert - einer Geschichte, wie sie Tausende von jungen Frauen erleben, die genauso sind wie sie. Es ist eine Geschichte vom Überleben, eine Geschichte, die erzählt werden muss.