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07/01/2016 11:32 CET | Aktualisiert 07/01/2017 06:12 CET

Den Flughafen Tegel erhalten? Czaja: Was muss, das geht auch!

JOHN MACDOUGALL via Getty Images

Der Verein Pro Tegel e.V. und die FDP Berlin haben das Aktionsbündnis Berlin braucht Tegel geschmiedet und ein Volksbegehren gestartet, das die Berliner Bürger darüber entscheiden lässt, ob sie Tegel als Verkehrsflughafen auch nach einer - immer noch in den Sternen stehenden - Eröffnung des neuen Flughafens BER dauerhaft erhalten wollen. Über Gründe und Hintergründe ein Gespräch mit dem Generalsekretär der Berliner FDP, Sebastian Czaja (32).

Herr Czaja, was sind die Gründe für das Volksbegehren?

Czaja: Sollte der BER in den nächsten Jahren tatsächlich eröffnet werden, kann er rund 27 Millionen Passagiere pro Jahr bewältigen. Im Jahr 2014 sind aber an den Berliner Flughäfen bereits 28 Millionen Passagiere abgefertigt worden und jedes Jahr kommen etwa 2 Millionen Passagiere hinzu. Deshalb braucht Berlin Tegel.

Ist das der einzige Grund?

Czaja: Nein. Alle Metropolen dieser Welt haben mehr als einen Flughafen, um in Notfällen in der Nähe einen Ausweichflughafen zu haben. Berlin von nur einem einzigen Flughafen abhängig zu machen, wäre mehr als fahrlässig.

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Als Begründung führen sie weiter an, dass die einseitige Belastung des Ostens durch den BER den Kollaps der Stadt bedeuten könnte. Warum?

Czaja: Das Verkehrskonzept für den BER ist mittelfristig zu kurz gedacht und geht an den Realitäten vorbei: So verläuft der Bau der Autobahn A 100 mehr als schleppend, die Tangentialverbindung Ost fehlt. Hinzu kommt, dass, wie der Berliner Senat einräumt, erst mit dem 17. Bauabschnitt, der Überwindung von Spree und Bahntrasse, die volle Wirkung der Entlastung zu erwarten ist. Ohne die Fertigstellung wird es bei einem ansteigenden Verkehrsaufkommen Richtung BER also zwangsläufig zu einem Kollaps kommen.

Was würde eine Offenhaltung von Tegel kosten?

Czaja: Wenn Sie so wollen gar nichts! Im Gegenteil, es würde unter dem Strich noch ein Gewinn bleiben. Denn nach Kostenschätzung des Senats fallen u.a. 442.000 Euro jährlich für Personalkosten der Obersten Luftfahrtbehörde und 7,8 Millionen Euro für die Instandhaltung des Flughafens an. Aber Tegel ist profitabel und erwirtschaftete 2014 einen Gewinn von 88 Millionen Euro.

Die Schließung Tegels ist ja beschlossene Sache. Ist eine Offenhaltung rechtlich überhaupt noch möglich?

Czaja: Nach einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags ist die Offenhaltung durch ein Volksbegehren oder einen Parlamentsbeschluss möglich. Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Berlin braucht Tegel! Was muss, das geht auch!

Video: Riesiges Bauvorhaben: Berlin plant posches Shoppingcenter mit dem Namen "Mall of Berlin"

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