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04/01/2016 07:49 CET | Aktualisiert 04/01/2017 06:12 CET

"Integration ist bei einem Großteil der Ausländer gescheitert"

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Obwohl ich ein paar tausend Bücher besitze, lese ich manche auch doppelt. So fiel mir ein Taschenbuch in die Hand, das ich hier schon mal ansatzweise besprochen habe. Jan Fleischauers „Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde". Vergleiche: „Linkes Gedankengut: Verzicht auf Nesquick" vom 28. April 2013. Nun lese ich Bücher, in denen ich auf die Schnelle mal ein paar Seiten überfliegen kann, ohne den Anschluss zu verlieren, meistens im Bad bei einer Verrichtung, die zeitlich begrenzt ist.

(Quelle: Jan Fleischhauer, Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde, 5. Auflage, 2009, Ersterscheinen: Hamburg 2009, Seite 269-271)

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Und da fiel mir eine Textstelle des erstmals 2009 erschienenen Buches angesichts der Aktualität ihrer Aussage auf:

„Viele Migranten sind (im Gegensatz zu den deutschen Sozialhilfeempfängern) aus einem anderen Holz geschnitzt. Sie verachten die deutsche Gesellschaft dafür, dass sie ihnen zusteckt, was ihnen nicht zusteht, sie halten sie für weich und feige. In der Welt, aus der sie kommen, gilt ‚appeasement" als Unterwerfungsgeste, die gleichbleibende Freundlichkeit des Sozialstaates verstehen sie deshalb als Zeichen der Schwäche, nicht als Ausdruck besonderer Souveränität. Dass die Politik mit Verständnis reagiert, wo sie Zurechtweisung erwarten würden, spornt sie nur an, deren Langmut mit immer neuen Herausforderungen auf die Probe zu stellen."

Und dann kommt ein Satz, der vielen Politikern und deren Anhängern derzeit wie eine schrille Glocke im Hirn klingeln müsste, wenn er denn stimmen würde:

„Es kann kein vernünftiger Zweifel mehr bestehen, dass die Integration in Deutschland bei einem Großteil der Ausländer gescheitert ist."

Denn es gehört sozusagen zu Angela Merkels Geschäftsmodell „Wir schaffen das", dass die Menschen, die jetzt zu uns kommen und am Ende hier bleiben dürfen, in die deutsche Gesellschaft integriert werden. Es kann ja wohl kaum Sinn der Sache sein, dass hierzulande 11 Prozent der Einwohner aus der weiten Welt angelockt werden, um dann Generationen lang von Sozialhilfe zu leben.

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Bei dem stark zufallsabhängigen Zuwanderungssystem, das sich die Deutschen als eine der wenigen Nationen dieser Erde gönnen, liegt diese Gefahr ohnehin ein wenig nahe. Aber was, wenn schon die bisherigen Jahrzehnte der Integrationsversuche - wie von Fleischhauer behauptet, für die Katz gewesen wären? Sicher, es gibt Beispiele geglückter Eingliederung, wo Migranten oder deren Nachfahren zu höchsten sportlichen, politischen oder intellektuellen Höhen aufsteigen. Aber mit Beispielen ist das so eine Sache, die findet man fast für jede These.

Doch kann man die Integrationserfolge der Vergangenheit nicht auch messen? Ein guter Anhaltspunkt wäre, wenn die in Deutschland wohnenden Menschen mit Migrationshintergrund halbwegs das gleiche Bildungsniveau erreichen würden. Aber da lässt ein Blick in die Statistik eher schaudern.

16 Prozent der deutschen Männer ohne Migrationshintergrund haben im Alter von 25 bis 35 Jahren immer noch keinen berufsqualifizierenden Bildungsabschluss und streben ihn auch nicht an, bei einem Migrationshintergrund sind es hingegen 35,3 Prozent, also mehr als doppelt so viele. So hat es jedenfalls der Mikrozensus 2014 des Statistischen Bundesamtes ergeben.

Spielen wir mal mit den Zahlen: Da es in Deutschland derzeit rund 6,2 Millionen Männer älter als 16 Jahre und mit Migrationshintergrund gibt, würde der gerade genannte Anteil von gut einem Drittel ohne Berufsausbildung über zwei Millionen potentiellen Rumlungerern entsprechen.

Um Ihnen noch einen weiteren Anhaltspunkt zu geben, wenn Sie an der nächsten Ecke beschäftigungslose nette Kerlchen antreffen: etwa eine Million Männer zwischen 15 und 65 Jahren haben hierzulande einen türkischen Hintergrund. Von ihnen besitzen 72 Prozent keinen Berufsabschluss. Das wären dann über 700.000 potentielle "Freizeit-Türken" - in unbefriedigenden Jobs beschäftigt oder arbeitslos.

Interessanterweise kann offenbar eine weibliche Migrantenelite hingegen bis in höchste wissenschaftliche Weihen toll mithalten. Ein Universitätsdiplom erlangen 8,6 Prozent aller Frauen mit Migrationshintergrund, während es bei den deutschen Damen mit 9,8 Prozent nur unwesentlich mehr sind.

Mit jeder Generation hat sich die Arbeitsmarktlage von Ausländern in Deutschland verschlechtert

Bei diesem eher trüben Ausbildungsbefund klingt eigentlich ganz plausibel, was Fleischhauer zu den Jobchancen der Migranten schreibt: „Mit jeder Generation hat sich die Arbeitsmarktlage von Ausländern in Deutschland verschlechtert (Fleischhauer Seite 271)." Neueste Zahlen dazu: während die Arbeitslosenquote im November 2015 bei Deutschen 5,2 Prozent betrug, lag sie für Ausländer bei 14,4 Prozent. Das lässt befürchten, dass es mit großer Freude der Arbeitgeber über aus dem Ausland zu uns strömende Facharbeiter nicht so schnell was werden dürfte.

Und noch eins - vielleicht mit einem Hauch von Polemik - von Fleischhauer obenauf:

„Besonders schlimm sieht es bei vielen Türken aus. Sie sind gelangweilt, genervt, aggressiv, sie bilden die Eckenstehen-Milieus der deutschen Innenstädte. In Ermangelung anderer Aufgaben beschäftigen sie sich mitunter sogar nahezu obsessiv mit dem Privatleben ihrer weiblichen Familienangehörigen und verstricken sich in ein stammesgesellschaftliches Wahnsystem, das um Begriffe wie ‚Ehre' und „Respekt' kreist (Seite 271). Gewalt gehört zum Alltag dieser Gruppen."

Na wenigstens ein Trost: unter den 1,1 Millionen Ankömmlingen, die dieses Jahr bei uns mit einem Asylwunsch reinschauten, waren kaum Türken dabei. In den ersten 11 Monaten 2015 dominierten mit gut einem Drittel die Syrer und gut 30 Prozent Asylbewerber vom Balkan (Albanien, Kosovo, Serbien und Mazedonien).

Mit denen kann der beschriebene Versuch zur Integration vielleicht bessere Erfolge zeitigen. Zweifel. Da wünsche ich - in unserer aller Sinne - Frau Merkel viel Erfolg bei Ihrem Optimismus.

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