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03/05/2015 06:33 CEST | Aktualisiert 03/05/2016 07:12 CEST

Ein Mann macht sich auf der Straße in die Hose - und entwickelt daraus eine geniale Geschäftsidee!

Thinkstock

„I shit my pants in the streets", sagt Atsushi Nakanishi mit dem etwas gehauchten Akzent des Japaners. Klar, das war schon ziemlich peinlich, aber A.T., wie er sich nennt, sah die Sache positiv. Warum nicht aus Sch... Gold, aus dem ungewollten Geschäft ein gewolltes machen? „So I had this business idea..."

A.T. übt mit mir gerade für seinen großen Pitch. Wir sitzen an einem kleine Tisch auf einer Art Meetin-Stage auf der Slush Conference in Tokio. Hier wird nicht nur ein futuristisches, nach sehr viel Power aussehendes Elektro-Motorrad präsentiert. Hier steuern Leute auch kleine Styroporkügelchen in elektrostatischen Feldern durch die Luft. Und hier präsentieren ausgewählte Start-Ups ihre Geschäftsideen vor potentiellen Investoren.

Der Markt der Sich-in-die-Hose-Machenden

A.T. möchte mit ihnen den Markt der Sich-in-die-Hose-Machenden erobern: „Incontinence patients: 13 Million", steht auf Folie seiner Präsentation, die er mir auf dem Bildschirm zeigt. Es ist japanisch eng: ein Bistrotisch, ein großer Flachbildschirm darauf, A.T. und ich mit unseren Laptops davor. Ach, und ein dreiköpfiges japanisches Fernsehteam um uns herum, das mich und A.T. filmt.

Wie also können wir diesen 13 Millionen Japanern - das wären 10% der Bevölkerung, A.T. hat Inkontinenz wohl recht weit gefasst - wie können wir ihnen helfen? „I thougt at the time: If I just had known beforehand that I need to poo", erinnert sich A.T. an sein „Eingemachtes". So kam er auf die Idee, ein Harn- und Stuhldrang-Warnsystem zu entwickeln. Die Technologie dahinter: Ultraschall.

In etwa 10 Minuten erreicht ihr Essen den Ausgang

Weil sich die Messgeräte mittlerweile günstig, klein und massenhaft herstellen lassen, will A.T. anfang nächsten Jahres mit seinem D Free auf den Markt gehen. D wie Diaper, also Windel. Damit mehr Menschen windellos durchs Leben gehen können, müssen sie sich lediglich das streichholzschachtelgroße Gerät wie einen Gürtel um den Bauch schnallen oder an die Unterhose clippen und schon wird der Pegelstand der Blase gemessen.

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Die entsprechende App meldet dann auf das Gerät der Wahl (das per Bluetooth informiert wurde): „You have approx. 10 minutes, before your food reaches the end.", und eine wachsende Linie schlängelt sich durch einen symbolischen Darm. Der Nutzerin von D Free weiß dann, dass sie sich schon einmal nach einer Toilette umgucken muss - unterwegs besonders praktisch.

Die Japaner haben es mit Toiletten-Technik

Zu Hause kann D Free auch Verwandte oder im Krankenhaus Pfleger informieren, wenn jemand, der bettlägrig ist, bald muss. Das Einsparpotential für Windeln ist enorm, was die entsprechende Indutstrie nicht freuen wird, die Umwelt aber um so mehr.

Deshalb startet A.T. sein D Free auch zuerst in Japan: Hier ist die Gesellschaft am ältesten und altert weiterhin stark. Außerdem, sagen viele hier, haben es die Japaner mit Toiletten-Technik. Die elektrischen Toiletten mit beheizter Klobrille und verwirrend vielen Knöpfen sind ein Beispiel dafür.

Wenn der „Output" zum Input wird

D Free soll jedoch viel mehr als nur ein Pegelstandsmesser sein. Den „Output" der Menschen nutzt das Gerät als Input für Algorithmen, um Zusammenhänge aus dem Big-Urin-Data zu fischen. Und weil auch Stuhlgang und andere Körperfunktionen mit Ultraschall gemessen werden können, träumt A.T. von einer Ultraschall-Daten-Plattform, auf der man als einzelner Nutzer seinen Gesundheitszustand checken kann; auf der Forscher und Ärzte aber auch neue Erkenntnisse zum Verlauf und zur Vorhersage von Krankheiten in der Gesellschaft finden können.

Bis so viele Menschen D Free nutzen, wird noch ein Weilchen vergehen. Doch schon 2018, nach Kooperationen mit Krankenhäusern und Pflegeheimen, will A.T. sein D Free zu einem Preis von rund 40 Euro auf den Markt für jedermann bringen. Bis dahin wird der Trend zum quantified health weiter fortgeschritten sein. Wer weiß, vielleicht ist die Ultraschalltechnik dann auch so klein, dass sie in eine Smartwatch passt - für den kleinen Gesundheitscheck zwischendurch.

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Dieser Beitrag ist Teil der Reihe "lab around the World".

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