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03/12/2016 12:58 CET | Aktualisiert 04/12/2017 06:12 CET

Etwas Merkwürdiges passiert mit dir, wenn du dein letztes Baby bekommen hast

LWA via Getty Images

Wenn du beschließt, dass du keine weiteren Kinder mehr bekommen willst, passiert etwas mit dir.

Und bevor du mir jetzt sagst, dass ich meine Meinung doch vielleicht noch einmal ändere und dass man ja nie so genau weiß, muss ich dich direkt unterbrechen. Denn es wird einfach nicht passieren. Wir haben zwei wundervolle, großartige Kinder, und das reicht uns. Der Laden ist geschlossen.

Jetzt hat alles einen bittersüßen Beigeschmack

Ich weiß, was du jetzt denkst. Und wenn du nicht zufällig meine Mama bist (- die findet, dass ich noch weitere 15 Kinder bekommen sollte -), dann ist es wahrscheinlich Folgendes: Keine dreckigen Windeln mehr! Sich nie wieder über eine weiche Stelle an ihrem Kopf Gedanken machen! Nie wieder nachts um drei Uhr stillen!

Natürlich fand ich es unglaublich toll, diese Anfangsphasen mit meinem Baby erleben zu dürfen - Licht am Ende des Tunnels zu sehen und es dann auch tatsächlich dorthin zu schaffen. Es war ein berauschendes Gefühl und ein wahnsinniges Erfolgserlebnis. Wir sind da durchgegangen und wir haben es tatsächlich geschafft!

Doch bei meinem zweiten Kind ist alles etwas anders. Die Tatsache, dass meine Tochter definitiv das letzte Baby ist, das ich jemals zur Welt bringen werde, macht mich irgendwie auch ein wenig traurig. Obwohl ich jeden einzelnen Mini-Meilenstein ihrer ersten Lebensmonate feiere, hat alles einen bittersüßen Beigeschmack.

Ruf jetzt bitte nicht gleich in der Irrenanstalt an, denn vermutlich sprechen gerade die Hormone aus mir, die ich wegen der Geburt produziere. Ich glaube jedoch, dass ich das Windelwechseln irgendwann vielleicht sogar vermissen werde. Im Ernst.

Die kleinen Dinge, die wir einfach übersehen

Tatsache ist, dass ich die reine Freude ganz alltäglicher Momente vermissen werde. Die kleinen Dinge, die wir einfach übersehen, oder die wir nur so schnell wie möglich hinter uns bringen wollen. Denn mal ehrlich, wo wollen wir denn unbedingt so schnell hin? Ins Kleinkindalter? In die Pubertät? Nein, denn jetzt sind wir erst einmal in der Babyzeit.

Immerhin ist es das letzte Mal, dass ich diese wundervollen Momente genießen darf:

Dabei zuzusehen, wie mein Baby seine Finger und Zehen entdeckt. Sie wackeln! Sie winken! Man kann sie sich in den Mund stecken! Ein vier Monate altes Kind findet seine eigenen Finger und Zehen unglaublich faszinierend.

Zu fühlen, dass der Körper meines Babys sich in meinen Armen komplett entspannt. Meine Tochter kann wie eine Irre heulen, strampeln und schreien, doch sobald ich sie in den Arm nehme, ist ihre Welt wieder in Ordnung. Ihr Gebrüll wird irgendwann zu einem jammernden Schluchzen. Sie kuschelt sich an meine Schulter und plötzlich entspannt ihr Körper sich wieder total.

Zu wissen, dass meine Brust immer hilft, selbst wenn gar nichts anderes mehr geht. Das ist ein echter Mama-Zaubertrick.

Und das Babylachen. Es gibt nichts Besseres als diesen Klang, nicht einmal das Lachen eines schon etwas älteren Kindes, in das dieses Babylachen sich irgendwann verwandeln wird. Es ist Abstand das Allerbeste!

Wie sie mit ihrem starken, zahnlosen Kiefer an meinem Schlüsselbein herumnagt. Ja, es tut weh, ich will ja nicht lügen. Aber irgendwie gefällt es mir, wie beharrlich und energisch sie dabei vorgeht.

Dieses Lächeln, das ihr ganzes Zahnfleisch entblößt, weil sie noch keine Zähne hat. Da stellt sich mir manchmal die Frage, ob Zähne nicht einfach überbewertet sind.

Herauszufinden, worauf mein Baby abfährt. Mein Sohn stand total auf die Musik von Day One. Damit konnte ich mein wildes kleines Monster immer beruhigen. Und jetzt, vier Jahre später, nimmt er Geigenunterricht. Außerdem spielt er zu Hause gerne Dirigent und er findet, dass John Williams ein Gott ist.

Meine Tochter hingegen liebt Plüschtiere. Als sie sechs Wochen alt war, wurde ihr Stofflamm plötzlich zu etwas ganz Besonderem für sie. Sie hielt es für ihren Freund - und noch dazu ein so lustiger Freund! Ich bin schon gespannt, wie diese Leidenschaft sich noch weiterentwickeln wird.

Meinem Baby dabei zuzusehen, wie es isst und trinkt. Es gibt zwei tolle Augenblicke: Wenn ein Baby nach der Brust oder dem Fläschchen sucht und dabei wie ein Barrakuda aussieht. Und wenn ein Baby zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nimmt und seinen Mund wie eine Maschine immer und immer wieder auf- und zuklappt. Sie können nicht genug davon bekommen und es ist einfach bezaubernd.

Ein Baby in meinem Bauch zu haben. Das ist ein eigenartiger Punkt, denn ich war nicht wirklich ein Fan vom Schwangersein. Ich war permanent nervös und ich hatte Angst, dass etwas schief laufen und ich das Baby verlieren könnte. Und rein körperlich betrachtet hatte ich gegen Ende meiner zweiten Schwangerschaft unglaubliche Schmerzen (die sich so anfühlten, als würde der Blitz in meinem Unterleib einschlagen!).

Einmal trat sie mich so fest, dass ich wie in einem Alien-Film nach vorne geschleudert wurde. Doch die nicht ganz so schmerzhaften Tritte? Das Wissen, dass ich allein für sie verantwortlich bin? Und dieses Gefühl von Nähe? Es tut mir in der Seele weh, dass ich all das nie wieder erleben werde.

Die ganze Nacht mit ihr zu kuscheln. Ich bin so unglaublich müde. Ich bete dafür, schlafen zu können. Ich male mir aus, wie schön es wäre, zu schlafen. Wenn meine Tochter mitten in der Nacht aufwacht, kann ich meine Augen einfach nicht mehr offen halten. Also schlafe ich mit ihr zusammen auf der Couch ein und halte sie fest in meinen Armen. Manchmal hängt sie dabei sogar noch an meiner Brust.

Morgens habe ich dann Nackenschmerzen und ich fühle mich nicht wirklich ausgeruht. Doch dann schaue ich nach unten und sehe ihr Gesicht, wie sie tief und fest schläft und sich um nichts in der Welt schert. Und ich weiß ohne den geringsten Zweifel, dass ich das vermissen werde.

Die Welt durch ihre Augen zu sehen. Alles ist neu und interessant und aufregend. Ich sehe ganz normale Alltagsgegenstände und Erledigungen mit ganz anderen Augen und das tut mir richtig gut.

Natürlich machen Babys viel Arbeit. Doch sie sind auch toll. Wie Ferris Bueller es ausdrückte, sollten wir alle hin und wieder innehalten und uns ins Gedächtnis rufen, wie großartig das Leben ist. Denn sonst könnten wir es einfach verpassen. Und das wäre viel schlimmer als ein paar Monate lang etwas weniger Schlaf abzubekommen.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei Momsanity und bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lm)