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03/02/2017 06:39 CET | Aktualisiert 04/02/2018 06:12 CET

Dem illegalen Handel mit Schimpansenbabys auf der Spur

Ein geheimes Netzwerk von Tierschmugglern konnte durch eine ein Jahr andauernde Recherche von BBC World News für die Dokumentarreihe „Our World" aufgedeckt werden. Die kleinen Schimpansen werden aus der Wildnis gerissen und als Haustiere für wohlhabende Kunden angeboten. Die Recherche der BBC deckte ein westafrikanisches Zentrum für den Schwarzhandel mit Tieren auf, den sogenannten „Blue Room". Ein Schimpansen-Junges konnte gerettet werden.

In einer staubigen Nebenstraße Abidjans, der größten Stadt an der Elfenbeinküste, schreit ein kleiner Schimpanse um Hilfe.

Sein schwarzes Haar ist verstrubbelt, seine schmutzige Windel schleift über den Steinboden, während er hilfesuchend zu den Männern krabbelt, die ihn gefangen halten.

Das Schimpansen-Baby wurde seiner Familie entrissen, und ist das Opfer eines lukrativen und brutalen Schmugglergeschäfts, wie eine über zwölf Monate andauernde Recherche von BBC World News aufdeckte, die sich über sechs Länder erstreckte.

Gefragt als Haustiere in wohlhabenden Häusern oder als Akteure in kommerziell betriebenen Zoos, erzielen Schimpansen-Babys einen Preis von 12.500 US Dollar, manchmal auch mehr.

Bis zu zehn erwachsene Tiere werden normalerweise abgeschlachtet, um ein Junges lebend zu fangen. Die Wilderer erschießen oft so viele Tiere wie möglich, damit sie den Raub der Kleinen nicht vereiteln können. Einmal gefangen, gelangen die Schimpansen in eine ausgeklügelte Handelskette, die sich von den Wilderern im Dschungel zu den Mittelsmännern, die gefälschte Transportpapiere organisieren, bis zu den Käufern erstreckt.

Der Handel mit gefährdeten Tieren und Pflanzen ist streng kontrolliert unter der Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora. Dennoch macht das entschlossene Vorgehen der Schmuggler und die Leichtigkeit, mit der internationale Gesetze zum Verkauf und Ankauf von gefährdeten Arten umgangen werden können, diesen illegalen Handel mit den großen Menschenaffen möglich.

Das BBC-Team gab vor, ein indonesischer Tierhandel für wohlhabende Kunden zu sein, und nahm mit einem jungen Händler in Guinea namens Ibrahima Traore Kontakt auf. Man kommunizierte über einen gesicherten Messaging Dienst, dem Team gelang es, das Vertrauen des nur 22-jährigen Traore zu gewinnen.

Er begann, Videos von Schimpansen zu senden, die in einem kleinen Raum, der mit auffällig blau gefärbten Fliesen ausgestattet war, gehalten wurden. Es wurde klar, dass der Raum einen immerwährenden Nachschub von jungen Schimpansen erfuhr.

Traore gab an, uns ein oder zwei Schimpansen-Babys zusammen mit der Genehmigung von Cites verkaufen zu können. Das Dokument, das das BBC-Team erhielt, erschien echt, obwohl es falsch ausgefüllt war, und trug den Stempel und die Unterschrift des Nationalparks von Liberia.

Traore schickte ein Video, das ein Schimpansen-Baby zusammen mit ihm in dem beschriebenen Raum, zeigte. Er hielt das Dokument in den Händen, es zeigte das Datum des Handels, damit lieferte er den Nachweis, dass das Material echt war, der Schimpanse gefangen worden war und zum Verkauf bereit stand. Man konnte das Gesicht des Schmugglers klar sehen, er hatte offensichtlich keine Angst, entdeckt zu werden.

Einige Tage später besuchten unsere Undercover-Reporter das Anwesen, und gaben vor, die Details zum Ankauf des Schimpansen besprechen zu wollen. Sie fanden das Tier vor und alarmierten die Polizei. Ein großangelegter Schmugglerring konnte aufgedeckt werden.

Während der Polizeiaktion entdeckte man den kleinen blauen Raum, in dem der kleine Schimpanse in einem hölzernen Lattenverschlag versteckt war. Es stellte sich als dauerhaftes Versteck für geschmuggelte Schimpansen heraus. Wildschützer waren dem sogenannten „blauen Raum " bereits seit Jahren auf der Spur und konnten ihn nicht finden, bis jetzt.

Ibrahima Traore wurde festgenommen und sieht sich nun zusammen mit seinem Onkel Mohamed mit einer Anklage wegen illegalen Tierhandels konfrontiert.

Die Daten, die von Traiore´s Telefonen und Laptops gesichert werden konnten, enthielten wertvolle Informationen über ein ausgedehntes internationales Netzwerk von Tier-Schmugglern, das sich über Europa, Afrika und den Nahen Osten erstreckte.

Zertifikate von Cites, die auf dem Computer des jungen Schmugglers gefunden wurden, dokumentierten mögliche illegale Verschickungen von dutzenden Primaten, sowie weiterer bedrohter Arten. Der zuständige Polizeichef der Elfenbeinküste, Colonel Assoumou Assoumou, versprach die gesamte illegale Versorgungskette auszuheben, von den Jägern, zu den Schmugglern bis zu den Käufern.

Der kleine Schimpanse, der im blauen Zimmer entdeckt worden war, wurde zunächst in das Interpol- Gebäude in Abidjan gebracht, und dann den für Wildtiere zuständigen Behörden im Ministerium für Wasser und Wälder übergeben. Er erhielt den Namen „Nemley Junior" und gedeiht nun in Sicherheit prächtig.

Die gesamte investigative Recherche sehen Sie in der BBC World News Dokumentarreihe Our World: The Chimp Smugglers auf BBC World News am Freitag, den 3. Februar um 22.30 Uhr, Samstag, den 4. Februar um 12.30, 17.30 und 23.30 Uhr, sowie Sonntag, den 5. Februar um 18.30 Uhr MEZ.

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