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23/12/2016 06:36 CET | Aktualisiert 24/12/2017 06:12 CET

Kinder auf Süßigkeiten: Ziehen wir eine Generation von Zuckersüchtigen groß?

John Carey via Getty Images

Es gibt nur wenig im Leben, das uns so glücklich macht, wie unsere Kinder lachen zu sehen. Und in der Hoffnung, das strahlende Lächeln unserer Kinder - das jedoch auch sehr kariesanfällig ist - zu sehen zu bekommen, geben wir ihrem Gebettel nach Süßigkeiten und ihren Wutausbrüchen wegen einer Portion Pommes nach.

Das geschieht natürlich nur in allerbester Absicht. Schließlich gibt es doch noch weitaus größere Gefahren für unsere Kinder, richtig?

Wie sich jedoch herausgestellt hat, ist Zucker nicht so harmlos, wie wir früher dachten. Zumindest nicht in den Mengen, in denen wir ihn konsumieren.

Ein natürliches Bedürfnis, das aus den Fugen geraten ist

Dass Kinder eine Vorliebe für Süßigkeiten haben, ist ganz natürlich; dies gehört zu unserem Überlebensprogramm dazu. Doch da wir heutzutage extrem viele industrielle verarbeitete Lebensmittel und Convenience-Food zu uns nehmen, ist dieses natürliche Bedürfnis mittlerweile aus den Fugen geraten.

Da mittlerweile mehr als ein Drittel aller Kinder übergewichtig oder fettleibig sind, hat die Zahl an adipösen Kindern sich in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Bei Jugendlichen hat sie sich sogar verdreifacht.

Nach Empfehlungen der American Heart Association dürfen Kinder - abhängig von ihrem Alter und ihrer täglichen Kalorienaufnahme - jeden Tag 3 bis 8 Teelöffel an zugesetztem Zucker zu sich nehmen. Doch bereits einjährige Kinder essen drei- bis viermal so viel Zucker, wie sie eigentlich an einem Tag essen sollten.

Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren nehmen im Durchschnitt täglich 21 Teelöffel Zucker zu sich. Bei einem normalen Teenager sind es ungefähr 34 Teelöffel pro Tag - das ist sogar noch mehr als Erwachsene im Durchschnitt konsumieren.

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Studien haben ergeben, dass ein hoher Zuckerkonsum mit einer ganzen Reihe an ernsthaften gesundheitlichen Risiken im Zusammenhang steht. Dazu zählen Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Karies.

Mittlerweile werden erste Anzeichen für diese Krankheiten nicht mehr nur bei Erwachsenen festgestellt, sondern bereits bei kleinen Kindern.

Die Geschmacksknospen von kleinen Kindern wieder entwöhnen

Anfang der 1990er- Jahre handelte es sich bei 3 Prozent aller Neuerkrankten an Typ-2-Diabetes um Kinder. Im Jahr 2014 war diese Zahl bereits auf 45 Prozent angestiegen.

Hinzu kommt, dass Zucker abhängig machen kann. Ebenso wie Kokain und andere Drogen aktiviert Zucker das Belohnungszentrum im Gehirn.

Von Zucker abhängig gemachte Ratten zeigen typische Anzeichen von Sucht, wie die Gewöhnung an die Substanz, sozialer Rückzug und starkes Verlangen nach Zucker. Zudem ließen die Ratten für ihre Lieblingsdroge Zucker sogar Kokain links liegen.

Mehr zum Thema: So viel Zucker kannst du essen, bevor du stirbst

Wenn kleine Kinder ständig zuckerhaltige Lebensmittel zu sich nehmen, entwickeln ihre Geschmacksknospen ein Verlangen nach Zucker. Dadurch gewöhnen die Kinder sich ein ungesundes Essverhalten an, was sie bis hin ins Erwachsenenalter begleiten kann.

Studien haben ergeben, dass Kinder, die im Alter von 2 Jahren übergewichtig sind, wahrscheinlich auch als Erwachsene übergewichtig sein werden. Dies erhöht ihr Risiko für Krebs, Herzkrankheiten, Diabetes und andere Erkrankungen.

Der Blick auf die amerikanische Esskultur ist ziemlich trostlos, doch was du zu Hause auf den Tisch bringst, liegt noch immer in deiner Hand. Mit den folgenden Tipps kannst du bereits eine gute Grundlage für ein gesundes Essverhalten schaffen:

Fang früh damit an. Der Geschmack eines Kindes beginnt sich bereits vor der Geburt auszubilden und er wird im Kindesalter weiter geprägt.

Zwing deine Kinder zu nichts

Mütter brauchen in der Schwangerschaft zusätzliche Nährstoffe. Und Kinder sollten verschiedenes Obst und Gemüse kennenlernen, am besten frisch statt verarbeitet oder eingelegt. Außerdem sollten sie lieber Vollkornprodukte statt industriell hergestellter Frühstücksflocken essen.

Zwing deine Kinder zu nichts. Eltern sollten ihren Kindern eine Auswahl an gesunden Nahrungsmitteln anbieten und ihnen dann die Wahl lassen, was und wie viel sie davon essen wollen.

Kinder mit Essen zu belohnen oder sie dazu zu zwingen, ihren Teller leer zu essen, führt dazu, dass sie die Signale ihres Körpers nicht mehr deuten können. Außerdem steigt dadurch ihr Risiko für Esssucht und andere gesundheitliche Probleme.

Sei selbst ein gutes Ernährungsvorbild. Sprichst du manchmal schlecht über deinen Körper oder schämst du dich für deine Ernährungsgewohnheiten? Isst du jeden Abend eine Nachspeise, obwohl du es deinen Kindern verbietest?

Statt die Ernährungsgewohnheiten deiner Kinder verändern zu wollen, solltest du ihnen lieber selbst ein gesundes Essverhalten vorleben. Nimm Süßigkeiten und industriell verarbeitete Lebensmittel nur in Maßen zu dir und iss dich stattdessen an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Protein satt.

Iss gemeinsam mit deiner Familie. Wenn Eltern zusammen mit ihren Kindern essen, können sie ihnen ein besseres Vorbild für gesunde Ernährung sein.

Hör auf, deinen Kindern eine "kinderfreundliche" Alternative zum Essen anzubieten. Studien zufolge ernähren Kinder sich meist gesünder, wenn sie das Gleiche essen wie ihre Eltern.

Konzentrier dich auf den gesundheitlichen Aspekt. Wenn du mit deinen Kindern über Ernährung sprichst, solltest du dich dabei auf den gesundheitlichen Aspekt konzentrieren, anstatt ihnen Diät- und Abnehmtipps zu geben.

Eine Studie hat ergeben, dass Kinder eher Diäten machen und gefährliche Maßnahmen zur Gewichtskontrolle - wie Fasten oder die Verwendung von Abführmittel - ergreifen, wenn ihre Eltern nur über ihr Gewicht mit ihnen sprechen, anstatt den gesundheitlichen Aspekt zu betonen.

Schau dir die Etiketten ganz genau an. Lies dir die Angaben auf den Etiketten durch, damit du den Zuckerkonsum deines Kindes im Blick behältst. Vermeide im Zweifelsfall Lebensmittel, bei denen als erste drei Inhaltsstoffe Zucker oder andere Süßungsmittel genannt werden (z.B. Honig, Fruchtsaftkonzentrat, Sirup, Zuckerdicksaft, Mais-Süße sowie sämtliche Produkte, die auf "ose" enden).

Gib deinen Kindern weniger zuckerhaltige Getränke

Der Limonadenkonsum von Kindern ist in den vergangenen zehn Jahren angestiegen. Laut der American Academy of Pediatrics sollte Limo im besten Fall als gelegentliche Nascherei gelten.

Zudem sollten Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren täglich nicht mehr als 110 - 170 Milliliter Fruchtsaft zu sich nehmen.

Ältere Kinder sollten täglich nicht mehr als 340 Milliliter Fruchtsaft trinken. Den Konsum von zuckerhaltigen Getränken einzuschränken, kann das Risiko für Übergewicht und andere gesundheitliche Probleme extrem reduzieren.

Bring mehr Obst und Gemüse ins Spiel. Wenn du weniger Süßigkeiten im Haus hast, essen deine Kinder eher den gesunden Zucker, der sich in Obst und Gemüse befindet. Und dieser Wandel ist dringend nötig.

Nur 22 Prozent der 2- bis 5-Jährigen, 16 Prozent der 6- bis 11-Jährigen und 11 Prozent der 12- bis 18-Jährigen befolgen die von der Regierung herausgegebene Verzehrempfehlung für Gemüse. Und da bei diesen Zahlen sogar Kartoffelchips, Pommes und Fruchtsaft mitgezählt wurden, schaut das Bild vermutlich in Wahrheit noch trüber aus.

Mehr zum Thema: Frau trank 20 Dosen Red Bull täglich - das passierte mit ihrem Körper

Zucker ist verlockend, doch das sind Drogen und Alkohol auch. Wir klären unsere Kinder beständig über die Gefahren von Drogen auf, doch wir müssen ebenso auf Zucker und industriell verarbeitete Fertigprodukte achten. Ansonsten kämpfen wir gegen das eine Übel, während das andere mitten bei uns zu Hause wütet.

Wenn du wissen willst, wie der Konsum von Zucker sich in den vergangenen 50 Jahren auf unsere Figur ausgewirkt hat, sieh dir diese Infografik zur Zuckerabhängigkeit in den USA an.

David Sack, M.D., ist Facharzt für Psychiatrie, Suchtpsychiatrie und Suchterkrankungen. Er ist der CEO von Elements Behavioral Health, einem Netzwerk von GesundheThe Recovery Place, The Sexual Recovery Institute, Malibu Vista und Spirit Lodge.

Mehr von David Sack, M.D., findest du hier.

Mehr über das Thema persönliche Gesundheit findest du hier.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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