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06/04/2016 15:01 CEST | Aktualisiert 07/04/2017 07:12 CEST

Doppelte Hinwendung nach Asien: Transpazifischen Partnerschaft und Pazifikallianz

Während in Europa und insbesondere Deutschland heftig um die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) gerungen wird, formieren sich sowohl in Asien als auch in Lateinamerika neue Regionalbündnisse, um die Vorteile einer vertieften wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit zu nutzen.

Seit einiger Zeit bemühen sich Länder und Ländergruppen verstärkt um regionale Übereinkünfte, weil der erfolgreiche Abschluss multilateraler Freihandelsgespräche im Rahmen der so genannten Doha-Runde derzeit unrealistisch ist.

Im Kern geht es bei allen regionalen Integrationsbemühungen um den Abbau politischer Barrieren, wie etwa Zöllen oder - meist wichtiger - nichttarifärer Handelshemmnissen (Zulassungsverfahren, Produktstandards).

Auch geostrategische Aspekte dürfen bei solchen Partnerschaften nicht vernachlässigt werden. Ein in dieser Hinsicht bedeutsames Abkommen haben die USA kürzlich mit elf Pazifikanrainern geschlossen, darunter Mexiko, Chile und Peru.

Das TPP-Abkommen

Die Bedeutung der transpazifischen Partnerschaft (TPP) ist in der Bundesrepublik nicht hinreichend reflektiert worden. Viel lieber streiten die Deutschen über Chlorhühnchen, Schiedsgerichte und Sozialstandards, also über Themen, die mit dem TTIP-Abkommen verbunden sind.

Verkannt wird, welche handelspolitische Dynamik in anderen Weltregionen entstanden ist und wie zukünftige „Megablöcke" die Spielregeln des Welthandels beeinflussen könnten.

Neben dem TPP-Abkommen arbeiten Chile, Peru und Mexiko gemeinsam mit Kolumbien an weiteren Handelsliberalisierungen, die den gegenseitigen Waren- und Dienstleistungsaustausch befördern und das Wohlstandsniveau heben sollen.

Derzeit ist der intraregionale Handel zwischen diesen lateinamerikanischen Staaten gering. Durch die im Jahr 2012 gegründete Pazifikallianz verspricht man sich einen erheblichen Wachstumsimpuls in den marktwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften Lateinamerikas.

Wie sich das noch junge Regionalbündnis entwickelt, bleibt abzuwarten, allerdings kann die „Alianza del Pacífico" (AdP) bereits einige Erfolge vorweisen. Beobachter trauen dem Bündnis zu, den stockenden Integrationsprozess in Lateinamerika zu beleben.

Ihre Chancen sehen die Länder der Pazifikallianz insbesondere in Asien. Eine Annäherung an diesen dynamischen Wirtschaftsraum und eine gemeinsame Interessenvertretung steht klar im Vordergrund, weil China, Japan, Korea und Taiwan einen großen Anteil an den Im- und Exporten der Pazifikallianz haben. Europa spielt kaum noch eine Rolle. Der „pivot to Asia" ist auch in Lateinamerika in vollem Gang.

Nun ist mit Blick auf die lange Geschichte der gescheiterten oder stagnierenden Integrationsbemühungen in Lateinamerika Nüchternheit geboten. Allerdings sprechen die makroökonomische Homogenität und ähnlich gelagerte Interessen der Ländergruppe dafür, dass es zu einer weiteren Konsolidierung der Pazifikallianz und auch zu neuen Mitgliedschaften kommt.

Die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums

Für einen Kontinent reich an Konflikten und arm an Kooperation, ist dies eine positive Nachricht. Natürlich sind es letztlich politische Entscheidungen, die über die Zukunft einer „Allianz" bestimmen, die weit mehr sein will. Das mittelfristige Ziel ist augenscheinlich die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums.

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Hier kommt die Konrad-Adenauer-Stiftung ins Spiel, welche die Erfahrungen des europäischen Integrationsprozesses einbringen kann. In Lateinamerika wird dieser Weg Europas nach 1945 als Erfolgsmodell gesehen - trotz aktueller Rückschläge.

Wir unterstützen deshalb mit unserer Projektarbeit im Sinne Adenauers Integrationsinitiativen wie die Pazifikallianz. Politische und wirtschaftliche Kooperation bleibt der beste Weg für ein friedliches Miteinander und Fortschritt - in Lateinamerika wie in Europa.

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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