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06/07/2015 11:37 CEST | Aktualisiert 06/07/2016 07:12 CEST

Schwuler Politiker: „Mein Mann und ich leben eine echte Ehe und Familie!"

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Einige CDU-Politiker sprechen noch immer von der Eheunfähigkeit gleichgeschlechtlicher Paare. Thomas Birk, Abgeordneter der Grünen im Berliner Senat, lässt seine Kollegen alt aussehen, indem er ihnen aus seinem Privatleben erzählt: So funktioniert eine langjährige schwule Partnerschaft und so wertvoll sind Regenbogenfamilien.

Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle sorgt in den Unionsparteien weiterhin für rege Diskussionen. Versöhnlichen Stimmen stehen noch immer jene Unionspolitiker gegenüber, die von alten Vorurteilen belastet, Angst vor jenem Schritt haben, den viele europäische Länder und jüngst die USA konsequent gegangen sind.

Dazu gehört auch eine Gruppe von 17 CDU-Abgeordneten des Berliner Senats, die in einem Offenen Brief ihr Nein zur Homo-Ehe zum Ausdruck bringen. Konkreter Anlass dafür ist, dass die Berliner CDU beschlossen hat, ihre Mitglieder zur Öffnung der Ehe für Homosexuelle zu befragen. Seit letzten Donnerstag sind die Befragungsunterlagen bei den Mitgliedern.

In dem Brief erklären die CDU-Politiker: „Die Ehe ist die lebenslang angelegte Gemeinschaft von Mann und Frau zur Gründung einer Familie" - das sei bei gleichgeschlechtlichen Paaren jedoch nicht möglich. Damit bedienen sie gleich mehrere Vorurteile gegen homosexuelle Paare: Etwa dass diese für längerfristige Beziehungen ungeeignet seien und keine echte Familie gründen könnten.

„Ich bin seit 17 Jahren mit demselben Mann zusammen"

Am Wochenende hat nun der Grünen-Abgeordnete Thomas Birk auf die Vorurteile seiner Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus, durch die er sich auch persönlich verletzt fühlt, in einem einfachen Facebookeintrag gekonnt geantwortet:

„Ich bin seit 17 Jahren mit demselben Mann zusammen, seit 14 Jahren teilen wir eine Wohnung, seit 7 Jahren sind wir verheiratet (auf amtsdeutsch "verpartnert"). Wie kommen diese Herren und eine Frau dazu, zu unterstellen, dass unsere Beziehung weniger Aussicht auf Bestand haben soll als bei einem Heteropaar?!

Ich habe meine Mutter jahrelang mit gepflegt, meinen Vater beim Sterben begleitet. Das ist Familie. Wer weiß, welche Herausforderungen vor unserer Beziehung diesbezüglich im Alter liegen. Soll uns hier ernsthaft abgesprochen werden, dass wir fähig wären, diese Verantwortung füreinander wahrzunehmen?!

Mein Mann hat eine Nichte, die einzige Tochter seines Bruders. Sie ist lesbisch. Ihre Hochzeit war eine tolle Feier mit Freund*innen und Verwandten. Sie ist Polizistin und ihre Frau Erzieherin. Seit einem halben Jahr sind sie Mütter eines wunderbaren Jungen, einem lang ersehnten Wunschkind.

Mein Schwager und meine Schwägerin sind voller Hingabe als stolze Großeltern. Mein Mann und ich freuen uns, Großonkel zu sein. Viele Kinder wachsen inzwischen in einer solchen Konstellation auf. Es wäre auch im Sinne des Kindeswohls, wenn ihre Eltern genau so verheiratet sein dürften wie viele heterosexuelle Eltern ihrer Umgebung auch."

Die CDU hat gute Gründe dafür, jetzt das Unrecht, das sie Schwulen angetan hat, wieder gut zu machen.

Die bürgerliche Ehe, die seine CDU-Kollegen als unverrückbares Vorbild für eine „echte Ehe" betrachten sei in Deutschland „gerade erstmal 140 Jahre" alt. Und weiter: „Dass wir als Lesben und Schwule früher an ihr nur ‚partizipiert' haben, wenn wir in unglücklichen Scheinehen ein verstecktes Doppelleben voller Angst und Lügen geführt haben, liegt daran, dass die Diskriminierung von Lesben und Schwulen, von einigen altertümlichen Mythen abgesehen, eben auch mindestens 2000 Jahre alt ist."

Angesichts der Tatsache, dass die Unionsparteien zusammen mit den Kirchen die treibenden Kräfte in Deutschland waren, die dafür gesorgt haben, dass auch nach 1945 schwule Männer wegen ihrer Liebe kriminalisiert wurden, war für Birk die CDU in den letzten 70 jahren ganz entscheidend an dieser Diskriminierung beteiligt.

Daher sein Vorschlag an die CDU, besonders seine Kollegen im Abgeordnetenhaus: „Nun hat die CDU die Chance, sich für diesen Beitrag der Unterdrückung von Lesben und Schwulen endlich positiv zu revanchieren. Dies sollten sich die Mitglieder der CDU bei der Abstimmung vor Augen führen!"

© Foto: Grüne Fraktion im Abghs


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