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01/04/2015 06:18 CEST | Aktualisiert 01/06/2015 07:12 CEST

Porno im Museum

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Das „Schwule Museum" in Berlin will weg vom altbackenen Image einer Kulturinstitution und mehr Geld einnehmen. Deshalb gibt's am Karfreitag (3. April) Pornostars zum Anfassen und kostenlose Porno-DVDs als Give Aways.

Wer nicht gerade Reisen oder neuartige Gleitcremes verkauft, der hat es im Gay Business nicht leicht. Das bekommen besonders jene Unternehmen und Institutionen zu spüren, die bislang über Subventionen, direkt aus Steuergeldern oder etwa von der „Deutschen Lottostiftung", am Leben erhalten wurden.

Durch die notwendigen öffentlichen Sparmaßnahmen geraten solche Institutionen zunehmend in die finanzielle Bredouille. Und in der befindet sich auch das „Schwule Museum" in Berlin. Weltweit ist das Museum eine einmalige Institution, die bislang alles Mögliche und Unmögliche zum schwulem Leben sammelte, archivierte und ausstellte.

Im letzten September richtete die Institution einen flammenden Hilferuf an die „queere Öffentlichkeit", das Museum mit Spenden zu unterstützen und an die Berliner, durch häufigere Besuche das Museum zu unterstützen. Solchen vermehrten Besucherandrang hofft man durch die wechselnden Ausstellungen und Sonderaktionen zu erreichen.

Bislang klangen die Themen dieser Events so, als ob diese sich eine kaum mehr von der Libido bedrängte Professorin für Genderstudien kurz vor ihrer Pensionierung ausgedacht hätte. Und fanden auch das entsprechende Interesse.

Motto: „Ficken für die Miete"

Als im letzten Jahr die Finanznot dann weiter stieg, wurde den Verantwortlichen klar: Wir bauchen ein neues Konzept, das mehr mediale Aufmerksamkeit findet, mehr Leute ins Museum lockt und so mehr Geld in die Kassen spült. Der rettende Einfall war ein altes Geschäftsprinzip: „Sex sells!" Oder um es im Jargon zu sagen, der bei Berliner Stadtmagazin-Lesern aus Kreuzberg und dem Prenzlauer Berg gut ankommt: „Ficken für die Miete!"

Das Konzept gipfelt sozusagen derzeit in einer großen Porno-Ausstellung mit dem Titel „Pornthatway". Sie wird am kommenden Karfreitag passenderweise gekrönt mit dem Auftritt der „CockyBoys" im Museum. Bei den „CockyBoys" handelt es sich um eine Gruppe von New Yorker Pornodarstellern, die seit geraumer Zeit als die Shootingsstars auf dem internationalen schwulen Pornomarkt gehandelt werden.

Das hat das junge Label - trotz striktem Kondomgebrauchs vor der Kamera - nicht nur deshalb hingekriegt, weil fast die Hälfte der Käufer ihrer Pornos heterosexuelle Frauen sind, sondern weil sie auch keine Möglichkeit auslassen, ihre Filme zu promoten.

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Sich und ihre Filme promoten, das werden die Cockyboys nun auch im „Schwulen Museum" tun, wo sie offiziell ihr neues Fotobuch „69 - Joyful gay Sex" vorstellen. Aber damit nicht genug. Schwules Museum und Ponolabel setzen noch eins drauf: alle Besucher, die den vollen Eintrittspreis von 7,50 Euro für das schwule Museum bezahlen, bekommen eine Porno-DVD von „Fuck Yeah Levi Karter" geschenkt.

Darauf ist das „Schwule Museum" besonders stolz, denn der Film wurde - wie die Pressmitteilung ausdrücklich erwähnt - beim letzten Porn-Filmfestival in Berlin in der „offiziellen Auswahl" gezeigt.

Am Ende: weder Ficken noch Miete?

Win-Win-Geschäft nennt sich so etwas unter Fachleuten. Ob sich allerdings der neue PR-Kurs des „Schwulen Museums" wirklich nachhaltig auf die Bilanzen und Besucher der Kulturstätte auswirkt, ist äußerst fraglich. Aus einem ähnlichen Bereich weiß man etwa, dass Homo-Magazine, die ihre Auflage durch die Wiedereinführung von Softpornographie retten wollen, damit das genaue Gegenteil erreichten.

Aber auch ein Pornolabel muss sich fragen lassen, ob das „Image" in der Kulturinstitution par excellence, dem Museum, angekommen zu sein, wirklich den Sexappeal hat, den man in diesem Metier braucht. Lebt doch Pornographie ganz wesentlich vom Tabubruch, vom Subkulturellen, vom politisch nicht Korrekten.

Am Ende vielleicht doch eine Loss-Loss-Situation? Es ist keinem von beiden zu wünschen: den Cockyboys nicht mit ihrem unverbraucht und erfrischend jugendlich wirkenden Sexappeal. Und auch nicht einer - nach Homo-Maßstäben - schon altehrwürdigen und unbedingt notwendigen Institution wie dem „Schwulen Museum".

Zur Facebookseite der Veranstaltung: CockyBoys im Schwulen Museum

Foto: Pressefoto des Schwulen Museums zur PornThatWay-Ausstellung © CorbinFisher.com


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