BLOG
12/09/2015 10:32 CEST | Aktualisiert 12/09/2016 07:12 CEST

Wieviele Pädophilieskandale können sich die Grünen noch leisten?

Rene Frederick via Getty Images

Nach einer anfänglichen Absage soll in Köln nun doch ein Platz nach dem Autor Felix Rexhausen benannt werden. Das Problem: Rexhausen glorifiziert in seinem Werk Pädophilie auf unmissverständliche Weise. Trotzdem unterstützt OB-Kandidatin Henriette Reker die umstrittenen Pläne ihres Kollegen von den Grünen. Inzwischen werden aber Stimmen laut, den Platz nach dem Kölner Urgestein Dirk Bach zu benennen.

Anfang Mai beschloss Andreas Hupke (Grüne) und die zuständige Bezirksvertretung der Kölner Innenstadt eine feierliche Platzbenennung hinter dem Hauptbahnhof nach dem Autor Felix Rexhausen abzusagen.

Grund war, dass damals bekannt wurde, dass Rexhausen nicht nur ein Vorkämpfer für die Gleichberechtigung homosexueller Menschen, sondern vor allem auch ein Verharmloser, ja Glorifizierer des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen war. Auch das NetzwerkB, eine Initiative, in der sich Missbrauchsopfer zusammen getan haben, sprach sich strikt gegen eine solche Ehrung Rexhausens aus.

Rexhausen: So toll ist Sex mit kleinen „Jüngelchen" und „Bübchen"

Stolz berichtet nämlich Felix Rexhausen in seinem autobiographischen Werk „Berührungen", dass er einem Freund, der auf Kinder „ohne Schamhaare" steht, immer wieder seine Privatwohnung für Sextreffen zur Verfügung stellte. Sobald aber die ersten Schamhaare bei den - O-Ton Rexhausen - „süßen Jüngelchen" sprießen, ist auch der von den Kölnern für die Ehrung vorgesehene Autor voll in seinem Element: „Liebe und Lust mit einem fünfzehnjährigen sind eine ganz andere Sache".

Im Laufe des Buches werden die begehrten Jungs immer jünger: in einem der letzten Kapitel erzählt er von dem 14-jährigen Nachbarsjungen aus einer Familie mit Migrationshintergrund, dem er in Iksbrück nachstellt. Da er noch jünger wirkt, nennt er ihn passenderweise „Bübchen". Und er schwärmt: „Ich liege bei ihm im Bett und spüre den Geruch seiner Achselhöhlen und den langsamen Schlafschweiß um seinen Sack." (Wir haben hier bewusst nur die Passagen wiedergegeben, die nicht direkt pornographisch sind).

Andreas Hupke (Grüne): Tausendfacher Kindesmissbrauch in eigener Partei schon vergessen?

Nun hat sich der zuständige Bezirksvertreter Andreas Hupke im Gespräch mit der Kölner „Stadtrevue" dafür ausgesprochen, den Platz doch nach Rexhausen zu benennen. In der Augustausgabe des Magazins heißt es:

„Der Beschluss der BV Innenstadt, den Platz umzubenennen, habe aber weiter Gültigkeit, erklärt er. Ein anderslautender Beschluss sei nicht in Sicht. Anfang Dezember soll Köln doch noch seinen Felix-Rexhausen-Platz bekommen".

Die Entscheidung Hupkas wurde bei den wenigen noch offen agierenden Pädophilen mit Jubel aufgenommen. Dieter Gieseking, der Macher des "Boylover"-Netzwerks K13.online, twitterte: "Jetzt bekommt Köln einen 'pädophilen' Straßennamen. Das ich ist DAS noch erleben darf."

2015-09-12-1442036971-2289299-Gieseking.JPG

Gründe für den Stimmungswechsel lassen sich nur vermuten. Zum einen gewinnt man den Eindruck, dass Hupke im Mai nur strategisch gehandelt hat. Es war eben jene Zeit, als seine Partei erneut wegen eines Pädophilie-Skandals in den Schlagzeilen war: In der Gründungsphase der Berliner Grünen war es offensichtlich zu Kindesmissbrauch in einem Ausmaß gekommen, der selbst die Missbrauchsfälle durch katholische Priester in den Schatten stellt.

Von mehr als 1000 Opfern innerhalb weniger Jahre sprach der für die Studie zuständige Grünenpolitiker.

Während Köln immer wieder neue Wahlzettel druckt, lassen sich solche Sachen möglichst unbemerkt durchdrücken

Als Hupke dann im August - in einem unscheinbaren Stadtmagazinartikel - seinen Stimmungswandel bekannt gab, vertraute er offensichtlich darauf, dass der Skandal inzwischen vergessen war.

Zudem befindet sich Köln gerade im Wahlkampf um das Oberbürgermeisteramt und übt noch eifrig, wie man Wahlzettel richtig druckt. Für wirklich wichtige Themen bleiben da kaum Zeit und Energie.

Mit Henriette Reker wird es einen Felix-Rexhausen-Platz geben

So antwortete Henriette Reker, die parteiunabhängige Kandidatin, die CDU, Grüne und FDP unterstützen und die derzeit die besten Chancen hat, ins Amt gewählt zu werden, kurzerhand, dass sie dafür eigentlich nicht zuständig sei. Sie werde sich nicht in die Arbeit von Bezirksvertretungen einmischen.

Das tut sie dann aber doch und findet die Platzbenennung nach Rexhausen - mit dem Salomonischen Vorbehalt, dass alles schon mit rechten Dingen zugehe - eigentlich ganz gut: „Ich gehe davon aus, dass die Benennung des Felix-Rexhausen-Platzes nach ausführlicher Prüfung erfolgt ist und unterstütze in diesem Fall die Entscheidung der Bezirksvertretung."

Die oben zitierten Stellen aus dem Werk Rexhausens lagen Reker dabei vor, sodass davon auszugehen ist, dass sie - hierin ganz der Verwaltung zugetan - tatsächlich eine solche Glorifizierung von Pädophilie unverdächtig findet, sofern das eine Bezirksvertretung auch so sieht.

Immerhin antwortete Reker rasch und offen, ihr Gegenkandidat von der SPD, Jochen Ott, reagierte auf die mehrmalige Bitte um Stellungnahme überhaupt nicht.

Mark Benecke (Die PARTEI): Kein Platz in Köln, der nach jemanden benannt ist, der Sex mit Kindern verharmlost!

Deutlich differenzierter und ausführlicher antwortete der bekannte Wissenschaftler Mark Benecke, der als NRW-Vorsitzender der „Partei" für diese das OB-Amt in Köln übernehmen will: „Die PARTEI verharmlost alles mögliche, aber nicht sexuelle Handlungen mit Kindern. Falls Felix Rexhausen das getan hat, wird überhaupt nix nach ihm benannt."

Auch den in der schwul-lesbischen Community in den letzten Wochen immer wieder aufgekommenen Vorschlag, den Platz statt nach Rexhausen (der keinen wirklichen Köln-Bezug hat) nach Dirk Bach zu benennen, findet Benecke gut:

„Er war ein atemberauender Bühnen-Schauspieler, was viele leider nicht erlebt haben, und er hat sich für Menschen und menschliche Vielfalt -- und zwar überhaupt nicht vorwiegend auf trans-bi-schwul-lesbische Werte, sondern auch auf körperlich oder geistig veränderte Menschen bezogen --liebenswert eingesetzt. Wenn man obendrein noch einen coolen Platz oder eine coole Straße nach ihm benennen kann -- sauber!"

Stimmen aus der homosexuellen „Community": „Viel besser wäre ein Dirk-Bach-Platz"

Als einer der bekanntesten schwulen Politiker der Domstadt hat sich auch Torsten Ilg, der Bezirksvertreter der Freien Wähler, in der Sache unmissverständlich positioniert: „Als offen schwuler Kommunalpolitiker schäme ich mich für so einen unsensiblen Vorschlag, zumal die erhobenen Vorwürfe gegen Herrn Rexhausen offensichtlich erdrückend sind."

Und auch er nimmt den Alternativvorschlag auf, der unter Schwulen in der Domstadt immer mehr Freunde findet: „Für mich gibt es positivere homosexuelle Vorbilder in Köln die es wert wären, als Namensgeber für einen öffentlichen Platz zu fungieren. Denken wir an Dirk Bach oder Walter Bockmayer, deren Verdienste für die schwule Community und das kulturelle Leben unserer Domstadt prägend waren."

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.