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06/12/2015 03:57 CET | Aktualisiert 06/12/2016 06:12 CET

Köln wird Verharmloser des Kindesmissbrauchs mit eigenem Platz ehren

Die Stadt Köln bereitet sich derzeit auf die Einweihung eines Felix-Rexhausen-Platzes hinter dem Kölner Hauptbahnhof am 10. Dezember vor. Dagegen gibt es seit Monaten Proteste, da Rexhausen in seinen Schriften sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendlich verherrlicht.

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Besonders Menschen, die in ihrer Kindheit von sexuellem Missbrauch betroffen waren, melden sich nun erneut, kurz vor der Einweihung des Platzes zu Wort. So etwa die Aktivistin Beate Lindemann. Für sie ist die Ehrung Rexhausens eine mehr oder weniger offene Verherrlichung sexueller Gewalt an Minderjährigen. Wer das selbst am eigenen Leib und v.a. an der Seele erlebt habe, könne dazu nicht schwiegen - wenn er überhaupt noch die Kraft hat zu reden.

Lindemann fordert daher einen gemeinsamen Protest der Menschlichkeit gegen die feierliche Platzeinweihung: „Wer sich gegen Stuttgart 21, gegen Homophobie, für Flüchtlinge, gegen Fracking, gegen Kapitalismus, gegen Rechts, einsetzen kann, der kann auch von der Couch runtergehen, wenn es um Kinder, Jugendliche und erwachsene Opfer geht!

Ist der Protest gegen Kindesmissbrauch ein rechtspopulistisches Anliegen?


Lindemanns verzweifelter Aufruf bleibt bisher ohne Widerhall. Es zeigt die ganze Tragik der Situation, dass bislang lediglich die rechtspopulistische Partei Pro-Köln zu einer Mahnwache anlässlich der Platzbenennung aufruft. Die Kölner Grünen schweigen hartnäckig zu den Vorgängen, da sie den Bezirksbürgermeister (Andreas Hupka) stellen, der für die Platzbenennung politisch verantwortlich ist. Der hatte die Platzbenennung im letzten Frühjahr kurzfristig gecancelt, um die Öffentlichkeit zu beruhigen, sie aber in Wirklichkeit nur verschoben.

Und auch die große Kölner Gay-„Community", die auf lange Sicht gesehen, neben Kindern und Jugendlichen, die Hauptleidtragende einer solchen Ehrung pädophiler Literatur im Namen der Homosexuellen sein wird, schweigt. Sie tröstet sich damit, dass der „Bund lesbischer und schwuler Journalisten" bekannt gegeben hat, dass am Werk Rexhausens nicht das Geringste zu beanstanden sei. Einige Homosexuelle hatten noch etwas zaghaft versucht, den vorgesehenen Platz nach dem Kölner Urgestein, dem vor zwei Jahren verstorbenen Comedian Dirk Bach benennen zu lassen - erfolglos.

Dass Rexhausen in seinem bekanntesten Buch Sex mit minderjährigen, 14-jährigen Jungs nicht nur bagatellisiert, sondern geradezu verherrlicht, interessiert die übrigen politisch Verantwortlichen offensichtlich nicht. Bei diesen möchte man offensichtlich einem Konflikt mit dem „Bund lesbischer und schwuler Journalisten", von dem die Idee zur Platzbenennung kam und der sie verbissen vorantreibt, aus dem Weg gehen.

Dazu passt es, dass man dabei auf die Aussage des interessierten Bundes vertraut, mit dem Pädophilie verherrlichenden Werk Rexhausens („Berührungen") sei alles in bester Ordnung. Wir haben das ganze Buch noch einmal gelesen.

IRexhausen brüstet sich damit, dass er seine Wohnung für den Missbrauch von Kindern zur Verfügung stellte


Zunächst ist wichtig festzustellen: Rexhausen geht gleich zu Beginn des Buches davon aus, dass das Beschriebene seiner Biographie entspringt. Es handelt sich also nicht um einen Roman oder eine andere Gattung fiktiver Literatur.

Zweitens ist es richtig, dass Rexhausen nicht pädophil im engeren Sinne war. Nach eigenen Aussagen macht er keinen Sex, wo er „sich auf Jungen richtet, die noch kein einziges Schamhaar unten haben".

Das betrachtet er aber offensichtlich nur als persönliche Vorliebe, denn er stellt einem Freund, der auf Kinder, die noch keine Schamhaare haben, besonders scharf ist, immer wieder seine Privatwohnung für Sextreffen zur Verfügung, damit er sich dort vergnügen kann.

Grünen-Politiker haben sich schon für weniger in der Öffentlichkeit entschuldigen müssen - so etwa ein Berliner Lokalpolitiker der "Grünen", der peinlich berührt gestehen musste, dass er darum wusste, dass ein Parteifreund in seiner eigenen Wohnung regelmäßig Kinder missbrauchte. Und nichts dagegen getan hat, obgleich er zum Beispiel bei Telefonaten die Kinderstimmen im Hintergrund hörte.

Rexhausen brüstet sich noch damit, dass solche Dinge in seiner eigenen Wohnung geschahen!

Nur zynischer Hohn für Missbrauchsopfer


Sobald aber die ersten Schamhaare sprießen, ist auch Rexhausen voll in seinem Element: „Liebe und Lust mit einem fünfzehnjährigen sind eine ganz andere Sache. Er ist eine ganz andere Person, die antworten kann - und antworten kann aus der ureigenen Fülle seiner Nichtfixiertheit auf Rollen oder Meinungen, die spätestens um die zwanzig herum verloren gehen."

Und so rät er den „süßen Jüngelchen", wie er die von ihm präferierten pubertierenden Jungs nennt, sich „so viel lustiges Leben zu machen, wie irgend möglich".

Angesichts des psychischen Leids, das viele Missbrauchsopfer ihr Leben lang begleitet, klingt es geradezu wie Hohn, wenn er im Anschluss daran schreibt: „Später werden sie's sowieso unlustig haben." Ein Zynismus, der sich fortsetzt. Etwa bei jenen (Queer-Blog oder Elmar Kraushaar), die in diesem Zusammenhang von einer „Pädo-Hysterie" reden.

Empfehlungen für Sextouristen, die „Bübchen" mögen


Auch heiße Urlaubstipps für Knabenliebhaber bietet Rexhausen in seinem Buch. Was heute manchen die Länder des Ostblocks oder Thailand, das war damals offensichtlich Tunesien:„Bei den Negern" dort „bleiben nicht viele Knaben ungefickt". Er selbst erzählt von seinen Urlaubserfahrungen mit zwei Fünfzehnjährigen, die er nachts auf dem Islamischen Friedhof von Tunis verführte.

Im Laufe des Buches werden die begehrten Jungs immer jünger: in einem der letzten Kapitel erzählt er von dem 14-jährigen Nachbarsjungen aus einer Familie mit Migrationshintergrund, dem er in Iksbrück nachstellt. Da er noch jünger wirkt, nennt er ihn passenderweise „Bübchen". Und er schwärmt:

„Ich liege bei ihm im Bett und spüre den Geruch seiner Achselhöhlen und den langsamen Schlafschweiß um seinen Sack." Wenn er abends vom Sex mit anderen Männern aus dem „Park" zurückkommt, denkt er sich: „Tja, Bübchen, da schläfst du - ich komme jetzt aus dem Park, alles Quatsch, bei dir möchte ich sein."

Ganz am Ende des Buches flammt dann doch noch etwas Selbstkritik auf, wenn er sich wundert, dass solche „Geilheit bei vielen Schwulen wunderlich gering ist." Und daraus schließt: „Vielleicht sind sie eben gesünder als ich".

Schreiben die Grünen gerade ihre unrühmliche Pädo-Tradition fort?


Einige Fragen drängen sich angesichts der dargestellten Fakten auf:

1.) Wie gesund ist eine solche Ehrung Felix Rexhausens für den Ruf der Domstadt Köln? Möchte man wirklich in der Geschichte der Bundesrepublik als erste Stadt auftauchen, die einen „Pädo-Platz" Ihr eigen nennt? Warum schiebt hier nicht die CDU, die mit den Grünen zusammen die Oberbürgermeisterin stellt, einen Riegel vor?

2.) Warum interessiert man sich in keiner Weise für die Missbrauchsopfer, die sich mehrmals ganz entschieden gegen einen solche Ehrung Rexhausens ausgesprochen haben? Müsste nicht spätestens hier bei den meisten wenigstens ansatzweise Scham über das gegenwärtige Treiben einsetzen?

3.) Was macht seine solche Rexhausenehrung mit der Glaubwürdigkeit der Grünen, die hier mit die Fäden ziehen und die die Öffentlichkeit immer wieder wissen lassen, dass sie sich von ihrer pädophilen Vergangenheit, die nach eigenen Angaben Tausenden von Kindern das Leben zerstört hat, verabschiedet haben?

4.) Warum reagiert etwa ein Kölner Urgestein wie der Bundespolitiker Volker Beck, der bezüglich Pädophilie eine noch immer nicht eindeutig geklärte, zwielichtige Vergangenheit mit sich schleppt, hier nicht eindeutig? Und zeigt so, dass er es ernst meint mit der Behauptung, dass die einstigen Plädoyers für Sex mit Kindern nur ein einmaliger Ausrutscher waren?

5.) Und welches Licht wirft es auf Homosexuelle, wenn ein sich selbst als homosexuell bezeichnender Journalistenverein eine solche Ehrung energisch und auch unter Inkaufnahme zahlreicher Austritte in Kauf nimmt? Liefert dieser Verein da nicht genau jenen Beweis, den homophobe Scharfmacher für ihre Theorie einer engen Verwandtschaft von Homosexualität und Pädophilie noch gebraucht haben?

Was in Köln kommende Woche passieren wird, ist ein Skandal ohne Maß und Beispiel. Hier bereitet man sich vor, das vielleicht dunkelste Kapitel der Geschichte von Homosexuellen und Grünen in der Domstadt zu schreiben. Danach wird es noch ein bisschen schwieriger werden, im Zusammenhang mit "schwul" (Gay) von Stolz (Pride) zu sprechen ...

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