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17/12/2015 08:31 CET | Aktualisiert 17/12/2016 06:12 CET

Katholische Theologen vergleichen Homosexuelle mit Kannibalen

David Berger

In einem der größten und einflussreichsten Orden der katholischen Kirche, dem Dominikanerorden, ist eine scharfe Kontroverse zum Thema Homosexualität ausgebrochen.

Ausgangspunkt des Streits war die Veröffentlichung des Buches „L'amicizia più grande" („Die größte Freundschaft") von Professor Adriano Oliva im vergangenen Sommer. Oliva ist einer der bedeutendsten lebenden Gelehrten des Ordens.

Seit vielen Jahren leitet er die Leonina-Kommission, die mit der historisch-kritischen Herausgabe der Schriften des Thomas von Aquin betraut ist. Dieser gilt nicht nur als der wichtigste Lehrer und Heilige des Dominikanerordens, sondern auch als der „Doctor communis" (der maßgebende Lehrer) der katholischen Philosophie und Theologie.

Homosexualität als höchste Form der Freundschaft


Und gerade den heiligen Thomas von Aquin, der bislang auch immer als Kronzeuge für eine Verurteilung „homosexueller Akte" herangezogen wurde, interpretiert Oliva neu: Der Aquinate habe erkannt, dass Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, sofern er wirklich unter zwei homosexuellen Erwachsenen stattfindet, einen „Akt einmaliger, freier und vertrauensvoller Liebe" darstellt.

In dieser Weise frei gelebte Homosexualität sei „nicht nur moralisch akzeptabel, sondern sollte auch von der katholischen Kirche gesegnet und ausdrücklich unterstützt werden".

Das Buch Olivas erschien in französischer und italienischer Sprache. Eine Rezension in der französischen Zeitung „La Croix" sorgte bereits in Frankreich für eine Kontroverse.

Vergangenen Freitag haben Professor Oliva nun vor allem amerikanische Dominikaner in einer flammenden Gegenschrift, erschienen in dem Magazin „First Things", geantwortet. Am liebsten hätten sie die Schrift ignoriert, lassen sie wissen. Aber Oliva habe selbst den Skandal heraufbeschworen, indem er durch seine Schrift Menschen zu schwerer Sünde verführe.

Sodomie ist noch immer eine Todsünde


Denn tatsächlich sei die „Sodomie" (das ist der mittelalterliche Ausdruck für Homosexualität) noch immer eine Todsünde. Die Ausführungen Olivas widersprächen nicht nur dem Lehramt der Kirche, sondern auch dem, was Thomas von Aquin wirklich lehrt. Die Sophisterei von Oliva sei einfach nur haarsträubend.

Auch Thomas lehre eindeutig, dass die Zwecke der Ehe die Erzeugung von Nachkommenschaft und deren Aufzucht sowie die gegenseitige Liebe und Unterstützung der Ehegatten untereinander sei. Dabei sei das Gut der Nachkommenschaftserzeugung der erste Zweck der Ehe. Alles andere in den Aquinaten hineinzuinterpretieren, sei Unsinn. Sexuelle Akte jedoch seien alleine der Ehe vorbehalten.

Auch das Argument Olivas, der von der auf die gleichgeschlechtliche Leibe ausgerichteten Natur des Homosexuellen auf sein Recht, diese Natur auch auszuleben, schloss, überzeugte seine Kritiker nicht. Kannibalen hätten ja auch nicht das Recht ihre Neigung auszuleben.

Oliva wolle folglich einen „Gay thomism" etablieren, der aber mit dem authentischen Thomas von Aquin nichts mehr zu tun habe. Zudem widerspreche er dem Lehramt der Kirche auf offensichtlichste Weise.

Inwiefern bereits ein Verfahren gegen die Thesen Olivas bei der Vatikanischen Glaubenskongregation, die über die Unversehrtheit der katholischen Doktrin zu wachen hat, läuft, wurde bislang nicht bekannt.

Foto: Der heilige Thomas von Aquin - Gemälde von H. Feuerstein in Privatbesitz (c) Photo: David Berger

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