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10/10/2015 06:29 CEST | Aktualisiert 10/10/2016 07:12 CEST

Zum Geburtstag der HuffPost: Ich verachte Ihre Meinung

Thinkstock

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass die zwei Jahre, die ich das Leben der deutschen Ausgabe der Huffington Post begleite, immer nur eitel Sonnenschein waren. Und ich fange sofort mit dem an, was mich geärgert hat:

Noch lange bevor die anderen Medien ausführlich über Flüchtlinge, Asyl und Migration berichtet haben, hat die HuffPost das Thema aufgegriffen - und das häufig in einer Weise, die mich als eher konservativen Denker, der das Abendland und sein Denken von Aristoteles über Thomas von Aquin und die Aufklärung bis hin zu Heidegger oder Karl Popper liebt, geärgert hat.

Ganz brutal gesagt: Ich fand es unklug, dass man sich auch über die Mitläufer von Pegida lustig machte, vorschnell mit dem Vorwurf des Rechtspopulismus bei AfD-Politikern war und schließlich auch noch kampagnenhaft die besondere Tugendhaftigkeit von Asylsuchenden hervorhob.

Jedenfalls war das in meiner Wahrnehmung so.

Bis mir der Kragen dann doch platzte und ich einen Kommentar schrieb, der besonders letztere Vorgehensweise hart als „positive Diskriminierung" bezeichnete. Und ziemlich frech an die Blog-Redaktion der HuffPost weiter leitete.

Mein Mann sagte mir damals: „Das ist das Ende Deiner Tätigkeit für die HuffPost! Du machst Dir eine Chance kaputt, viele Menschen zu erreichen!"

Doch es kam anders als gedacht: sogar als auf der Startseite empfohlenen Beitrag publizierte die Zeitung den Kommentar - unzensiert und unverändert.

Diese Anekdote zeigt für mich die große Stärke der HuffPost: Auch wenn es eine verhältnismäßig klare Linie der Redaktion gibt, hat man doch so viel journalistisches Ethos, dass man diese Linie kritisierende, ganz andere, andere oder auch modifizierende Stimmen zulässt. Und damit zeigt, dass man seinen Lesern und Leserinnen zutraut, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Das können nur Redaktionen, in denen ein vernünftiges Selbstbewusstsein und eine Hochschätzung der Leser herrscht. Klingt eigentlich selbstverständlich, ist es aber nicht. Und das sage ich als jemand, der mit Medien aller Art und jeder Couleur in den letzten 7 Jahren intensiv zusammengearbeitet hat.

Auch wenn der Satz nachweislich nicht von dem großen Philosophen Voltaire stammt, wird er ihm doch passenderweise zugeschrieben und ich möchte in der HuffPost ins Geburtstagsbuch schreiben: "Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen."

Ad multos annos!

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