BLOG
25/03/2015 04:41 CET | Aktualisiert 25/05/2015 07:12 CEST

Wie Mutter und Vater auch bei Scheidungen für ihre Kinder da sein können

Thinkstock

Mit den Worten „... was übrig bleibt ist Zwischenmenschlichkeit. Auch wenn alles andere zerstört ist. Die Solidarität bleibt doch. Und ich will da einfach auch nicht akzeptieren, dass so eine zwischenmenschliche Ebene ganz zerstört ist. Also, wir küssen dieselben Kinder und wir küssen doch dieselben Münder" beendete ein Vater sein Interview in „Erziehung im Wechselmodell - Trennungskinder und gelungene Erziehungspartnerschaft".

Ein Interview, das im Zusammenhang mit einer theoretischen und empirischen Untersuchung im Kontext wechselseitiger Betreuung nach Trennung und Scheidung durchgeführt wurde. Eine Studie nicht etwa aus unseren Nachbarländern, sondern aus Deutschland.

Kinder erleben heutzutage vielfach die Trennung ihrer Eltern

Beziehungen werden beendet, Ehen werden geschieden - doch allzu oft bleibt mit gemeinsamen Kindern eine lebenslange Verbindung bestehen. Dabei ist das Bewusstsein von Müttern und Vätern für eine geteilte Verantwortung auch nach einer Trennung immer präsenter: Mütter wie Väter wollen zu gleichen Teilen am Leben der Kinder teilhaben.

Diesen Spagat zwischen elterlicher Verantwortung auch und gerade nach einer Trennung und dem „Loslassen können" der eigenen Kinder erscheint in einer vielleicht konfliktbehafteten Zeit nach einer Trennung recht schwer. Wenn Schmerz, Wut und das Realisieren einer gescheiterten Beziehung vorherrschend sind, kann eine Einigung bezüglich der dann neu zu gestaltenden Betreuungsintervalle eine Herausforderung darstellen.

In „Erziehung im Wechselmodell - Trennungskinder und gelungene Erziehungspartnerschaft" berichten Eltern über die paritätische Betreuung ihrer Kinder. Mit dem Begriff Wechselmodell bezeichnet man im Allgemeinen die wechselseitige Betreuung des Kindes nach Trennung und Scheidung. Das bedeutet, dass das Kind in den Haushalten der getrennten Eltern lebt und demnach auch in beiden Haushalten seinen Lebensmittelpunkt hat.

Die Definitionen bezüglich eines tatsächlichen Wechselmodells schwanken in Hinblick auf die zeitliche Regelung: während eine engere Begriffsdefinition nur im Fall einer 50/50-Regelung - also wenn das Kind 50 Prozent der Zeit mit dem Vater und 50 Prozent mit der Mutter verbringt - von einem wirklich paritätischen Residenzmodell ausgeht, fallen in einem weiteren Begriffsverständnis auch 45/55- oder 40/60- Regelungen unter den Begriff des Wechselmodells. Bei all den prozentualen Aufrechnungen ist es entscheidend, welche Verantwortung sich die Eltern teilen und wie sie diese Verantwortung demnach praktizieren.

Wie gelingt es Eltern nach einer Trennung ein Wechselmodell zu arrangieren

Interessant sind die Interviews von zehn Vätern und Müttern, die genau von diesem Prozess berichtet haben. Es stellte sich die Frage, wie gelingt es Eltern nach einer Trennung ein Wechselmodell zu arrangieren? Was sind die Beweggründe und wie konnten sie diesen Weg gemeinsam, auch wenn er holprig war, beschreiten. Wo sehen Eltern Chancen und Risiken und wie zufrieden sind sie mit ihrem Alltag?

Die Rolle eines solchen Wochenend-Papas ist für die befragten Männer nicht mit ihrem Selbstverständnis als Vater vereinbar, was sich an Sätzen wie „ich wollte nie ein Papa sein, der sein Kind nur sporadisch sieht" (Herr T) oder „es war halt klar, dass ich sie mindestens genau so sehen möchte wie die Mama. Einfach schon, um gar nicht erst in die Position zu kommen des Gastvaters oder des zeitweiligen Papas" (Herr R).

Der gleiche Anspruch, wie bei den anderen Vätern wird auch bei Herrn A deutlich, allerdings stellt sich hier im Gespräch heraus, dass die Entscheidung für das Wechselmodell nicht durch eine Einigung der beiden Ex-Partner entstanden ist, sondern durch eine gerichtliche Verfügung. Im Gegensatz dazu berichten die anderen befragten Väter, dass ihre Ex-Partnerinnen ihren Wunsch nach regelmäßigem Kontakt und aktiver Teilnahme am Leben des gemeinsamen Kindes vollkommen verstanden hätten, da auch sie in der umgekehrten Situation nicht auf den Kontakt zum Kind hätten verzichten wollen ( Gebur 2014, S. 39).

Hier zeigt sich, dass „die neuen Väter" längst in den Kinderzimmern angekommen sind. Väter, die sich nicht nur physisch sondern auch psychisch mit ihrem Nachwuchs identifizieren, sich intensiv damit auseinander setzten und ein Teil davon sein wollen.

Ebenso Mütter, die eindrucksvoll und unter Tränen ihre eigene Kindheit reflektierten und sagten: „Ich habe meinen Vater nie gesehen, weil meine Mutter es nie zugelassen hat. Das kann und möchte ich meinen Kindern nicht antun, denn wir BEIDE lieben unsere Kinder".

Eltern können im Sinne ihrer Kinder handeln

Während der zahlreichen Interviews und den Erzählungen aus dem Leben der Väter und Mütter die teilweise hoch emotional waren, wurde doch eines sichtbar. Es gibt Wege, Möglichkeiten und einen starken Willen der Eltern, im Sinne ihrer Kinder zu handeln. Auch wenn diese Interviews ebenfalls offengelegt haben, dass es für keinen der Eltern leicht war, diesen Weg zu gehen. Sind sie aber diesen gegangen. Und das sehr positiv und gemeinsam.

Letztendlich haben alle Elternpaare eines gemein, die Liebe zu ihrem Kind und die Sorge, ob und wie es mit den bestmöglichsten Rahmenbedingungen aufwachsen kann. Dabei sollte ein jeder in sich gehen, sein Handeln und seine Denkweise reflektieren und der Situation angemessen verändern.

Ein jedes Elternpaar für sich, losgelöst von Wut, Ärger und Zorn. Den Blick von sich und den eigenen Befindlichkeiten lösen und ehrlich, konstruktiv und mit einem kindzentrierten Bewusstsein den Alltag und das Leben für sich selbst und das gemeinsame Kind mit all seinen Schwierigkeiten gestalten und kreieren.


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Video: Bewegend:

Die rührende Geschichte einer Mutter und ihres blinden Sohnes

Photo galleryKindernotizen See Gallery