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23/12/2016 11:21 CET | Aktualisiert 24/12/2017 06:12 CET

Über den letzten Wunsch eines kranken Mädchens und den Mann, der ihn erfüllte

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Nikolaus, viel mehr als eine Legende...

Wer kennt sie nicht. Die Gestalt des beliebten Heiligen. Sein Aussehen, die Lieder, Gedichte und Legenden, die sich um ihn ranken, vielleicht auch nur die Schokoladennikoläuse.

Es ist ein schöner Brauch, dass die Kinder am Vorabend des Festes vom heiligen Nikolaus Geschenke bekommen. An einigen Orten schenkt er seine Gaben auch heimlich, legt sie ab in Stiefel oder Strümpfen.

So mancher Erwachsene schmunzelt heute noch, wenn er oder sie sich zurückerinnert. Ein bisschen Respekt hatte man schon vor dem Nikolaus und seinem Knecht Ruprecht.

Der letzte Wunsch eines kranken Mädchens

Für mich und unsere Familie hat sein Gedenktag, der 6. Dezember, noch eine zusätzliche Bedeutung. Mein Vater ist an diesem Tag geboren. Über 40 Jahre lang hat er sich der Gestalt des heiligen Nikolaus verpflichtet gefühlt, hat seine Rolle eingenommen, kam stellvertretend mit dem Floß über die Sauer gefahren, hat die Kinder beschenkt, hat im Kindergarten und in der Grundschule von dem Heiligen erzählt und die Gestalt mit Leben erfüllt.

Bemerkenswert ist die Begebenheit, durch die alles anfing: Im Dorf lebte damals ein sechsjähriges Mädchen, das an einer unheilbaren Krankheit litt.

Im Frühjahr verschlimmerte sich ihr Gesundheitszustand so sehr, dass ihr baldiger Tod absehbar war. Das Kind hatte nur einen Wunsch: Sie wollte noch einmal den heiligen Nikolaus sehen.

Allerdings; es war die falsche Jahreszeit! Niemand im ganzen Ort traute sich den Besuch bei dem sterbenden Kind zu. Was könnte man hier wohl sagen? Was schenken? Nichts würde das bewirken, was alle sich so sehnsüchtig erhofften. Das Überleben des Kindes.

Für einen Augenblick war die Krankheit vergessen

Mein Vater hat uns die Geschichte immer wieder erzählt. Dass eine ältere Nachbarin einen roten Vorhang in einen Umhang abänderte. Dazu kamen eine gebastelte Mitra und ein Stab. Fertig war der Nikolaus und er machte sich so, notdürftig kostümiert, auf den Weg zu dem Kind.

Ein schmaler, junger Mann, der so gar nichts von der Gestalt des heiligen Nikolaus hatte, wie wir ihn uns vorstellen. Voller Ängste und Bedenken. Die Eltern verdunkelten das Schlafzimmer, damit das kranke Kind die Verkleidung nicht durchschaute.

Was geschah?

Das Mädchen war einfach nur glücklich, achtete gar nicht auf die Details, sah nur den heiligen Nikolaus, vergaß seine Krankheit für einen Moment und ihr letzter Lebenswunsch war erfüllt.

Das Mädchen starb und mein Vater behielt seine Rolle als Nikolaus in Langsur für die nächsten 40 Jahre. Es wurde zu einer schönen Tradition, dass am Vorabend des Festes die Kinder in den Häusern besucht wurden und das der Nikolaus mit dem Floß die Sauer herunter fuhr.

Die Tradition ist geblieben und so kam auch in diesem Jahr am 1. Advent in Langsur wieder der heilige Mann mit dem Floß zu den Kindern.

Längst hat ein anderer die Rolle vom Nikolaus übernommen. Mein Vater ist vor 3 Jahren gestorben, aber an Nikolaus, seinem Geburtstag, denken wir immer wieder an diese ganz besondere Nikolausgeschichte.

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