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05/05/2017 14:34 CEST | Aktualisiert 05/05/2017 14:34 CEST

50 Shades of Grey im politischen Alltag

chrupka via Getty Images

Die Politik versucht mit mehr oder minder kreativen und differenzierten Methoden und Maßnahmen um die Gunst der Wähler zu buhlen. Doch sind wir mal ehrlich, fehlt es nicht über alle Parteien am nötigen Fingerspitzengefühl und Niveau um eine wahre Wirkung beim Wähler zu erzielen?

Ähnlich wie beim Umwerben eines ersehnten Partners, wobei es auch um Feingefühl und erotisches Knistern geht, das nicht künstlich erzeugt werden kann, geht es auch in der Politik um den richtigen Balztanz mit dem potentiellen Wähler.

Je primitiver dieser - um in der Analogie zu bleiben - ist, desto weniger fühlt sich letzterer angesprochen oder im Gegenteil sogar aufgrund der plumpen Art abgestoßen. Schaut man sich nun alle Parteien an so fällt schnell auf, dass der Weg nicht das Ziel ist, sondern eine reine Fokussierung auf das zu Erreichende stattfindet. Frei nach dem Prinzip Augen zu und durch. Wenig anspruchsvoll oder gar feinfühlig.

Einige sind im Streit mit der eigenen Jugend nur auf den Erhalt ihrer Macht bedacht. Andere versuchen Fehler aus der Vergangenheit mit einer Pizza wieder gut zu machen und wieder andere aus dem christlich-sozialen Lager versuchen den starken Mann über das Vortäuschen von Muskeln und eines härteren Profils durch eine striktere Gangart zu markieren, die sie nicht haben.

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Wieder andere probieren es mit einer neuen Optik in Form einer intellektuell wirkenden Brille, die ihnen im Kontrast zu radikaleren Zeiten eine kultiviertere Aura geben soll. Die Bürger sind in ihrer politischen Partnerwahl ebenso wenig simpel strukturiert wie es auch zumeist der zu erobernde Partner ist.

Vielleicht werden einfache Anmachversuche anfangs noch toleriert, doch über kurz oder lang trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer also nicht auf einen politischen One Night Stand steht, geht auf sehr primitive Annäherungsversuche nicht ein, sondern erwartet sich doch ein bisschen mehr.

Emotionen und Logik

Politik ist eine gekonnte Mischung aus Emotion und sachlichen für die Zielgruppe relevanten Argumenten. Reine Showeffekte zu generieren ist zu wenig und wird, wenn nicht eine gewisse politische Substanz vorhanden ist, schnell durchschaut.

Die Partei, die nach einer anfänglichen Showeinlage nichts mehr nachzuliefern hat, stinkt im Hauptakt nach dem kurzen Vorspiel mit dem Bürger schnell ab und es kommt zu keinem Höhepunkt im Sinne eines Kreuzes am Wahltag. Die aktuellen Versuche Wähler zu gewinnen sind zum Teil so einfach und durchschaubar, dass es wenig verwundert, dass sich diese immer mehr für ein politisches Singledasein im Bereich der Nichtwählerschaft entscheiden.

Dies gilt für mögliche Sympathisanten aller Parteien. Die Maßnahmen und Strategien der Spindoktoren und Spitzenkandidaten sind so wenig attraktiv, dass viele Menschen sich zu Recht von der Politik abwenden und ihre kostbare Zeit mit anderen Dingen verbringen.

Ein kleines bisschen Zärtlichkeit

Dabei wäre es an sich so einfach. Anstatt sich mit Gewalt auf das Gewinnen von Wählerstimmen und Zielgruppen mit der damit verbundenen Sozialtechnik zu fixieren, könnte man sich fürs Erste auf die eigene Gefühlswelt konzentrieren und nach einer Reflexionsphase mit einem ehrlichen und nicht berechnenden Angebot auf die Menschen zugehen.

Mehr zum Thema: "Wir können euch alles mögliche glauben lassen": Die Beichte eines professionellen Fake-Produzenten

Charisma ist die Fähigkeit selbst stark empfundene Gefühle auch bei anderen zu erzeugen. Das ist dann auch authentisch. Dazu sollte man sich zuerst über seine eigene Gefühlswelt im Klaren sein bevor man einfach mit einer aufgesetzten Strategie nach draußen geht. Auch gegen einen Quick and Dirty Ansatz ist nichts zusagen vorausgesetzt beide Seiten wissen worauf sie sich einlassen. Wer sich aber jedem anbiedert verliert schnell seinen Reiz und die Attraktivität beim Wähler.

Will man eine langfristige Beziehung zu den Bürgern aufbauen, dann reichen nicht nur einfache Parolen und Überschriften. Es bedarf einer nachhaltigen Beziehungsarbeit und gemeinsamen Werten. Am Ende des Tages geht es nicht um Attraktivität sondern um tiefgreifende Gemeinsamkeiten und Vertrauen.

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