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15/01/2016 05:18 CET | Aktualisiert 15/01/2017 06:12 CET

Deutschland im Fleischwahn - und die Folgen

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Massentierhaltung wird zum Standard schreibt Spiegel Online über den neuen Fleischatlas 2016 der Heinrich Böll Stiftung.

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In der Deutschen Fleisch- und Milchindustrie hat sich in den letzten Jahrzehnten ein Strukturwandel vollzogen. Die Produktion von tierischen Nahrungsmitteln steigt unaufhörlich, während immer mehr kleine Betriebe aufgeben und den großen Mega-Ställen weichen müssen. Die Produktionsbedingungen in dieser Branche orientieren sich stark am Geiz-ist-Geil Image der deutschen Verbraucher. So schaffen es viele kleine Betriebe nicht über die Runden.

Neue Aufnahmen von Tierquälerei

Die, die am meisten unter dem Fleischhunger der Deutschen leiden, sind diejenigen, die beim Großteil der Deutschen täglich auf den Teller landen. Erst vor kurzem hat die Organisation Animal Rights Watch ein weiteres Mal aufgedeckt, wie sich die Tierindustrie permanent über gesetzliche Regelungen und das Tierschutzgesetz hinwegsetzt.

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Report Mainz berichtete am 12. Januar über die aktuellen Aufnahmen des Vereins. Mit versteckten Kameras wurden Bilder gedreht, die jedem Konsumenten zu denken geben sollten. Zu sehen ist wie massenweise Ferkel angeblich „verordnungskonform" getötet werden. Erst werden sie mit einem Schlag auf dem Kopf betäubt, um ihnen anschließen den Hals aufzuschlitzen und sie entbluten zu lassen.

Vielen Verbrauchern ist nicht klar, warum hier massenweise Ferkel in Akkord geschlachtet werden.

In Deutschland werden jedes Jahr Millionen von Ferkel getötet, weil sich ihre Aufzucht nicht lohnt. Viele Ferkel werden schwach oder schon mit Behinderungen geboren. Das liegt an den modernen Züchtungen der Hochleistungssauen, die mehr Ferkel als üblich bekommen.

Viele Ferkel würden es ohne eine intensive Betreuung aus tierärztlicher Hand nicht über die Runden schaffen. Weil sich diese Betreuung finanziell und wirtschaftlich nicht auszahlt, werden sie an Ort und Stelle getötet. Das Gesetz erlaubt die Tötung der Ferkel im Einzelfall, wenn sie missgebildet oder todkrank sind.

Doch „die Tötung erfolgt systematisch, wenn sich eine Handaufzucht finanziell nicht lohnt. Dieser Systemfehler wird auch nicht mit anderen Gesetzen oder Verordnungen behebbar sein.", sagt Pressesprecherin Sandra Franz von Animal Rights Watch.

Dieses System wird sich solange nicht ändern, solange wir die Nachfrage nach Fleischprodukten weiter anheizen. Das einzelne fühlende Lebewesen ist in dem Produktionszyklus dieser Industrie gerade mal ein paar Cent wert. Jeden Tag werden in Deutschland Millionen männliche Eintagsküken vergast und Ferkel, wie auf den Aufnahmen, auf brutale Art und Weise getötet und weggeworfen.

Wir als Verbraucher haben das zu verantworten.

Nicht nur für die Tiere ist diese Entwicklung besorgniserregend. Auch die Beschäftigung der Mitarbeiter in Deutschen Schlachthöfen ist oft prekär. „Unter den 30.000 Beschäftigten, die hier schlachten und zerlegen, sind ein Drittel Südosteuropäer, schätzt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der größte Teil stammt aus Rumänien und Bulgarien, viele auch aus Polen, Ungarn, der Slowakei und Tschechien."

„Heute ist die Fleischwirtschaft in Deutschland ein Geschäft, das von schlechten Arbeits- und Lohnverhältnissen bestimmt ist." schreibt die Heinrich Böll Stiftung.

Video: Vögel, Hamster und Kaninchen: Schock-Aufnahmen zeigen das Leid von Kleintieren für den Heimtierhandel

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