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30/03/2016 08:36 CEST | Aktualisiert 31/03/2017 07:12 CEST

Wie man die junge Generation für Politik begeistert

Konrad Adenauer Stiftung

Interview mit dem ehemaligen Vorsitzenden des Mongolian Youth Council.

Yesukhei war Vorsitzender des Mongolian Youth Council und ist dort jetzt Berater. Der aus Ulaanbaatar stammende 20-Jährige studiert in der Hauptstadt der Mongolei Politikwissenschaft. Die KAS sprach mit ihm über junge Menschen und deren Schwierigkeiten sich politisch zu beteiligen.

KAS: Sind Sie selbst politisch interessiert und aktiv?

Ich bin seit meiner frühen Kindheit politisch interessiert. Mein Vater war 1990 einer der Organisatoren der Hungerstreiks für die Demokratie auf dem Platz vor dem Parlament. Er gehört zu den ersten 100 Mitgliedern der Demokratischen Partei (Anmerkung der Redaktion: Partei, die aus der Demokratiebewegung hervorgegangen ist).

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Die Politik war damit immer ein Teil meines Lebens. Vor den Parlamentswahlen im Jahr 2000 war ich mit meinen Eltern auf dem Land. Als damals Vierjähriger stürmte ich in die Jurte und erzählte aufgeregt meinen Eltern, dass gerade ein Wahlkampfauto der Mongolischen Volkspartei (Anmerkung der Redaktion: ehemalige sozialistische Staatspartei) vorbei gefahren sei.

Das Auto wurde von einer Kuh angeblökt. Ich sagte zu meinen Eltern, die Kuh müsse wohl ein Unterstützer der Volkspartei sein. In der Schule wurde ich dann Klassensprecher - im Studium dann Vorsitzender des Mongolian Youth Council.

KAS: Bei den letzten Wahlen nahmen nur 20 Prozent der jungen Menschen in der Mongolei an den Wahlen teil. Was glauben Sie, sind die Ursachen für die niedrige Wahlbeteiligung junger Menschen?

Es ist für junge Leute gesellschaftlich schwierig von älteren Menschen akzeptiert zu werden. Wir Jungen gelten als unerfahren und noch nicht bereit, Entscheidungen zu treffen. Sowohl in der asiatischen als auch in der mongolischen Kultur gilt das Senioritätsprinzip.

Junge Leute verstehen oft die Wahlprogramme nicht, weil die Sprache zu kompliziert ist. Es herrscht deshalb eine gewisse Politikverdrossenheit in der jungen Generation.

In der Mongolei spiegelt sich das sogar in Sprichwörtern wider: Korrigiere Dich erst selbst, dann dein Haus und dann den Staat. Außerdem vermute ich, dass Teile der jungen Bevölkerung nicht aus eigenem Interesse gewählt haben.

Es gibt Druck von den Familien, eine bestimmte Partei oder einen bestimmten Kandidaten zu wählen. Hinzu kommt, dass die politische Bildung im Land niedrig ist. Die Parteien betreiben keine Jugendförderung und interessieren sich auch sonst nicht für die Bedürfnisse der Jugend.

Junge Leute verstehen oft die Wahlprogramme nicht, weil die Sprache zu kompliziert ist. Es herrscht deshalb eine gewisse Politikverdrossenheit in der jungen Generation.

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KAS: Wie kann man das Interesse junger Menschen an der Politik steigern?

Politik muss verständlich gemacht werden. Es muss gezeigt werden, dass es nichts Abgehobenes ist, sondern dass es zum alltäglichen Leben gehört. Die Botschaft sollte sein: Niemand ist zu jung oder zu dumm für Politik.

Vieles würde einfacher werden, wenn die Parteien sich stärker auf die junge Generation konzentrierten: Wahlprogramme in jugendgerechter Sprache und eine gezielte Nachwuchsförderung sind aus meiner Sicht wichtige Ansatzpunkte.

Die Sprache der Politik wird auch dann einfacher, wenn sich junge Menschen bei der Entwicklung der Sprache beteiligen dürfen.

KAS: Welches ist das effektivste Medium, um junge Menschen zu erreichen?

Aus meiner Sicht ist es der persönliche Kontakt. Social media ist zwar auch wichtig, es dient aber meiner Meinung nach mehr der Selbstdarstellung. Es geht zu oft um Meinungsmache und weniger um Meinungsaustausch.

Viele suchen noch ihren Platz im System. Es fehlt das Gemeinschaftsfühl.

Themen kann man nur dann diskutieren, wenn man sich real trifft und nicht hinter einem Bildschirm sitzt. Außerdem funktioniert das Internet auf dem Land ohnehin nicht so gut wie in der Stadt.

KAS: In der Mongolei gibt es zahlreiche Jugendverbände. Warum gibt es diese Zersplitterung?

Die Mongolei ist eine junge Demokratie. Dadurch herrschen sehr unterschiedliche Auffassungen darüber, was genau Demokratie ist und wie genau sie gelebt werden sollte. Jeder definiert das für sich unterschiedlich. Viele suchen noch ihren Platz im System. Es fehlt das Gemeinschaftsfühl.

Die Menschen kämpfen oft für sich allein und ihre Familie. Selbst beim Mongolian Youth Council als Dachverband mehrerer Jugendorganisationen gibt es oft Probleme. Bei unseren 30 Mitgliedsorganisationen gibt es sehr unterschiedliche Meinungen und Einstellungen.

Wir versuchen zwar gleiche Standpunkte zu erarbeiten und eine Gemeinschaft zu bilden, aber dies braucht oft Zeit.

KAS: Können Sie ein Beispiel dafür nennen, wie Sie versuchen die Beteiligung junger Menschen zu erhöhen.

Als Beispiel kann ich das gemeinsame Projekt mit der Konrad-Adenauer-Stiftung „Pizza und Politik" nennen. Die Veranstaltung hat das Thema Politik für die Teilnehmer vereinfacht. Es herrschte eine offene Atmosphäre.

Jeder kann sagen oder fragen, was er will. Nichts ist peinlich und wir haben auch im Anschluss untereinander diskutiert. Nach „Pizza und Politik" hatten wir das Gefühl gemeinsam etwas erreichen zu können.

Das Interview führte Dr. Daniel Schmücking, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Mongolei.

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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