BLOG
01/02/2016 12:11 CET | Aktualisiert 01/02/2017 06:12 CET

„Der Ältere spricht, der Jüngere hört zu"

Die Mongolei ist nicht nur eine junge Demokratie, sondern auch demographisch gesehen ein junges Land. 58 Prozent der mongolischen Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre. Dennoch mangelt es der Generation an politischem Einfluss. Aber wie bereits in der Überschrift sprichwörtlich zum Ausdruck kommt, haben es die jungen Menschen in der Mongolei nicht leicht.

Die Ursachen sind vielschichtig aber im Grunde als zwei Seiten einer Medaille einzuordnen. Zum einen herrscht in der Mongolei das Senioritätsprinzip, das letztlich wenig Raum für die politische Entfaltung Jugendlicher lässt. Zum anderen sind das Interesse und die Bereitschaft der jungen Menschen an politischer Partizipation gering ausgeprägt.

2016-02-01-1454338802-9283398-IMG_4195.JPG

Das Senioritätsprinzip manifestiert sich, wie in vielen andern asiatischen Ländern auch, sowohl in der Familie als auch in der Politik. Die Sprache ist dabei Ausdruck dieser gesellschaftlichen Norm. Sinnbildhaft ist die Tatsache, dass Kinder in der Familie ihre Eltern siezen - aber nicht nur dort: Auch in vielen anderen alltäglichen Situationen wird von den Jungen erwartet, den Alten einen überbordenden Respekt zu zollen.

Nach dem Video weiterlesen

In Diskussionen zählt das Alter oft mehr als das Argument. Diese traditionelle Denkweise hat auch Einfluss auf die Demokratie. Junge Politiker können sich nur schwer gegen die Älteren durchsetzen, da es ihnen an gesellschaftlicher Anerkennung fehlt. Sie müssen daher viel Durchhaltevermögen aufbringen, um tatsächlich politische Verantwortung übernehmen zu können.

In Diskussionen zählt das Alter oft mehr als das Argument

Außerdem werden in der mongolischen Politik viel Geld und die nötigen Kontakte benötigt, um sich zu behaupten, auf die die meisten jungen Politiker jedoch noch nicht zurückgreifen können. Die 23-jährige Dulguun, die sich stark politisch in verschiedenen Nichtregierungsorganisationen engagiert, beschreibt die Situation wie folgt: „Ich bin politisch aktiv, aber kein Parteimitglied. Vor allem meine Familie ist skeptisch. Sie denken, ich sei zu jung und als Frau nicht dafür geeignet. Außerdem haben sie Angst um mich und meine Zukunft, da Politik in der Mongolei als schmutziges Geschäft gilt."

Auf der anderen Seite der Medaille steht das Desinteresse vieler junger Mongolen an politischer Mitbestimmung. „Meine Stimme ändert nichts" - ist oftmals die Begründung, nicht zur Wahl zu gehen. So sind bei den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2012 nur ca. 20 Prozent der unter 35-Jährigen wählen gegangen. Die niedrige Wahlbeteiligung ist aber nur die Spitze des Eisbergs.

Unter den jungen Menschen herrscht ein generelles Gefühl der Machtlosigkeit. Dies äußert sich in einer sehr geringen Motivation, politische Verantwortung zu übernehmen. So sind insgesamt nur sehr wenige junge Mongolen Mitglied einer Partei oder zivilgesellschaftlich engagiert. Der jungen Generation in der Mongolei fehlt ein Gemeinschaftsgefühl und dadurch auch die gegenseitige Vernetzung.

Unter den jungen Menschen herrscht ein generelles Gefühl der Machtlosigkeit

Daraus erwächst der Eindruck, nichts ändern zu können. Ohne Selbstvertrauen kann aber letztlich auch keine politische Durchschlagskraft entstehen. Die Situation wird durch die schwierige wirtschaftliche Situation dieser Generation verstärkt. Alltägliche Sorgen um Existenz und Zukunft rücken die gesellschaftlichen Probleme in den Hintergrund.

Für die meisten jungen Mongolen geht es nach ihrem Schul- oder Universitätsabschluss darum, einen passenden und sicheren Arbeitsplatz zu finden. Jeder einzelne versucht, für sich selbst das Beste zu erreichen und stellt sich nicht der Herausforderung, einen politischen und gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Trotz der schwierigen Voraussetzungen können nur die jungen Menschen selbst etwas verändern. So gilt nach wie vor: Demokratie lebt vom Mitmachen. Traditionen, wie das Senioritätsprinzip sind Hürden für die Beteiligung, aber sie sind nicht unüberwindbar. Sie werden aber bestehen bleiben, wenn sie nicht herausgefordert werden. Trotz Rohstoffreichtums ist die Jugend daher die wichtigste Zukunftsressource der Mongolei.


2016-02-03-1454507004-6310832-Drinnen.jpg

Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

Auch bei der Huffington Post:

Aufreger-Vorschlag: Jugendliche sollen wegen Flüchtlingen Zwangsarbeit leisten

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplat

tform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.