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12/04/2016 07:29 CEST | Aktualisiert 13/04/2017 07:12 CEST

„Du kannst viel mehr aus dir machen"

Zolzaya, kurz Zola genannt, trinkt mit den Mitgliedern der NGO „Women for Change" ihren morgendlichen Kaffee. Es beginnt ein ganz normaler Tag in ihrem Leben. Die jungen, gesellschaftlich engagierten Frauen beraten darüber, wie bei den bevorstehenden Parlamentswahlen 2016 mehr Frauen in Entscheidungsebenen gelangen können. Der Kaffee und das Gespräch mit ihren Mitstreiterinnen verleihen Zola Energie für den gesamten Tag, der voller Termine ist.

Anschließend macht sie sich auf den Weg zur Beratung eines Frauenforums. Zola gibt den 20 bis 22-jährigen Frauen Tipps zu Inhalten und Rhetorik. Dabei greift sie auf ihren eigenen Erfahrungsschatz als Rednerin zurück. Sie gibt vor allem Ratschläge, wie man die Nervosität überwinden kann. Ihr oberstes Ziel ist es, andere junge Frauen zu ermutigen.

Am Nachmittag ist sie dann selbst als Rednerin des „Lean in Circle Mongolia" eingeladen, ein Klub von Frauen, die sich durch das Buch „Lean In" von Sheril Sandberg haben inspirieren lassen. In ihrem Vortrag geht es um das Thema Führungsverantwortung in der neuen Generation. „Es ist für mich immer eine ehrenvolle, aber auch äußerst verantwortungsvolle Aufgabe, einen Vortrag vor Menschen zu halten. Ich versuche immer mein Bestes zu geben, um die Zeit der Teilnehmer sinnvoll zu füllen", sagt Zola.

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Für die Graduierte der Rechtsuniversität hatte ihr zivilgesellschaftliches Engagement einen konkreten Auslöser. Nach ihrem Abschluss arbeitete Zola als Marketingmanagerin im Ulaanbaatar Hotel, eines der ältesten Hotels der mongolischen Hauptstadt.

Du kannst viel mehr aus dir machen

Einer der Stammgäste war Sheldon R. Severinghaus - ehemaliger Landesdirektor der Asia Foundation in der Mongolei. Er sagte nach mehreren zufälligen Treffen zu Zola: „Du kannst viel mehr aus dir machen." Damals nahm Zola diese Aussage noch nicht wirklich ernst, aber das sollte sich bald ändern.

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Kurze Zeit später gab es einen großen gesellschaftlichen und politischen Schock in der Mongolei. Nach den Parlamentswahlen im Juni 2008 kam es zu Unruhen und Protesten. Viele Bürger wurden verletzt und manche sogar getötet. Nach dieser tragischen Situation führte die MONFEMNET, ein nationaler Frauenverein für Menschenrechte und Gleichberechtigung, ein Monitoring zu den Vorfällen durch. Zola arbeitete dabei als Freiwillige mit.

Sie verliebte sich in die Tätigkeiten der NGO und entschied sich, ab September desselben Jahres als Jugendprogrammmanagerin bei MONFEMNET zu arbeiten. Obwohl Zola nur noch ein Fünftel ihres vorherigen Gehalts bekam, war es für sie die richtige Entscheidung. Die Arbeit macht ihr viel mehr Spaß und sie hat das Gefühl etwas zu bewegen.

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Junge Frauen beschäftigten sich mit einfachen Tätigkeiten

Sie setzte verschiedene Projekte und Kampagnen im Laufe ihrer Tätigkeit bei MONFEMNET mit Hilfe vieler freiwilliger Menschrechtsaktivisten um. Dabei fiel ihr in der jungen Generation ein wiederkehrendes Muster auf: Die Mädchen beschäftigten sich mit kleinen Aufgaben, wie dem Eintippen von Texten und Hilfsarbeiten, wohingegen die Jungs automatisch führende Rollen in der Gruppe übernahmen. Das war für Zola eine deutliche Spiegelung des fest verankerten Patriarchats in der mongolischen Gesellschaft.

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Zusammen mit drei weiteren jungen Juristinnen, die sich ebenfalls bei MONFEMNET engagierte, wollte Zola etwas dagegen tun. Sie entschlossen sich im Jahr 2010 dazu, gemeinsam die NGO „Young Women for Change" zu gründen.

Bei ihrem ersten Treffen diskutieren sie, wie ungerecht Frauen in der mongolischen Gesellschaft behandelt werden und wie gegen ihre Rechte verstoßen wird. Im Laufe der Zeit wurden ihre Diskussionen durch erfahrende Gastrednerinnen fachlich untermauert und professionalisiert.

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Heute hat die NGO 60 feste Mitglieder und hunderte Unterstützer. Sie gilt vor allem in der jungen Generation als eine der gesellschaftlich anerkanntesten NGOs in der Mongolei. Besondere Aufmerksamkeit erregten die jungen Frauen mit dem Schauspielstück „Vagina Monologues", das einer internationalen Kampagne gegen Frauenrechtsverstöße entstammt.

Schauspielstück erregt Aufsehen

Das Schauspielstück erreichte bislang insgesamt 3.500 Zuschauer. Es konnten sogar Spenden in Höhe von ca. 15.000 Euro eingenommen werden. Viele Menschen vertraten im Vorfeld die Auffassung, dass die mongolische Gesellschaft für ein Schauspielstück mit solch einem Titel und solch kontroversen Inhalten nicht bereit sei. Doch die jungen Frauen trauten es sich zu und der Erfolg gab ihnen schließlich auch Recht.

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Wenn man Zola fragt, was sie an ihrer Arbeit liebt, antwortet sie mit leuchtenden Augen: „Ich mag es zu hören und zu sehen, wie sich durch unsere Aktionen das Lebensbild der Frauen geändert hat und wie es zu tatsächlichen Verbesserungen kam. Das gibt mir meine Energie und motiviert mich, weiterzumachen. Ich wünsche mir, dass unsere NGO ein fruchtbarer Boden für viele junge Menschen ist, so dass sie sich mehr über Menschrechte informieren und dafür einsetzen."

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Da Zolas Projekte und Vorträge größtenteils auf Forderungen nach mehr Frauen in Führungspositionen gründen, wird sie oft gefragt, ob sie später einmal in die Politik einsteigen will. Für Zola kann Politik helfen, ihre Ziele zu erreichen, aber sie ist kein Selbstzweck: „Mir geht es nicht um Macht, sondern um Veränderung.

Ich fördere Frauen, damit in naher Zukunft beide Geschlechter gleichermaßen in Führungspositionen vertreten sind und die gleichen Chancen haben. Ich würde den Schritt in die Politik nicht machen, weil ich Politikerin werden möchte, sondern nur um meine gesellschaftlichen Werte durchzusetzen."

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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