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15/04/2015 07:19 CEST | Aktualisiert 20/02/2017 07:31 CET

Ich möchte nicht nur Windeln wechseln. Ich möchte arbeiten.

Wieso nur sieht niemand außer uns, was in unserer Gesellschaft passiert? Wieso werden wir einfach abgetan? Wieso werden unsere Leistungen, die wir bis zur Geburt gebracht haben nicht anerkannt? Wieso ist nur eine Mama, die Vollzeit arbeitet, beruflich angesehen?

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Familie - Vor fast vier Jahren habe ich beruflich wirklich ein Glücksgriff für mich gemacht. Ich fand meinen Job, meinen Chef, das Thema und die Perspektiven sooooo toll. Ich habe mich in kürzester Zeit eingearbeitet und hochgearbeitet. Ich hatte soviel Spaß wie lange nicht mehr und konnte mir wirklich vorstellen das bis ans Lebensende zu machen.

Natürlich gab es Streitigkeiten mit Kollegen und dem Chef aber ich war engagiert und liebte meine Arbeit. Ich lernte tolle Menschen kennen und konnte etwas in Deutschland umherreisen. Als ich schwanger wurde, war ich weiterhin so engagiert und arbeitete bis acht Wochen vor der Geburt ohne einen Tag abwesend zu sein. Ich habe wirklich mein Arbeitspensum weiter eingehalten nur meine Laune war nicht mehr soooo regelbar und es war sicher nicht immer für alle angenehm mit mir zu arbeiten.

Aber es waren die Hormone, das ist keine Ausrede.

Das sehr vertrauensvolle Verhältnis zu meinem Chef veränderte sich und umso näher mein Ausstieg kam, umso unwohler fühlte ich mich und mein Gefühl hat sich auch bestätigt, denn in meinem Mutterschutz kam eine unschöne Email. Ja und seitdem habe ich keinen Kontakt mehr zu meinem Arbeitgeber.

Ich bin unfreiwillig freiwillig ausgestiegen aus dem Arbeitskreislauf.

Ich habe mich in eine neue Welt begeben. Die Welt der Erstlingsmama.

Es fühlte sich lange wie eine Isolation an, das soziale Leben war irgendwie weg. Das legte sich aber, da ich es liebte Mama zu sein. Man war so beschäftigt, dass alles andere auf die hintersten Plätze im Bus gesetzt wurde.

Jetzt ein knappes halbes Jahr vor Ende meiner Elternzeit, sitzen diese Gedanken wieder ganz vorne und wollen Antworten. Der Arbeitskreislauf ruft mich aus vielen Ecken. Ich bin sooooo durcheinander, ich kann und will so vieles aber ich will nicht verzichten auf die Zeit mit meinem Prinzen, auf die Zeit mit meinem Mann, der nur am Wochenende Zeit für uns hat. Ich möchte nur halbtags arbeiten. Ich möchte etwas machen, was ich liebe, was ich bis zum Ende meines Lebens machen möchte. Ich bin ein Mensch der loyal ist und auch einem Unternehmen loyal und stetig zur Seite stehen möchte aber eben auch zu meinen Bedingungen.

Einer meiner Artikel, hat ja all das schon mal angerissen, aber ich könnte noch hunderte von diesen Artikeln schreiben, weil ich so wütend bin, weil meine Gedanken mich tagein und tagaus beschäftigen. Es ist eine existenzielle Angst, keinen Job zu finden und etwas machen zu müssen was gegen all meine Prioritäten verstößt. Es ist aber auch die Angst als Mama in den Arbeitslosensumpf zu geraten, denn dann hat man es ja noch schwerer wieder raus zu kommen.

  • Wieso nur werden wir Mamas so anders bewertet und gesehen?
  • Wieso werden unsere Kinder als Argument gegen uns genommen?
  • Wieso nur sieht niemand außer uns, was in unserer Gesellschaft passiert?
  • Wieso werden wir einfach abgetan?
  • Wieso werden unsere Leistungen, die wir bis zur Geburt gebracht haben nicht anerkannt?
  • Wieso ist nur eine Mama, die Vollzeit arbeitet halbwegs beruflich angesehen?

Niemand gibt mir eine Antwort.

Ich hoffe wir Eltern, aber besonders Mütter und Frauen, werden endlich gehört/gesehen und bekommen die Rechte, die uns zustehen.

Dieser Artikel ist bereits auf http://gluckeundso.de erschienen.


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