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22/12/2016 06:48 CET | Aktualisiert 23/12/2017 06:12 CET

"Es verging keine Woche, in der ich nicht beschimpft oder geschlagen wurde" - so sehr leiden Kinder unter Mobbing

orkunoz via Getty Images

Mit 6 Jahren kam ich in die Schule. Der Tod meiner kleinen Schwester war noch sehr präsent. Ich sprach eigentlich jeden Tag mit ihr und schaute immer in den Himmel um ihr zu winken und mir zu wünschen, neben ihr auf der Wolke zu sitzen.

Ich erzählte viel davon in der Schule bis zu einem Moment. Eine Klassenkameradin drückte mich an die Wand und hielt mir einen Zirkel mit der Spitze an die Stirn. Sie sagte mir, ich solle aufhören von der Toten im Himmel zu sprechen.

"Es gibt keine Engel und tote Kinder sitzen nicht auf Wolken."

Sie drückte mir die Spitze in die Haut und ich hatte solche Angst, das ich nie nie wieder davon sprach.

Mehr zum Thema: Mobbing: Brief einer Mutter an ihr Kind

Wochen später, ich saß auf einer ca. 1,5m hohen Mauer in der Pause und unterhielt mich. 2 Sekunden später riss mich jemand rückwärts die Mauer runter. Ich weiß nicht, wer und auch nicht, wieso, aber ich hatte eine Gehirnerschütterung.

Bis heute wissen Sie nicht, dass das Mobbing danach noch weiter ging, aber ich wurde irgendwie stärker.

Es vergingen kaum Wochen, an denen ich nicht beschimpft oder geschlagen, getreten oder geschubst wurde. Eines Tages jagten Sie mich wieder. Sie jagten mich über den Schulhof. Ich flüchtete mich auf ein Klettergerüst. Ich hatte solche Angst. Ich fiel vom Klettergerüst auf den Rücken und meinen Arm.

Ich bekam keine Luft. Ich weinte. Ich stand auf und rannte nach Hause.

Ich merkte gar nicht, was mit meinem Arm los war. Er war angebrochen.

Aber der psychische Schmerz und die Angst siegten über den körperlichen Schmerz. Meine Familie weiß bis heute nicht, wie oft mir eigentlich in der Grundschule weh getan wurde. Bis heute wissen Sie nicht, dass ich nicht aufs Gymnasium wollte, da dort all diese Schüler waren vor denen ich Angst hatte.

Bis heute wissen Sie nicht, dass das Mobbing danach noch weiter ging, aber ich wurde irgendwie stärker. Erst durch viele Recherchen und Gespräche mit anderen Opfern merkte ich eigentlich, dass auch ich Opfer von Mobbing wurde.

Ich war ein Kind und die Täter waren auch Kinder.

Vor einigen Tagen erzählte ich euch etwas über Cyber Mobbing und gab euch Infos zur Selbsthilfe. Der Artikel hat euch genauso beschäftigt wie mich und Gesprächspotenzial ergab sich. Es kristallisierte sich schnell heraus wie viele Betroffene es gibt und wie wenig Sie Gehör bekommen.

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Saskia von Essential Unfairness hat sich gestern endlich getraut, auf veröffentlichen zu drücken und erzählt uns, wie sehr ihre Tochter an der Schule gemobbt wird. Wir unterhielten uns und waren uns sofort einig, dieses Thema weiter zu verfolgen.

Wir möchten euch Gehör verschaffen.

Wir möchten aufrütteln und zeigen, wie gefährlich es ist, andere Menschen so zu quälen. Wir möchten euch die Chance geben, darüber zu sprechen. Ob anonym oder nicht. Opfer oder Täter. Auch Täter waren meist mal Opfer.

Ihr könnt entweder bei Saskia oder bei mir euren Artikel verlinken oder in den Kommentaren etwas schreiben. Helft uns zu helfen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

#NoMobbing

Der Beitrag erschien zuerst auf Glucke und So.

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