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25/03/2015 05:30 CET | Aktualisiert 19/02/2017 13:15 CET

Ich hatte keine Hebamme, aber...

Wir hätten eine Hebamme gebraucht. Wir hätten Dich gebraucht, die nach uns Dreien schaut, die uns alles zeigt, die mit uns spricht, die uns in dieser schlimmen erste Zeit geholfen hätte. Die mich beim Stillen unterstützt und mir Mut zugesprochen hätte.

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...trotzdem geht es mir persönlich gegen den Strich was seit Monaten in unserem Land passiert.

Zwischen der 10. und 12. Schwangerschaftswoche fing ich an, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich suchte nach Hebammen in meiner Nähe und schrieb eine Email oder rief an. Einige meldeten sich gar nicht, Andere sagten, sie machen es nur, wenn ich sowohl Geburtsvorbereitung wie auch Rückbildung dort machen würde. Einen Vorbereitungskurs hatte ich aber schon verbindlich gebucht. Als ich das erwähnte, hieß es

"tut mir leid, dann kann ich nichts für Sie tun."

Hmmm, das könnte kompliziert werden, dachte ich mir. Ich schrieb die Vorsitzende des Hebammenverbandes meines Bundeslandes an. Sie war sehr nett und schickte mir die nicht mehr aktuelle Liste aller Hebammen zu, meinte aber, dass es schwierig wird. Ich nahm die Liste, schrieb 70 Hebammen an und fing parallel an, sie abzutelefonieren. Folgende Aussagen kamen:

"Wie im Sommer bekommen Sie ihr Kind? Sorry, da sind Ferien."

"Sie machen aber dann genau das, was ich sage."

"Beschweren Sie sich bei der Krankenkasse, damit wir mehr bekommen."

"Ich arbeite lieber an der Kasse, da verdiene ich mehr."

Nach fast acht Wochen lagen meine Nerven blank, ich war entsetzt, ich war sauer und ich war entschlossen, dass ich das auch ohne Hebamme schaffen kann.

Nun war sie da, die Geburt. Im Krankenhaus versuchte ich so viel wie möglich zu erfahren. Auch vorab bei der Geburtsvorbereitung habe ich der Hebamme Fragen über Fragen gestellt. Dann kamen wir nach Hause, ich kämpfte an vielen Fronten. Ich kämpfte mit mir, dem Kaiserschnitt, dem Wochenbett, dem Stillen und den Krämpfen meines Babys und dann merkte ich, dass ich es nicht alleine schaffen kann, aber muss.

Wir hätten eine Hebamme gebraucht, wir hätten Dich gebraucht, die nach uns Dreien schaut, die uns alles zeigt, die mit uns spricht, die uns in dieser schlimmen erste Zeit geholfen hätte. Die mich beim Stillen unterstützt und mir Mut zugesprochen hätte. Die uns einige Notdienstbesuche erspart hätte. Die mir Kniffe gezeigt hätte.

Ich hatte keine Hebamme!!..aber, dass die Mächte unseres Landes eine Berufsgruppe auslöschen möchten, die ich und viele andere werdenden Eltern gebraucht hätten und brauchen, dass kann ich nicht verstehen.

Liebe Politiker, lieber Krankenkassenverband, liebe Versicherungen und liebe Andere, die Hebammen abschaffen wollen, habt ihr uns Betroffene mal gefragt, ob wir Hebammen wollen und brauchen? Habt ihr einmal Ärzte gefragt, ob sie Hebammen wollen? Oder Psychologen, ob diese Hebammen wollen? Wen habt ihr gefragt? Zählen wir denn alle gar nicht? Ist es für meine Krankenkasse besser, dass sie jetzt für eine Therapie bezahlen muss, die ich machen muss, weil ich nie aus der Wochenbettdepression raus gekommen bin? Oder weil ich durch den Kaiserschnitt, evtl. gesundheitliche Probleme habe?

Darf unser Land eine komplette Berufsgruppe einfach auslöschen, weil wir nicht bereit sind, Hebammen gerecht zu bezahlen oder zu versichern?

Trotz meiner schlechten Erfahrungen sage ich, dass jede werdende Mama und jeder werdende Papa eine Hebamme braucht. Denn eine Hebamme ist mehr als nur eine Hebamme.

Dieser Artikel ist auch bei gluckeundso.de erschienen.


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