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26/08/2015 14:21 CEST | Aktualisiert 26/08/2016 07:12 CEST

Interkulturelle Tage werben für Vielfalt statt Einfalt

Das Jubiläum beginnt mit einer Premiere: Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Interkulturellen Tage wird die Eröffnungsveranstaltung von zwei jungen Dresdnern mit Migrationshintergrund moderiert.

Einer der beiden ist Jian Tan. „Klingt wie Gin Tonic", sagt der junge Chinese und freut sich über die Eselsbrücke, die er den Deutschen für seinen Namen gebaut hat. Jian Tan stammt aus Ganzhou und lebt seit acht Jahren in Dresden.

Eigentlich wollte der Sprachendozent, der an der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chinesisch und Deutsch unterrichtet, nach dem Abitur viel lieber nach Weimar. „Goethe hat mich damals verzaubert", erinnert sich der sympathische junge Mann an seine Schulzeit, als er „Die Leiden des jungen Werther" regelrecht verschlungen habe.

Als er dann den Studienplatz an der Technischen Universität in Dresden bekam, hat er sich schnell mit der Stadt an der Elbe und all ihren Vorzügen angefreundet. „Dresden ist Interkultur pur", schwärmt Jian Tan und erzählt von den vielen Touristen aus aller Welt, von den vielen internationalen Studierenden und von der integrierenden Funktion der Hochschulen und Universitäten der Stadt.

Dresden sei gerade in den letzten Jahren sehr viel internationaler geworden, sagt Jian Tan. Und ist selbst das beste Beispiel dafür, auch in seiner Rolle als Moderator der Eröffnungsveranstaltung am 20. September im Hygienemuseum.

Gemeinsam mit Co-Moderatorin Flaurita Maffokang, die gebürtig aus Kamerun stammt, wird er dann auf der Bühne stehen und durch das vielfältige Programm internationaler Kultur führen. Vielleicht singt er selbst, das kann Jian Tan nämlich auch.

Mit der „Ode an die Freude" wurde er im Dresdner Rathaus bekannt. Und auch im Interview schmettert er gleich drauf los. „Das Spontane, das ist das Chinesische an mir", sagt der Wahl-Dresdener.

„Aber ansonsten bin ich schon ganz schön eingedeutscht", gibt er zu - gerade im Hinblick auf die Vorbereitung der Moderationsaufgabe. Da werde er viel ausarbeiten, immer in Absprache mit den Organisatoren der Interkulturellen Tage - der Integrations- und Ausländerbeauftragten der Stadt und dem Ausländerrat Dresden e.V.

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Die Skypekonferenz mit Jian Tan und Flaurita Maffokang, die gerade noch in ihrem Auslandssemester in Spanien ist, sei mit das Inspirierendste gewesen, was sie im Rahmen der Vorbereitung der Interkulturellen Tage 2015 erlebt habe, schwärmt Magdalena Motzek vom Ausländerrat, die in diesem Jahr zum ersten Mal den Hut als Organisatorin auf hat.

Dabei sieht sich die junge Frau vor allem als Mittlerin und Impulsgeberin, die Austausch initiiert und Ideen kommuniziert.

„Ziel der interkulturellen Tage ist, Begeisterung für die Vielfalt in der Stadt zu schaffen", bringt Magdalena Motzek es auf den Punkt. Und damit geht es gleich in der Eröffnungsveranstaltung los. Dort wird beispielsweise der Deutsch-Französische Chor neben seinem üblichen Repertoire auch ein persisches Lied anstimmen. Oder das indische Tanztheater Sanskriti, das gemeinsam mit dem pakistanischen Studenten und Sänger Amaid Jafri ein Stück auf die Bühne bringt, das die beiden voneinander gespaltenen Kulturen miteinander verbindet.

Dabei wird das pakistanische Lied, das im Hygienemuseum live erklingt, von den Tänzern bildlich umsetzt. So werden Grenzen mit künstlerischen Mitteln überwunden, Vorurteile abgebaut und Dialog angestoßen.

„Wir wollen ganz bewusst aus der Darbietung der Volkskunst aus den jeweiligen Ursprungsländern raus und stattdessen bewusst zusammen agieren, um etwas ganz Neues entstehen zu lassen", betont Kristina Winkler, die als Integrations- und Ausländerbeauftragte der Stadt Dresden bereits zum dritten Mal die Interkulturellen Tage (IKT) mitorganisiert.

Das Interesse im Rahmen der Interkulturellen Tage, eine eigene Veranstaltung durchzuführen, sei in diesem Jahr noch mal deutlich gewachsen. Während in den vergangenen Jahren konstant um die 70 Diskussionsrunden, Feste, Theateraufführungen und Ausstellungen im Programmheft gestanden hätten, sind es in diesem Jahr erstmalig über 80, so Kristina Winkler.

Die Akteure sind Vereine, Migrantenorganisationen und Kultureinrichtungen, aber auch Privatpersonen und Initiativen der Flüchtlingshilfe. Allein bei der Eröffnungsveranstaltung sind mehr als 100 Menschen aktiv beteiligt - die alle gemeinsam auf eindrucksvolle Art und Weise das diesjährige Motto „Vielfalt statt Einfalt" demonstrieren werden.

Zum Nachdenken soll es anregen und zum Mitmachen. Denn eigentlich sei in Dresden gerade jetzt jeder einzelne Tag ein interkultureller Tag, die zweiwöchige Veranstaltung kanalisiere nur die Vielfalt, um die Aufmerksamkeitsbasis zu vergrößern, sagt Kristina Winkler. Denn Interkulturalität und Integration gehe alle an.

Und Jian Tan, der Dresdner mit den chinesischen Wurzeln, zitiert seine in Spanien weilende Co-Moderatorin Flaurita mit dem Satz: „Ein gutes Haus ist niemals zu klein für viele Gäste" und erklärt dann die Redewendung mit den Worten des chinesischen Philosophen Konfuzius:

Wenn die Fremden aus der Ferne kommen, gib ihnen einen Platz in deinem Haus, denn sie bringen Neues mit, das uns als Gastgeber weiter bringt.

Die Interkulturellen Tage finden vom 20. September bis 4. Oktober in Dresden statt. Das aktuelle Programm finden Sie unter www.dresden.de/interkulturelletage


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