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12/01/2015 07:38 CET | Aktualisiert 14/03/2015 06:12 CET

Rossini perlte wie Champagner

Cecilia Bartoli singt ‚Cinderella' am Zürcher Opernhaus

Wenn das Publikum schon in der Pause strahlend und animiert diskutiert, dann handelt es sich um eine gelungene Aufführung. Und dies war am gestrigen Opernabend in Zürich dem Schwung, der Spielfreude, und der sehr gelungenen Interaktion der Agierenden zu danken.

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Es begann schon mit dem musikalischen Leiter Giancarlo Andretta, der die Overtüre mit so viel Freude und Verve dirigierte, dass das Publikum in einen spontanen Applaus ausbrach. Cecilia Bartoli, die als reife ‚Cenerentola' mit verstörend tiefen Tönen begann, dann aber mit ihrer Spritzigkeit und spitzbübischer Spielfreude eine jugendliche Vitalität an den Tag legte, spann die Stimmung weiter.

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Diese wurde dann speziell vom Vater der Töchter, Don Magnifico Carlos Chausson, stimmlich wie darstellerisch beeindruckend weitergeführt. Ein herrlicher Schwank kam da herüber, bei dem sich Darsteller und Publikum gleichermaßen amüsierten. Und dies auf hohem Niveau.

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Gioacchino Rossinis letzte Oper, dem Cindarella Thema nachempfunden, musste nach langwieriger Stoffsuche in kürzester Zeit entstehen. Nur 22 Tage blieben fürs Libretto und 24 Tage für die Musik, um rechtzeitig für die Karnevalszeit 1816 fertig zu sein. ‚La Cenerentola' wurde dann auch am 25.1.1817 in Rom uraufgeführt.

Dort wurde sie allerdings zuerst mit unmutigem Schweigen aufgenommen, unterbrochen von einigen Pfiffen, und war ein Reinfall. Erst später begann sie ihren Siegeszug, wurde in mehreren Sprachen übersetzt, und wurde sogar als erste Oper überhaupt in Australien aufgeführt. Rossini, der auch hier einige musikalische Einfälle und Arien anderer Produktionen re­zy­k­lie­rte, bekam dafür ein Honorar von 500 Scudi (auf heute umgerechnet circa 1'759 Franken), darin eingerechnet waren allerdings mehrere persönliche Begleitungen am Cembalo.

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Auf diese musste das Zürcher Publikum verzichten. Es freute sich aber an den gekonnt zelebrierten Zickigkeiten der Schwestern Clorinda (Martina Jankova) und Tisbe (Liliana Nikiteanu), den arroganten, affektierten Einlagen des Dieners Dandini (Oliver Widmer) als er seinen Herrn darstellt; sowie Don Ramiro selbst (Lawrence Brownlee), dem man seine zärtliche Hingabe an Cenerentola durchaus abnimmt. Verbunden mit dem optisch reizvollen Bühnenbild und den gekonnten Kostümen von Luigi Perego und Carla Teti, sah und hörte man eine mit trügerischer Leichtigkeit vorgetragene, rundum gelungene Produktion.

Nächst Vorstellung am Opernhaus Zürich: 15. Januar 2015


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