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03/07/2015 08:32 CEST | Aktualisiert 03/07/2016 07:12 CEST

Der 300.Todestag des Sonnenkönigs in Versailles

Thinkstock

Das Fest dazu machte Louis XIV alle Ehre

William Christie, vor 70 Jahren in Buffalo USA geboren, mag auf den ersten Blick nicht als der ideale Schöpfer einer solchen Würdigung erscheinen. Doch der Cembalist, Dirigent, Orchestergründer, Musikhistoriker und Förderer junger Talente kennt und pflegt wie kaum einer die Musik des Barocks, vorwiegend des französischen, und dessen Riten.

Schon das Fest zu seinem 60. Geburtstag, - und die Verleihung des Ordens der Ehrenlegion an ihn durch den damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac -, hatte in einem durchaus barocken Rahmen, nach der Aufführung der Händeloriatoriums ‚Hércule', in der prachtvollen Pariser ‚Opéra Garnier' stattgefunden.

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Für die Teilnahme an so einem Fest hatte man sich natürlich vorbereitet: Die Wahl der Kleidung penibel ausgedacht, den Bahnhof und die Abfahrtszeiten genau studiert. Schliesslich wollten wir auch Anish Kapoors plastische Werke in den Palastgärten anschauen und photographieren. Doch es kam anders:

Am Bahnschalter wurden wir darüber informiert, dass alle Züge nach Versailles aufgehoben seien. Warum ? Ein verächtliches Schulterzucken. Die Anzeigetafel nannte einen originellen Grund: Wegen Hitze. Schliesslich wurde uns geraten einen Zug bis in die Nähe von Versailles zu nehmen und von dort aus einen Bus. Der Zug kam, der Bus nicht. Wir marschierten.

Schliesslich am Palast angekommen war die Frisur wegen des Schwitzens dahin, das Outfit nicht mehr frisch, und die Gärten bereits geschlossen. Ein Ausruhen auf einem Stein wurde von der Palastwache rüde verwehrt. Die Moral war am Tiefpunkt. Doch dann gings bergauf .

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Als Angehörige der ‚Dogen' Gruppe wurden wir von Damen in Livree die imposante Stiege hinaufgeleitet, um uns in einem sehr festlich ausgestalteten Saal am kalten Buffet zu erfrischen. Die Exklusivität dieser Angelegenheit wurde durch den sehr reichlichen Platz angedeutet, den die kleine Gruppe der Auserwählten in diesem Empfangssalon hatte.

Die Damen in Hermès oder Couture, die Herren in Masskleidung und angemessenen Schuhen waren Versailles und seinem Theater durch Gönnerschaften verbunden. Die Konversation wurde in diskreten Tönen zivilisiert geführt; alle Anwesenden waren kundig in Barockmusik und -Architektur, sowie in der Geschichte Frankreichs.

Dann wurde man von Pagen einzeln zu seinem Platz im Theater geführt. Dieser wurde nicht etwa aus einem ordinären Ticket ersichtlich, sondern wurde von handgeschriebenen Büttenkartons abgelesen.

Das intime im Stil des Hochbarock erbaute Schlosstheater Louis XIV, die Opéra Royal', wurde dann um ersten Rahmen der Musik von Marc-Antoine Charpentier, Jean-Baptiste Lully, Henri Desmarest , und Michel Richard de Lalande gegeben von Orchester und Chor der Arts Florissants, der ‚Hausmusiker' William Christies und vier ausgewählten Gesangssolisten.

Tänzer Adrien Couvez interpretierte dazu Choreographien von Nicolas Paul, der neben der Opéra National de Paris auch für internationale Ballettgruppen, sowie für die opulenten Operninszenierungen von Robert Carsens choreographiert.

Eine weitere künstlerische Dimension bot der hochexpressive Denis Podalydès, Bühnen- und Filmschauspieler, der sich auch schon als Regisseur Lorbeeren verdient hat. Er rezitierte und interpretierte mit seinem ganzen Körper Texte wie ‚Cybèle veut que Flore', und Passagen aus Molières ‚Le Malade Imaginaire', ‚Le Bourgeois Gentihomme'- einer Ballettkomödie- , und ‚Les Fontaines de Versailles'. Letzteres deklamierte er in der Spiegelgalerie, indem er sich durch die Anwesenden webte.

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William Christies hatte für seine musikalisch, literarisch, und tänzerische Hommage an den Sonnenkönig, für seine ‚ historischen Fresken' an diesen Liebhaber der Künste, die drei für ihn ‚schönsten Orte Frankreichs' ausgewählt: Das Theater von Versailles, seine Kapelle, und den berühmten Spiegelsaal, der nicht nur von Charles Garnier 1875 in der Opéra Garnier nachgestellt wurde, sondern vor allem von Ludwig II von Bayern.

Dieser hatte aus Verehrung und Bewunderung zuerst mit ‚Linderhof', dann aber vor allem mit ‚Neuschwanstein' und der dortigen Spiegelgalerie dem Sonnenkönig und seinem Schloss ein teilweise detailliertes Denkmal gesetzt; so akribisch kopiert, dass sogar Anspielungen an sein eigenes Herrscherhaus wie Wappen oder Bayernfarben untersagt wurden. Er wollte Louis XIV's Absolutismus in Reinform in Architektur giessen.

Die Aufführungen Christies und seiner ‚Arts Florissants' an diesen drei Orten sollten an die täglichen Rituale des Sonnenkönigs erinnern: Vom ‚Grand Lever' am Morgen, zum ‚Souper' und zum ‚Coucher', die trotz der relativen Intimität täglich von einer ganzen Gruppe von Dienern und Getreuen begleitet und gefeiert wurden.

Man erlebte so einen musikalischen Spaziergang durch die Prachträume von Versailles mit einem ganz in den Farben Gold und Silber gehaltenen Feuerwerk im Park als Schlussbouquet. Ein bombastischer Eindruck dieses Barocklebens.


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