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10/02/2017 11:03 CET | Aktualisiert 11/02/2018 06:12 CET

Safari-Paradies Kidepo Valley Nationalpark

Das Savannengebiet im Norden Ugandas gilt als der unberührteste Nationalpark weltweit. Besucher erleben hier Wildnis und Tiere hautnah.

Fasziniert betrachte ich die sich ständig ändernde Landschaft, die nach dem Start in Entebbe unter mir vorbeizieht. Inseln auf dem türkis glitzernden Victoriasee, entlegene Dörfer, Streusiedlungen, schroffe, zum Greifen nahe Gebirgsketten, üppig grüne Hügel und weite Grasebenen. Je weiter wir nach Norden fliegen, desto trockener wird die Landschaft. Als wir auf dem Lomej Airstrip drei Kilometer südlich des Parks landen, befinden wir uns schon mitten in der Savanne.

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Der 1442 Quadratkilometer große Kidepo, der an den Südsudan und Kenia grenzt, gilt aufgrund seiner Abgeschiedenheit und teilweisen Unzugänglichkeit als der vom Tourismus unberührteste Nationalpark der Welt. Lange Zeit galt die Region als unsicher. Mit Kalaschnikows bewaffnete Gruppen des halbnomadischen Hirtenvolkes Karamojong lieferten sich über Jahrzehnte hinweg untereinander Gefechte, weil ein Stamm dem anderen in nächtlichen Aktionen immer wieder Viehherden stahl. Erst 2011 gelang es der ugandischen Armee, die Kämpfer zu entwaffnen. Heute sind Überlandfahrten zum Park durch das Karamoja-Gebiet problemlos möglich.

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Die wilde und ursprüngliche Landschaft des von mächtigen Gebirgsketten flankierten Nationalparks vermittelt einen Hauch von Abenteuer. Überragt wird das Bergpanorama von den Gipfeln Morungore (2.750 m) and Zulia (2.147 m).

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Zu den fast 80 im Park vorkommenden Säugetierarten gehören Antilopen, mehr als 3000 Büffel, über 400 Elefanten, Geparden, Hyänen, Leoparden, etwa 100 Löwen in mehreren Rudeln, Paviane, Rothschildgiraffen, Warzenschweine und Wüstenfüchse. Die Vogelwelt wartet mit fast 500 dokumentierten Arten auf.

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Mit weniger als 3000 Besuchern im Jahr gibt es im Kidepo Valley Nationalpark kein Gedränge wie in anderen afrikanischen Parks. Als wir bei Sonnenaufgang zur Pirschfahrt aufbrechen, liegt eine endlose, unberührte Weite vor uns. Das Licht der aufgehenden Sonne taucht die Farben der Savanne in faszinierende Goldtöne. Fast übersehen wir einen Löwen, der nur wenige Meter vom Wegrand entfernt einen Büffel zum Frühstück verspeist.

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Neben ihm liegt ein zweiter Löwe satt im gelben Gras. Wenig später kommt ein dritter Artgenosse dazu, was die anderen beiden dazu veranlasst, zu verschwinden. Das Tier steht etwas ratlos vor dem Kadaver. Die inneren Organe sind bereits verspeist. Vielleicht gibt die andere Seite noch etwas her? Der Löwe zerrt mehrere Minuten an dem toten Büffel bis es ihm gelingt, ihn erst auf den Rücken und dann auf die andere Seite zu rollen. Er schmiegt seinen Kopf an die Hüfte des toten Büffels und nickt ein. Schließlich hat er gerade Schwerstarbeit geleistet, denn ein Büffel wiegt fast 600 Kilo - ohne Innereien und mit nunmehr halbem Kopf etwas weniger.

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An manchen Tagen ruhen sich Löwen auf diesem Felsen aus.

Unser Fahrer drängt zum Aufbruch, denn hier gibt es nicht mehr viel zu sehen. Vor uns galoppiert eine Zebraherde über den rotsandigen Schotterweg und lässt dicke Staubwolken hinter sich. Während der vierstündigen Fahrt, die wir immer wieder unterbrechen, um Tiere mit der Kamera einzufangen, kreuzen Kaffernbüffel mit mächtigen, geschwungenen Hörnern und Antilopen unseren Weg, beobachten wir eine Elefantenherde an einem Wasserloch, Warzenschweine mit ihrem Nachwuchs, Meerkatzen, die in einem Baum herumturnen, Giraffen, die uns neugierig beäugen, Löwinnen, die am Wegrand faulenzen und exotische Vögel in Baumkronen. Unterwegs begegnen wir keinen anderen Fahrzeugen, keinen weiteren Touristen.

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Einzige Lodge im Park ist die Apoka Safari Lodge, die auf einem Felsen liegt, eine grandiose Sicht über die Savanne bietet und der jegliche Abgrenzung zur Wildnis fehlt.

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Eine der Unterkünfte der Apoka Safari Lodge.

Tiere können jederzeit ungehindert auf das Gelände, denn hier gibt es für sie eine Wasserstelle. Der Kidepo-Nationalpark umfasst zwei Täler, das Narus- und das Kidepo-Tal, in dem der Fluss während der Trockenzeit austrocknet. Die Tiere finden dann das lebenswichtige Wasser auf dem Gelände der Lodge. Gäste dürfen sich deshalb bei Dunkelheit nur mit Sicherheitspersonal außerhalb ihrer Unterkünfte bewegen. Um einen Wachmann zu informieren, genügt ein Blinken mit dem Außenlicht oder der Taschenlampe.

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Beim Abendessen im Hauptgebäude kann man Tiere an der Wasserstelle beobachten.

Die Südafrikaner Corrie und Bianca Brits leiten die Lodge seit April 2016. „Wir wollten unbedingt außerhalb von Südafrika arbeiten", erzählt der 34jährige. „Zunächst zogen wir Botswana in Betracht, was wegen der Arbeitsgenehmigung aber fast ein Ding der Unmöglichkeit war. Dann wurde uns Uganda angeboten." Corrie und seiner Frau zögerten als sie hörten, dass die Lodge nur wenige Kilometer von der Grenze zum Südsudan entfernt liegt, sagten aber schließlich zu, was sie bis heute nicht bereut haben.

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Lodge-Manager Corrie Brits.

„Die Lodge ist einfach herrlich. Wir haben uns in den Kidepo Nationalpark verliebt. Ich war an vielen Orten in Afrika, habe den Kruger Nationalpark, die Serengeti und Masai Mara gesehen. Der Unterschied zwischen hier und dort ist, dass es dort überfüllt ist, in den Parks tummeln sich zu viele Touristen. Während eines Game Drives schaut man auf 20 andere Fahrzeuge vor, hinter und neben sich. Ist man im Kidepo Park mit dem Auto unterwegs, trifft man weit und breit auf keine anderen Fahrzeuge."

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Die Einsamkeit macht den beiden nichts aus. „Wir sind keine Stadtmenschen. Wir haben eine zeitlang in Johannesburg in einem Hotel gearbeitet, aber die Stadt war zu laut und geschäftig für uns", sagt Corrie. Als die Lodge 2007 eröffnet wurde, gab es kaum Gäste. Viele trauten sich nicht, mit dem Auto zu kommen, weil sie durch das Karamoja-Gebiet fahren mussten. Das hat sich geändert. Heute heißen viele Karamojong-Dörfer Besucher willkommen.

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Lounge im Hauptgebäude der Apoka Safari Lodge.

Die Apoka-Lodge, die die Karamojong Dörfer mit einem Treuhandfonds unterstützt, besteht aus 10 Cottages mit fast 40 Quadratmeter großen, komfortabel eingerichteten Zimmern, sehr geräumigen Badezimmern mit Dusche, einer in einen Felsen eingebaute Badewanne vor der Tür und einer Veranda mit Blick auf die Savanne.

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Eine Felswand schützt Badende vor neugiereigen Blicken.

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Pool der Apoka Safari Lodge.

INFO

Anreise: Brussels Airlines bietet die momentan schnellste Verbindung von Deutschland nach Uganda. Flüge über Brüssel nach Entebbe mit Zubringern ab Berlin, Bremen, Hamburg, Hannover, Nürnberg sowie ab dem Euro Airport Basel-Muhlhouse-Freiburg, im Codesshare mit Lufthansa ab Frankfurt und München oder mit Eurowings ab Stuttgart und München. Aktuelle Angebote unter www.brusselsairlines.com. Weiterreise von Entebbe nach Kidepo mit AeroLink. Mit dem Auto: Ab Entebbe 10 Stunden Fahrtzeit, wobei der Großteil der Strecke aus Schotterpisten besteht.

Unterkunft: Apoka Safari Lodge ab 585 USDollar pro Person im DZ in der Hauptsaison und 380 USD pro Person im DZ in der Nebensaison (März bis Mai und Okt/Nov). Preise inkl. Vollpension, 2 Safari-Ausflüge und Transfer vom/zum regionalen Flugplatz.

Tel +256 414 251 182

www.wildplacesafrica.com

Reisezeit: Uganda hat das ganze Jahr über ein ausgeglichenes Klima. Die Temperaturen liegen ganzjährig zwischen 16 und 28 °C. Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen liegen das Jahr über zwischen 50 und 150 mm. Januar und Februar sowie Juni bis Oktober sind die trockensten Monate, während im April und Mai mit Niederschlagsmengen von 255 bis 280 mm als die regenreichsten Monate gelten.

Einreise: Seit dem 01. Juli 2016 sollen sämtliche Visaanträge für Reisende nach Uganda elektronisch gestellt werden. Der Visaantrag muss über das Online-Portal unter https://visas.immigration.go.ug beantragt werden. Der an die E-Mail des Antragsstellers zurückgesandte Ausdruck „Entry Permit", ist bei der Einreise mitzuführen. Für die Online-Bewerbung benötigen Reisende eine Kopie ihres Reisepasses, den Nachweis einer Gelbfieberimpfung sowie ein Passbild. Die Visagebühr beträgt 50,- US$. Sie benötigen einen Reisepass, der bei Ausreise noch min. 6 Monate gültig ist und mindestens eine freie Seite hat. Für Uganda ist bei jeglicher Einreise eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben. (Stand November 2016)

Gesundheitsvorsorge: Z.Zt. Gelbfieberimpfung. Empfohlen wird Polio, Tetanus, Diphtherie, Hepatitis und Malaria-Prophylaxe vor allem für die nördl. Gebiete (bitte Arzt konsultieren).

Website: Weitere Informationen zu Uganda gibt es auf der neuen deutschsprachigen Website unter www.visituganda.de.

Die Autorin war auf Einladung von Uganda Tourism und Brussels Airlines in Uganda.