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06/02/2017 06:17 CET | Aktualisiert 06/02/2018 06:12 CET

Gorilla Tracking in Uganda

Im Bwindi-Nationalpark im Südwesten Ugandas haben Besucher die Möglichkeit, freilebende Gorillas hautnah zu erleben.

Die morgendliche Stimmung des Anfangens und Beginnens liegt über Rushaga, dem kleinen Bergdorf am Rande des Bwindi Impenetrable National Park. Die Sonne schickt die ersten Strahlen über die üppig grünen Hänge. Frauen balancieren mit Gemüse gefüllte Körbe auf ihren Köpfen zum weit entfernten Markt in Kisoro, Hühner rennen gackernd vor einem Motorrad davon, ein Mann zieht zwei laut meckernde Ziege an einem Strick hinter sich her, und ein paar Kinder sitzen am Rand der roten Schotterstraße und winken uns zu.

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Nur wenige Minuten Fußmarsch sind es von der Gorilla Safari Lodge, wo wir übernachtet haben, bis zum Eingang des Nationalparks. Dort findet im Informationspavillon die Registrierung per Reisepass und ein kurzes Briefing statt. Ein Ranger der Uganda Wildlife Authority informiert uns darüber, wie das Tracking abläuft und was es unterwegs zu beachten gilt.

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Der 331 Quadratkilometer große Bwindi Nationalpark liegt im Grenzdreieck zu Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo und erstreckt sich auf einer Höhe von bis zu 2600 Metern über Hügel und Täler. Rund 440 Berggorillas sind hier beheimatet - mehr als die Hälfte aller heute noch lebenden Tiere ihrer Art, die zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Affen der Welt gehören. Die Umweltschutzorganisation WWF fürchtet, dass die Tiere in 20 Jahren aus der Wildnis verschwunden sein könnten, wenn Wilderei und Lebensraumveränderung anhalten. Pro Tag darf nur eine Gruppe mit maximal acht Teilnehmern eine der Gorillafamilen für eine Stunde besuchen. Begleitet wird sie dabei von einem Ranger, einem Pistenschläger und zwei bewaffneten Wildhütern, um, im Fall der Fälle, Waldelefanten mit einem Warnschuss in die Flucht zu jagen. Wir werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Unsere wird sich auf die Spuren der Bweza-Familie begeben. Ausgerüstet mit festen Wanderschuhen, Stock, einem Rucksack mit Wasserflaschen, Lunch-Paket, Regencape und Kamera machen wir uns auf den Weg in den Regenwald. Wie lange wir unterwegs sein werden, wissen wir nicht, denn Länge und Schwierigkeitsgrad der Wanderung richten sich nach dem Aufenthaltsort der Primaten. Zwei Ranger sind bereits im Morgengrauen losgezogen, um die Gorillas aufzuspüren. Sobald sie die Primaten sichten, werden sie Standort und Bewegungen der Tiere über Walkie-Talkie an den Guide durchgeben.

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Noch ist der Weg leicht begehbar.

In der Nacht zuvor hat es geregnet, der Boden ist matschig. Wir steigen über Baumstämme, Wurzeln und die massigen Kothaufen der Waldelefanten. Zwei Stunden lang geht es stetig bergauf. Der Panoramablick auf die grünen Berge ist atemberaubend. Nebelfetzen ziehen durch das Tal. Rings um uns herum zirpt, summt und raschelt es. Die Luft ist feucht. Millionen winziger Fliegen umschwirren uns. Trotz der Hitze jetzt bloß nicht die Ärmel des moskitosicheren Hemdes hochkrempeln. Aus Jimmys Walkie-Talkie meldet sich eine krächzende Stimme auf Swahili. "Wir haben Glück", sagt er freudig, als er das Gerät in seine Hosentasche steckt. „Die Tracker haben nur einen Kilometer von hier Gorillas gesichtet." Wir verlassen den Weg und nun macht der Bwindi Impenetrable Forest, der undurchdringliche Wald, der übersetzt „Ort der Dunkelheit" heißt, seinem Namen alle Ehre.

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Der Pistenschläger bahnt mit seiner Machete einen Weg in den Dschungel, der so dicht ist, dass kaum ein Sonnenstrahl hindurch kommt. An Lianen, Zweigen, unseren Stöcken und allem, was Halt geben kann, hangeln wir uns den steilen und matschigen Hang hinauf. Es ist so rutschig, dass ich auf dem Bauch lande und nun auf allen Vieren vorwärts krieche. Ich fluche, ich schwitze, verjage Mücken und meine Finger sind voller Dornen. Als ich denke, schlimmer kann es nicht werden, geht es noch steiler hinauf. Mein Fuß verfängt sich in einer Liane, und ich stecke fest. Unser Guide zieht mich nach oben auf festen Boden. Als ich mich frage, wie weit es wohl noch zu den Gorillas ist, ertönt ein Uh-uh-uh-Schrei. „Da sind sie", sagt Jimmy und deutet auf einen Baum, von dem gerade ein Gorilla gemächlich herunter klettert.

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Im Dickicht entdecke ich einen weiteren, der seinen massigen Körper langsam durchs Gebüsch bewegt. Er kommt heraus und zupft Blätter von einem Baum, die er sich genüsslich in den Mund schiebt. Erst als er uns den Rücken zudreht, sehen wir sein silbrig-graues Fell. Bis ein männlicher Gorilla zu einem echten Silberrücken heranreift, dauert es 12 Jahre. Geführt wird eine Gorilla-Gruppe vom stärksten Silberrücken, der bis zu 1,80 Meter groß wird und um die 200 Kilo wiegt. Die Chefs bleiben rund acht Jahre im Amt und bestimmen das soziale Leben, bis ein stärkerer den Clan übernimmt. Ist der riesige Affe vor uns das Oberhaupt der Bweza-Familie? Jimmy schüttelt der Kopf. Keine drei Meter ist das Tier von uns entfernt.

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Bei diesem Anblick sind die Strapazen des beschwerlichen Aufstiegs schnell vergessen. Wir holen unsere Kameras aus den Rucksäcken, gehen näher an das Tier heran und fangen alle seine Bewegungen ein. Er lässt sich durch die klickenden Geräusche nicht stören, beachtet uns gar nicht, gibt uns fast das Gefühl, als wären wir alte Bekannte, die mal eben wieder vorbeischauen.

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Als er nach seiner Mahlzeit im Gebüsch verschwindet, folgen wir ihm ein paar Meter, verlieren ihn aber aus den Augen. Hinter mir raschelt es, ich drehe mich um und sehe einen gigantischen Menschenaffen, der geradewegs auf mich zustapft. "Der Boss", flüstert Jimmy. Angst habe ich keine, er ist ja noch weit genug von mir entfernt. Ich zoome ihn mit der Kamera heran. Noch zwei, drei Schritte, dann habe ich sein Gesicht riesengroß im Sucher. Genau in dem Moment, als ich auf den Auslöser drücken will, packt Jimmy meinen Arm und zieht mich zur Seite. „Du kannst dich nicht einfach einem Gorilla in den Weg stellen", sagt er. Wie nah das Tier tatsächlich ist, merkte ich erst, als ich weggezogen werde. Stampfend zieht der Silberrücken an mir vorbei. Angegriffen hätte er mich nicht, denn Berggorillas sind nicht aggressiv, wohl aber als störendes Hindernis auf seinem Weg überrannt.

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Wenige Minuten später tauchen zwei andere Mitglieder der Bweza-Familie auf. Ein Weibchen mit Kind. Sie machen es sich auf einem Sofa aus Blattwerk bequem. Die Mutter schaut nachdenklich zu uns herüber.

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Noch während wir die Gorilladame beobachten und fotografieren, turnt ihr Kleiner über niedrig hängende Äste zu uns herüber, streckt sich, dehnt sich, gähnt, streckt die Zunge heraus, rollt sich auf den Rücken, und macht Faxen wie ein Menschenkind, gerade so, als würde er explizit für die Kameras posieren.

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Fasziniert schauen wir ihm eine Viertelstunde lang zu. Dann wird es dem Jungen langweilig und er springt hinüber zu seiner Mutter, die in aller Seelenruhe ein Blatt nach dem anderen verzehrt. Gorillas sind 12 Stunden am Tag aktiv, die Hälfte davon verbringen sie mit Fressen. Rund 20 Kilo Grünzeug verputzen sie am Tag. Wir folgen noch zwei weiteren Primaten, die aber nicht gestört werden wollen und im Dickicht verschwinden. Dann ist unsere Besuchszeit auch schon vorbei. Der Aufenthalt bei den Tieren ist auf eine Stunde begrenzt. Die Gewöhnung der Berggorillas an Menschen war und ist ein langwieriger Prozess. Die Tiere, die von Natur aus Angst vor Menschen haben, flüchten bei Begegnungen oder reagieren aggressiv, wenn sie sich bedroht fühlen. Dank der Anfang der 1990er Jahre gestarteten Habituation, bei der Ranger zwei Jahre lang täglich mehrere Stunden bei einer Gorilla-Familie verbringen, damit diese sich an den Anblick von Menschen gewöhnen und deren Gegenwart in ihrem Lebensraum akzeptieren, ist es möglich, sich den Gorillas zu nähern. Im Bwindi Nationalpark, der seit 1994 als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt ist, gibt es derzeit neun habituierte und rund 20 nicht-habituierte Gorillagruppen. Die elfköpfige Bweza-Gruppe ist seit 2014 habituiert. Sechs von ihnen haben wir heute kennengelernt.

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Der Abstieg ist rutschig, die Mücken haben sich vermehrt, und die Baumstämme, über die wir steigen, sind breiter geworden. Mit all den Eindrücken der vergangenen Stunde ist der Weg hinunter ins Tal weniger anstrengend als der Aufstieg. Im Informations-Pavillon erhalten wir das „Gorilla Tracking Certificate", das bestätigt, dass wir am heutigen Tag die Bweza-Gorillagruppe aufgespürt haben. „Und das euch daran erinnern soll, dass ihr die Gorillas tatsächlich in Live gesehen habt!" sagt einer der Ranger lachend.

INFO:

Anreise: Mit Brussels Airlines ab Brüssel nach Entebbe (www.brusselsairlines.com). Planung der Reise zum Bwindi-Nationalpark z.B. über www.ugandawildlife.org oder www.africagorillatreks.com. Reiseangebote auch auf www.visituganda.de.

Impfungen: Gelbfieberimpfnachweis bei Einreise erforderlich, Malaria Prophylaxe empfohlen.

Visum: Der Antrag kann online auf „https://visas.immigration.go.ug" gestellt werden. Dabei müssen eine Kopie des Reisepasses, ein Passfoto und der Gelbfieberimpnachweis hochgeladen werden. Bei der Einreise wird eine Visumgebühr von 50 US-Dollar fällig.

Unterkunft: Gorilla Safari Lodge (www.gorillasafarilodge.com) in Rushaga.

Gebühr: Die Gorilla-Genehmigung (Permit) kostet derzeit 600 US Dollar pro Person und wird vorab über die Uganda Wildlife Zentrale in Kampala verkauft. Der Preis ist hoch, aber mit den Einnahmen kann die ugandische Regierung die Besucherzahlen kontrollieren und den Schutz der Gorillas und der Nationalparks ermöglichen.

Vorbereitung für das Gorilla-Tracking

Gute Wanderschuhe, die den Knöchel bedecken und wasserdicht sein sollten. Der Fußmarsch kann bis zu acht Stunden dauern, und die Wege durch den Regenwald sind unwegsam, steil und oft sehr rutschig. Eine leichte Regenjacke ist empfehlenswert, denn das Wetter schlägt oft innerhalb von Minuten um. Lange Ärmel und lange Hosen sind ein Muss, am besten steckt man die Hosenbeine in die Socken, denn penetrante kleine Ameisen kriechen in Sekundenschnelle hinein und beißen. Hals und Hände mit Insektenspray besprühen.

Wichtig: Kinder unter 15 Jahren dürfen nicht am Tracking teilnehmen. Zum Schutz der Tiere erhalten Personen mit einer Erkältung oder Infektionskrankheit keine Besuchserlaubnis.

Die Autorin war auf Einladung von Uganda Tourism Board und Brussels Airlines in Uganda.