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08/10/2015 06:29 CEST | Aktualisiert 08/10/2016 07:12 CEST

24 Stunden Neapel

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Frühstück mit Aussicht

09:00

Mein Tag beginnt dort, wo die Aussicht über den Golf von Neapel am schönsten ist - auf der Dachterrasse des Hotels Excelsior, sieben Stockwerke über dem Lungomare.

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Von meinem Tisch habe ich links den Golf und den Vesuv, rechts das Castel dell'Ovo im Blick. Das Fundament der Festung wurde im 1. Jahrhundert vor Christus gelegt.

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Der Legende nach soll der römische Dichter Vergil ein verzaubertes Ei unter das Fundament gelegt haben, um die Festung vor der Zerstörung zu schützen.

(Wo? Ristorante La Terrazza, Via Partenope 48, Frühstück täglich ab 7 Uhr)

Funiculì, Funiculà

10:00

Der Morgen geht mit atemberaubenden Aussichtspunkten weiter. Über die Via Toledo gelange ich in einer Seitengasse zur „Funicolare Centrale", die zum Vomero-Hügel hinauf fährt. Als ich in die Seilbahn steige, trällert jemand den Refrain des neapolitanischen Volksliedes „Funiculì, Funiculà" vor sich her: „Jammo, jammo 'ncoppa, jammo ja', funiculi', funicula' - das ist neapolitanisch und bedeutet „Wir fahren rauf, wir fahren, funiculi, funicula!" Das Lied wurde 1880 zur Einweihung der ersten Seilbahn in Neapel komponiert.

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Oben angekommen, muss ich noch ein Stück bergauf zum höchsten Punkt des Volmero, zum Castel Sant'Elmo, marschieren. Der Aufstieg lohnt sich: unter mir breitet sich die Stadt in ihrer ganzen Schönheit aus.

(Wo? Piazza Fuga, tgl. 6:30-0:30, Mo/Di bis 22:00, Fr/Sa bis 2:00. Fährt alle 10 Minuten, 1€).

Gassenbummel

11:00

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Die Altstadt Neapels ist ein einziges Gewirr aus Gassen und Treppen. Zwischen den Häusern sind Wäscheleinen gespannt, auf denen Wäsche zum Trocknen hängen. Fenster stehen offen und ich erhasche Blicke in Küchen, in denen Radio und Fernseher gleichzeitig laufen. An Tischen wird gestritten, diskutiert, geschimpft und wild gestikuliert. Vor einem Haus sitzt eine Gruppe alter Frauen auf Stühlen und ist in ein Gespräch vertieft. Kinder rennen laut kreischend einem Vespafahrer hinterher.

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Szenen, wie ich sie aus de Sicas Episodenfilm „Gestern, heute und morgen" kenne. Wo Sophia Loren im Film als Adelina Zigaretten auf dem Schwarzmarkt verkauft, sitzen heute afrikanische Immigranten und verkaufen Designerimitate.

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Es macht Spaß, ziellos durch die Gassen zu streifen, treppauf, treppab - hier präsentieren sich mir die besten Fotomotive.

(Wo? Jede Seitenstraße der langen Einkaufsmeile Via Toledo führt ins Gassengewirr)

Lunch im Amico Bio

12:30

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Über die Via Toledo gehe ich zur Piazza Dante, wo das historische Zentrum beginnt. Auf dem Platz findet täglich ein Bücherflohmarkt statt. Nur wenige Schritte weiter liegt die kleine Piazza Bellini, wo sich in einem Hinterhof das vegetarische Restaurant Amico Bio befindet.

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Ich habe dort bereits bei meinem letzten Neapel-Besuch gegessen. Das Essen ist fantastisch und jedes Gericht gibt es auch in der veganen Variante.

(Wo? Vico S. Pietro a Maiella 6 an der Ecke, Mo-So 12-16 und 18:30-1:00)

Archäologisches Nationalmuseum

13:30

Das Museum liegt nur wenige Minuten Fußweg vom Amico Bio entfernt. Im Erdgeschoss bestaune ich einen Teil der Farnesischen Sammlung, eine monumentale Skulpturengruppe aus den antiken Caracalla-Thermen in Rom.

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Pan und die Ziege

Im Zwischengeschoss, dem Mezzanin, ist das „Gabinetto Segreto" mit erotischen Darstellungen untergebracht, und im ersten Stock befinden sich Fundstücke und Artefakte aus Ausgrabungsstätten Süditaliens, Wandfresken aus Pompeji sowie zwei versteinerte Körper von Pompeji-Opfern.

(Wo? Piazza Museo 19, Mo 9-19:30, Di geschlossen, Mi-So 9-19:30)

Neapolis - Spaziergang in die Unterwelt

15:30

Unter der Kirche und dem ehemaligen Kloster San Lorenzo Maggiore befinden sich Überreste aus der griechisch-römischen Vergangenheit der Stadt. Vom Innenhof des Klosters begebe ich mich über eine enge Treppe in die Unterwelt und bin zugleich von Säulen und Mauern des Justizpalastes aus dem 6. Jahrhundert umgeben.

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Wenig später stehe ich auf einer drei Meter breiten und 54 Meter langen antiken römischen Straße, auf der schon Vergil gewandelt sein soll. Zu beiden Seiten liegen die Reste der Geschäfte, welche die Straße einst belebten wie Bäckereien, Wäschereien und Färbereien. Weiter hinten stehe ich auf einem bedachten Markt mit mehreren Läden, in denen Fisch und andere Meeresprodukte verkauft wurden. Hier unten ist es so still, dass man die Stille fast hören kann. Als ich die Treppe wieder hinauf steige, müssen sich meine Augen erst wieder an das Sonnenlicht gewöhnen.

(Wo? Via die Tribunali 316, Mo-Sa 9:30-17:30, So 9:30-13:30)

Das Grab des Vergil

17:30

Das Grab des römischen Dichters befindet sich Park Vergiliano a Piedigrotta. Ob sich seine sterblichen Überreste tatsächlich dort befinden, darüber sind sich die Historiker uneinig. Auf seinem Grabstein steht auf Lateinisch „Mantua brachte mich hervor, Kalabrien raffte mich hinweg, nun birgt mich Neapel".

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Der Park liegt in Hanglage und ich steige über eine Treppe höher hinauf. Am Ende der Stufen habe ich einen herrlichen Blick über den Vesuv, sehe in der Ferne Ischia und stelle wieder einmal fest, dass Neapel landschaftlich einfach unübertroffen schön liegt.

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(Wo? Parco Vergiliano a Piedigrotta, tgl. 7-21, im Sommer bis 1 Uhr, Metropolitana Linie 2 ab Piazza Garibaldi bis Mergellina)

Pizza bei Brandi

20:00 Uhr

In der Pizzeria Brandi wurde die Pizza Margherita im Jahr 1889 zu Ehren von Königin Margherita in den Farben der italienischen Flagge Grün (Basilikum), Weiß (Mozzarella) und Rot (Tomaten) erfunden.

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Ich entscheide mich für die Marinara, die bei Brandi bereits seit 1780 gebacken wird. Sie erweist sich als eine der besten, die ich je gegessen habe.

(Wo? Salita Sant'Anna di Palazzo, Di-So 12:30-15:30 und 19:30-23.30, Mo geschlossen)

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Weitere Infos zu Neapel bei ENIT (Italienische Zentrale für Tourismus).

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