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15/03/2016 16:52 CET | Aktualisiert 16/03/2017 06:12 CET

Aus einer Notunterkunft für Flüchtlinge wurden vier

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In meinem letzten Blog habe ich erzählt, wie wir unsere erste Unterkunft für Flüchtlinge in der Berlin-Marzahner Bitterfelder Straße innerhalb von sechs Tagen eröffnet haben. Bei den nächsten Notunterkunft ging es noch schneller. Ab dem Herbst brauchte Berlin binnen Stunden neue Schlafplätze für ankommende Flüchtlinge.

Die für die Unterbringung zuständige Behörde suchten dringend Betreiber für akquirierte Immobilien. Wenn wir als Betreiber "Ja" zu einer Unterkunft sagten, dauerte es nach dem Zuschlag nur zwei, drei Stunden, bis die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in der Notunterkunft (kurz NUK) eintrafen. Im Dezember haben wir so zuerst eine Turnhalle in der Rudolf-Leonhard-Straße in Marzahn und dann eine Sporthalle in der Winsstraße in Prenzlauer Berg als Notunterkunft eröffnet.

Wir fanden Sporthallen vor, in denen Doppelstockbetten und Matratzen da waren, vielleicht noch Tische und Stühle, sonst aber nicht viel mehr. Also organisieren wir Bettzeug, Handtücher und Sitzgelegeneheiten, erste Kleiderspenden trafen ein. Nach einer ersten Sichtung mussten wir sofort entscheiden, wo das Essen ausgegeben wird, wo die Registrierung stattfindet und wo das Büro der Hauptamtlichen eingerichtet wird. Zeit zum Zögern ist dann nicht.

Im Akkord bezogen wir Matratzen, Kopfkissen und Decken auf den Doppelstockbetten, während andere die leeren Plastikhüllen einsammelten - Mülltüten gehören in jedem Fall auch zur Grundausstattung jeder Notunterkunftseröffnung. Und während hinten in der Halle noch die letzten Wasserflaschen und Kopfkissen angeordnet werden, kommen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner schon in Bussen an, die das LAGeSo dann für solche Zwecke organisiert. Aus den Fahrzeugen steigen manchmal Menschen, die nichts dabeihaben außer der Kleidung, die sie an sich tragen. Andere haben kleinere Taschen dabei - viel ist das nicht für einen neuen Start in einem unbekannten Land.

In solchen Situationen sind alle Helferinnen und Helfer gleich per du, ob das nun der Berater im Anzug ist, der spontan nach dem Feierabend zum Helfen gekommen ist, oder die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die gerade auf Jobsuche ist. Da ist nur wichtig, wer wo anpackt. Darin haben wir mittlerweile Erfahrung - unser Flüchtlingsarbeitsteam aus der Bitterfelder Straße in Marzahn hat neben unseren Unterkünften noch eine Reihe weiterer Einrichtungen mit eröffnet und weiß, was nötig und sinnvoll ist. Als Volkssolidarität konnten wir mit unserem starken Verbund von Unternehmen auch noch spät abends Transporter organisieren, Abdeckungen aufbauen oder kurzfristig für die Erstverpflegung am Abend der Eröffnung noch Essen aus anderen Unterkünften holen.

Am 4. Januar 2016 ist in Marzahn dann noch der Brebacher Weg als vierte Unterkunft dazugekommen, ein umfunktioniertes ehemaliges Klinikgebäude. In diesen vier Unterkünften betreuen wir heute in Berlin rund 1.000 Menschen, viele davon sind Kinder. Manche sind kurz nach dem Einzug der Mütter auf die Welt gekommen. Gerade der Brebacher Weg hat bei uns den Ruf eines Kinderhauses - fast jeder zweite Bewohner ist dort unter 18 Jahre alt.

Wie geht es jetzt weiter? Unseren Bewohnerinnen und Bewohner wollen wir über diese Notunterkünfte hinaus natürlich eine Perspektive und Integrationsmöglichkeiten bieten. Daher wollen wir die Bitterfelder Straße und den Brebacher Weg zu Gemeinschaftsunterkünften umwandeln. Diese sind für einen längerfristigen Aufenthalt vorgesehen und haben Küchen, in denen die Bewohner sich selbst versorgen können.

Wie lange die Turnhallen als Notunterkünfte weiter betrieben werden, ist unklar. Dort versuchen wir, die Situation so erträglich wie möglich zu gestalten. In der Winsstraße zum Beispiel haben wir mittlerweile Räume aus schwer brennbarem Material für jeweils zwei bis acht Menschen eingerichtet, um etwas mehr Privatsphäre zu schaffen.

Dabei hat uns das Maxim Gorki Theater ungemein geholfen. Nach jeder Vorstellung ist dort Geld für unsere Flüchtlingsarbeit gesammelt worden, die Wände selbst sind in den Ateliers des Theaters entstanden. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben bei Einbau selbst mitgearbeitet und sind sehr froh über ihre neuen „Zimmer". Die eingebauten Wände sind auf dem Foto oben zu sehen.

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