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10/02/2015 10:12 CET | Aktualisiert 12/04/2015 07:12 CEST

Vom Saulus zum Paulus - Wie ein rücksichtsloser Finanzhai sein Leben umkrempelte

Thinkstock

„Antichrist der Finanzwelt" oder doch Moralapostel? Bei Florian Homm scheiden sich weiterhin die Geister. Unumstritten ist aber, dass Florian Homm eine Persönlichkeit der Finanzwelt war, die es wert ist gehört zu werden.

Im November trat Florian Homm zum ersten Mal seit seiner Haftentlassung wieder öffentlich auf, im Rahmen des Themenschwerpunktes „Management und Ethik" bot die Hochschule für angewandtes Management in Erding Florian Homm eine Plattform, um zu referieren und es entwickelte sich eine spannende, aber auch kontroverse Gastvorlesung.

Über 200 Studierende und weitere Gäste kamen in den Genuss, den ehemaligen „Erzkapitalisten" im Dialog mit Claudius Schikora persönlich kennen zu lernen und über den Tellerrand hinaus zu sehen.

Homm hielt eine Gastvorlesung anhand seines bewegten Lebens: Harvard Absolvent, 6 Sprachen, mit 22 bereits Millionär - Homm baute über drei Jahrzehnte mehrere multinationale Unternehmen in der Finanzbranche mit Börsenwerten, die deutlich über einer Milliarde Euro liegen, auf.

Als Mitbegründer und Motor der Neuen Märkte zur Jahrtausendwende wurden Dutzende Firmen von ihm mit Kapital ausgestattet und an die Börse gebracht - Milliarden flossen, Tausende von Arbeitsplätzen wurden geschaffen. Wie kein anderer Fonds Manager in Europa verdoppelte er das Geld seiner Kunden in den schlimmsten Börsencrashs.

Bei Borussia Dortmund leitete der „Kurskiller/der Plattmacher" die erfolgreiche Sanierung selber ein: er investierte Millionen, erstellte einen Sanierungsplan, setzte diesen mit um und rettete den BVB vor der Insolvenz. Es gibt aber auch die andere Seite von Florian Homm: Bei Spekulationen wie der Bremer Vulkan Werft verdiente er massiv am finanziellen Ruin der Gesellschaft. Tausende Menschen verloren ihre Existenz.

Er kaufte und verwertete Unternehmen ohne sich nur einen Gedanken um die Menschen, die dort arbeiteten, zu machen. Laut Erich Sixt ist Homm der „Antichrist der Finanzwelt". Und natürlich, auch mit „Sex" machte Homm Geschäfte: die Penthouse Verlagsgruppe, Artemis, das damals größte Bordell Deutschlands, Table Dancing- und Nacht-Clubs in Spanien und England - er investierte überall, wo Geld zu verdienen war. Aber anderseits war er auch im medizinischen Bereich aktiv - finanzierte aufstrebende Biotechnologie-Unternehmen, deren Produkte Tausenden Menschen helfen.

Er ist jahrelang einer der größten individuellen Unterstützer des Staates Liberia, dazu gemeinsame Unternehmensengagements mit Michael Douglas, freundschaftliche Beziehungen zu großen politischen Persönlichkeiten (Späth, Westerwelle) - Homm spielt auf der großen Bühne der Finanzwelt, verhandelt über die Michael Jackson Filmrechte; er besitzt Jets, Jachten, Anwesen mit mehreren Tausend Quadratmetern Wohnfläche... und dann?

Auf der Höhe seiner Macht fühlt er sich leer und unerfüllt. Warum?

Florian Homm tritt im Herbst 2007 von fast allen seinen Ämtern zurück, nur als Diplomat wirkt er weiterhin für Liberia in Paris und an der Unesco. Homm stirbt beinah bei einem Attentat in Caracas. Er verliert seine Frau, sein Standing, sein Vermögen. Ihm wird schwerer Betrug vorgeworfen.

Im „Exil" schreibt er einen Bestseller („Kopf-Geld-Jagd") über sein rasantes Leben. Kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Buches und einem Fernsehauftritt zusammen mit Sarah Wagenknecht wird Homm auf Begehren der USA in Florenz/Italien verhaftet. Unter schlimmen Bedingungen verbringt Homm 15 Monate im Gefängnis. Er hat schon seit Jahren Multiple Sklerose (MS) und im Gefängnis bricht die Krankheit wieder richtig aus.

In den USA wartet eine mögliche Gefängnisstrafe von 225 Jahren auf ihn, falls er dorthin ausgeliefert und schuldig gesprochen werden sollte. Schwer krank und frustriert denkt er mehrmals sogar an Selbstmord. Fast alle seine besten Kontakte, selbst Familienmitglieder, lassen ihn fallen.

Wie durch ein Wunder ist er aber der erste Auslieferungshäftling in Italien, der seit über einem Vierteljahrhundert nicht in die USA ausgeliefert wird. Im Sommer 2014 wird er aus der U-Haft in Italien entlassen und reist wieder nach Deutschland. Hier lebt er im Untergrund, da ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist. In seinen Jahren im Exil und im Gefängnis denkt Homm nach eigenen Aussagen komplett um - vom Saulus zum Paulus.

Homm ging es in der Vorlesung nicht nur um sich selber, sondern um alle Anwesenden: „Seid dankbar, ihr dürft studieren, seid gesund und lebt in sicherer Umgebung." Homm habe nach eigener Aussage alles erreicht und gehabt, Harvard-Absolvent, Multi-Millionär, Häuser, Yachten, Jets, nur die seelische Befriedigung konnte er nicht finden. Es sei jedem selber überlassen, über Homm zu urteilen, ob und wann er seinen Sinneswandel durchlebte.

Homm selber sagt von sich, er habe die wahren Werte des Lebens entdeckt, so erkennt er in Liberia, dass Menschen, die nichts haben, die freundlichsten, glücklichsten und hilfsbereitesten Menschen sind, die es gibt. Als Spekulant zerstörte er Tausende Existenzen, Jahre reinster Mathematik und statistischer Wahrscheinlichkeiten beherrschten sein Leben, bis er mit einer Kugel im Rücken, aufgrund seiner MS-Erkrankung und seiner Erfahrungen auf der Flucht und im italienischen Gefängnis die wahre Erfüllung des Lebens erkennt: Geben!

Homm spricht sich nicht gegen das „Geldverdienen" an sich aus, aber man müsse Gutes mit dem verdienten Geld tun, er will selber christlich denken und handeln und im Jahre 2015 eine karitative Stiftung starten.

Auch viele Medienvertreter aus dem In- und Ausland waren vor Ort und berichteten über den geläuterten ehemaligen Hedgefonds-Manager und Star der Finanzszene: „Ihr müsst nicht auf Reichtum verzichten, aber ihr sollt das Gute, Wichtige nicht aus den Augen verlieren", so Homm.

So ein Satz könnte auch in der Bibel stehen, zitierte ihn die Süddeutsche. Vom Saulus zum Paulus? Diese Frage muss jeder für sich beantworten. Ich persönlich habe ihn an diesem Tag und im Vorfeld intensiv erleben dürfen und sage: Ja, er hat seinen Weg gefunden.


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