BLOG
13/10/2015 12:27 CEST | Aktualisiert 13/10/2016 07:12 CEST

Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Deutschland. Es ist erschütternd

Es ist kalt: Zwei Grad hatte es heute Morgen. Ich habe meine Kinder warm eingepackt und selbst meinen wärmsten Mantel angezogen, einen dicken Schal und bin im warmen Bus ins Büro gefahren. Habe die Heizung angemacht. Und dann habe ich dieses Video angesehen: Meine Kollegin Katharina Ebel ist gerade an der serbisch-mazedonischen Grenze. Sie begleitet die Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Deutschland. Es ist erschütternd.

In Müllbeutel gehüllt

Am Anfang des Videos trägt Katharina noch ihren gelben Regenmantel, lächelt hin und wieder und winkt den Kindern zu, während sie erzählt, was sie sieht: Menschen, auf dem Weg zur Registrierung. Dann fängt es an zu regnen. Es hört nicht mehr auf. 12 Grad hat es, die meisten tragen schwarze Müllbeutel um die Schultern, um sich vor dem Regen zu schützen.

Hunderte durchnässte Kinder

2015-10-12-1444646437-5403617-katharinatraurig.JPG

In der nächsten Einstellung steht Katharina im Regen. Der gelbe Mantel ist weg. Ihre Wimperntusche ist zerlaufen. Ihre Stimme bebt. Sie hat einem Kind ihren Regenmantel gegeben und ist den Tränen nahe. Die Menschen hinter ihr stehen eingepfercht zwischen Barrieren in einer Schlange, niemand darf weiter, bevor er nicht registriert ist. Kinder weinen, zittern vor Kälte.

Niemand kann aus der Registrierungsschlange raus, sonst ist der Platz weg. Wo gehen die Menschen aufs Klo? Hunderte stecken hier fest, im Schlamm, in der Kälte. Alte Männer knabbern Butterkekse, ein völlig durchnässter Junge greift nach einer Wasserflasche, die ihm ein SOS-Helfer reicht. Mütter, die selbst kaum stehen können, tragen ihre Kinder auf dem Arm. Ein Mann trägt nur Flipflops. Alle sind übermüdet und haben Hunger.

Wer würde nicht vor Autobomben und Entführungen fliehen?

Katharina kommt diese Woche wieder ins Büro. Sie wird ein anderer Mensch sein. Sie hat gesehen, wie die Menschen leiden, hat versucht, zu helfen und zugleich gesehen, dass ihre Hilfe nur ein winziger Teil ist. Man kann niemandem einen Vorwurf machen: Nicht den Flüchtlinge, nicht den Ländern, die auf diesen Ansturm nicht vorbereitet sind und auch keine Erfahrung mit einer solchen Massenbewegung haben.

Die einzige Hoffnung sind die freiwilligen Helfer - und die Hilfsorganisationen. Sie tragen dazu bei, dass die Menschen auf der Flucht nicht völlig verlassen sind.

Ein Zuhause gibt es nicht mehr

2015-10-12-1444646184-3257095-jungeregenmantel.JPG

Ein Aufschrei aus Katharinas Video wird mir im Gedächtnis bleiben: „Wo ist die Presse? Warum berichtet niemand darüber?" Ich weiß es: Diese Bilder machen Angst. Sie zeigen, wie unmenschlich Flucht ist und wie wenig man selbst verbessern kann. Und ich dachte: Wenn ich Flüchtling wäre und in dieser Situation - ich würde mich fragen, ob ich nicht lieber zuhause geblieben wäre. Und dann würde mir einfallen, dass es mein Zuhause ja gar nicht mehr gibt. Kein Anorak, kein Schal, kein warmer Bus und keine Heizung im Büro.

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Ein Mann im Regen bewegt das Netz: Inmitten des Horrors: Diese Flüchtlingsbilder sind herzzerreißend