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18/12/2016 05:15 CET | Aktualisiert 19/12/2017 06:12 CET

Ihre Eltern sind tot oder verschollen: Hilfe für traumatisierte Kriegswaisen in Syrien

dpa

"Fang mich doch!" So wie fast jeden Nachmittag spielte Samira mit ihren kleinen Schwestern draußen auf der Straße. Da sie die Älteste der Drei ist, gewann sie beim Verfolgen und Verstecken natürlich immer. Doch an diesem Tag vor vier Jahren wurde aus den Spielen Ernst.

Samiras Zuhause wurde zu einem lebensgefährlichen Ort, als der syrische Bürgerkrieg die Gegend um Damaskus erreichte, wo die heute Elfjährige mit ihrer Mutter und den beiden Schwestern lebte. Granaten und Gefechte statt Schulunterricht und Sicherheit gehörten nun zu ihrem Alltag: "Wir hatten immer Angst!" erzählt Samira. Zu Recht, wie sich leider ein Jahr später herausstellte: Ihre Mutter starb bei einem Bombenangriff.

Mehr zum Thema: "Ich lausche, habe Angst und rühre mich nicht" - eine 9-Jährige berichtet von ihrem Alltag in Syrien

Schockiert blieben die drei Waisen zurück, die ohnehin schon von den Erfahrungen und Entbehrungen des Krieges schwer traumatisiert waren. Mithilfe einer einheimischen Hilfsorganisation gelangten sie schließlich ins SOS-Übergangswohnheim in Damaskus.

„Ich war so froh, endlich in einem Bett schlafen zu können"

Gerade noch rechtzeitig, denn die drei hatten sich mit Hepatitis infiziert und waren extrem unterernährt. Samira erinnert sich: "Ich war sehr schwach und so froh, endlich in einem Bett schlafen zu können."

Die Schwestern erhielten die dringend notwendige medizinische und psychologische Hilfe. Seitdem es Samira besser geht, wird sie von den SOS-Kinderdörfern unterrichtet, um im Anschluss wieder zur Schule gehen zu können.

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"Es ist extrem schwierig, mit traumatisierten Kindern zu arbeiten. Jedes einzelne braucht eine spezielle Fürsorge, um das Erlebte einigermaßen verarbeiten und wieder Kind sein zu können", berichtet Samiras SOS-Mutter.

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Samira ist kein Einzelschicksal: Über drei Millionen syrische Kinder sind innerhalb des Landes auf der Flucht, können nicht zur Schule gehen, sind unterernährt und haben Familienangehörige und Freunde verloren.

Die SOS-Kinderdörfer kümmern sich momentan in drei Übergangswohnheimen in Syrien um rund 350 Kinder. Darunter sind auch Sara und Yassir: Sara war noch kein Jahr alt, als man sie mutterseelenallein mit Brandwunden von ausgedrückten Zigaretten am Körper fand.

Der zwölfjährige Yassir musste mit ansehen, wie sein Vater getötet wurde

Der Junge ist schwer traumatisiert und hat sich abgekapselt. Wird man ihn zurückholen können und wie lange mag das dauern?

Um diesen und anderen Waisenkindern ein dauerhaftes Zuhause zu geben, wird ein neues SOS-Kinderdorf in der Nähe von Damaskus eröffnet, in dem etwa 150 Kinder Platz finden - in einer SOS-Familie, mit Geschwistern, umsorgt von einer SOS-Mutter. Die schwer traumatisierten Kinder werden zudem durch therapeutische Betreuungsangebote begleitet, die ihnen wieder Halt geben.

Ein neues SOS-Kinderdorf bei Damaskus

Dafür brauchen die SOS-Kinderdörfer Ihre Hilfe: Bitte spenden Sie jetzt, damit ein kleines Weihnachtswunder wahr werden kann! www.sos-kinderdoerfer.de/kriegswaisen

*Alle Namen zum Schutz der Kinder geändert

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