BLOG
01/11/2015 03:36 CET | Aktualisiert 01/11/2016 06:12 CET

Österreich: Endlich kommt das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare

BananaStock via Getty Images

Mit dem 01. Januar 2016 dürfen homosexuelle Paare in Österreich Kinder adoptieren. Der bereits im Januar erfolgte Beschluss wurde kürzlich von dem Justizministerium bestätigt.

2015-10-30-1446218106-3322641-shutterstock_125845649.jpg

In den Niederlanden dürfen homosexuelle Paare bereits seit 2001 die Ehe eingehen und Kinder adoptieren. Zum gleichen Zeitpunkt kam in Deutschland gerade mal die eingetragene Lebenspartnerschaft. Bislang zeigte sich Österreich in Punkto liberaler Fortschritt ähnlich rückständig wie Deutschland. Mit 2016 macht unser Nachbarland nun einen einen großen Schritt in die richtige Richtung.

Adoptionsverbot für Homosexuelle ab 2016 aufgehoben

Der österreichische Verfassungsgerichtshof hob das Adoptionsverbot bereits im Januar auf und räumte dem Gesetzgeber eine Reparaturfrist bis zum 31. Dezember 2015 ein. Die Aufhebung des Adoptionsverbots wurde damit begründet, „dass es keine sachliche Rechtfertigung für eine ausschließlich nach der sexuellen Orientierung ausgerichtete differenzierende Regelung gibt".

Das Justizministerium bestätigte den Beschluss und lies verlautbaren, dass eine legistische Änderung des Gesetzes nicht notwendig sei, da Adoptionen stets individuell geprüft werden müssen.

Für das konservative Österreich ist die Aufhebung des Adoptionsverbots für homosexuelle Paare ein großer Fortschritt, was die Liberalisierung angeht. Bleibt nur zu hoffen, dass Deutschland endlich mit dem Wandel der Zeit geht und es anderen Ländern gleichtut. Ein Blick in die Vergangenheit verrät, dass es einiges aufzuholen gilt.

(Auf)Geklärt - Homosexuelle Geschichte

Als erstes europäisches Land entkriminalisierte Frankreich 1791 Homosexualität. 1794 folgte Belgien - im gleichen Jahr wandelten die Preußen mit der Einführung des Allgemeinen Landrechts die Todesstrafe für Homosexuelle in eine Zuchthausstrafe um.

1872 tritt in Deutschland § 175 in Kraft und verbietet jegliche sexuelle Handlung zwischen Männern. Unter den Nationalsozialisten wurde die Höchststrafe angehoben, weshalb "erschwerten Fälle" bis zu zehn Jahre Zuchthaus drohte. Zudem galt der Strafbestand von nun an als erfüllt, wenn eine wollüstige Absicht vorhanden war und das allgemeine Schamgefühl verletzt wurde. Berührungen waren somit nicht mehr nötig.

Während die DDR bereits 1950 zu der alten Fassung des Paragraphen zurückkehrte und ihn 1988 ersatzlos strich, hielt die Bundesrepublik Deutschland bis 1994 daran fest.

2001 folgte schließlich die eingetragene Lebenspartnerschaft - ohne Ehegattensplitting und Adoptionsrecht versteht sich. Ganze zwölf Jahre hat es gedauert, bis das Bundesverfassungsgericht 2013 die Verfassungswidrigkeit der Ungleichbehandlung beim Ehegattensplitting feststellte.

Seit 2005 dürfen homosexuelle Paare das leibliche Kind ihres Partners adoptieren, wenn das andere Elternteil zustimmt. 2014 folgte das Recht auf Sukzessivadoption, weshalb inzwischen auch jene Kinder adoptiert werden dürfen, die zuvor von einem der Partner adoptiert wurden.

Bleibt nur zu hoffen, dass wir bald die gänzliche Gleichstellung von Homosexuellen datieren können.

Rechte im Wandel der Zeit

In der Infografik finden Sie einen Überblick zu den wichtigsten Ereignissen im Bezug auf Homosexualität in Deutschland.

2015-10-30-1446220271-6548358-Infografikhomosexuellegeschichte.jpeg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

„Deine Zukunft wird fantastisch sein!" Hillary Clinton macht homosexuellem Jungen auf Facebook Mut

Lesenswert:

Hier geht es zurück zur Startseite