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26/02/2016 07:29 CET | Aktualisiert 26/02/2017 06:12 CET

Kindergärten und andere schwierige Fragen für Mütter in Russland

Goodshoot via Getty Images

Ein wenig ist es wie früher in der DDR: Wenn man sicher sein wollte, dass der Sohn oder die Tochter mit 18 ein Auto bekam - was in der Regel ein Trabant war - dann meldete man ihn oder sie mit der Geburt an.

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Wenn man in Russland für den Sohn oder die Tochter einen Kindergartenplatz möchte, dann meldet man das Kind gleich nach seiner Geburt im Kindergarten an. Die Zahl der Kindergärten sinkt jedes Jahr ein bisschen. Die Wartezeiten werden somit immer ein bisschen länger. Allerdings sank die Zahl der geborenen Kinder seit 1992 ebenfalls.

Zahlen der Kindergartenplätze und der Geburten stimmen nicht überein


Möglicherweise stimmt die örtliche Verteilung der Kindergärten nicht mit der der Geburten überein. Erst 2013 gab es wieder einen Zuwachs bei den Geburten. Dem vorangegangen waren Jahre wachsender Stabilität und steigender Einkommen. Das schuf möglicherweise neues Vertrauen, so dass sich junge Menschen für Nachwuchs entschieden.

In den Jahren vor 2013 überwog die Zahl der Todesfälle. Männer werden dabei im statistischen Mittel nur etwas mehr als 60 Jahre alt. Bis Mitte der 2000er Jahre, lag die durchschnittliche Lebenserwartung sogar unter 60.

Eine große Rolle spielt dabei der Alkohol. Das führte zu einer signifikant negativen Demographie, die aber durch Migrationsströme nach Russland, vor allem aus den zentralasiatischen Ländern, ausgeglichen wurde.

Für die russische Wirtschaft waren die Arbeitskräfte sehr willkommen. Die Bevölkerung selbst, vor allem in den Großstädten, nahmen die Neueinwohner dagegen nicht so gern auf. Aufgrund der schwieriger werdenden Wirtschaftslage und vor allem wegen des starken Rubelverfalls, kehren viele Migranten derzeit wieder heim.

Es gibt keine staatlichen Kinderkrippen und private Betreuungsplätze sind teuer

Das macht deutlich, dass es anderer Wege bedarf um dem Demographie-Problem entgegenzuwirken, zum Beispiel Anreize zu schaffen Kinder zu bekommen. Das derzeitige Angebot an Kindergärten ist kein Anreiz.

Wie sieht es mit einer direkten Förderung aus? Mütter bekommen in den ersten anderthalb Jahren nach der Geburt vom Arbeitgeber anteilig von ihrem früheren Gehalt ein Elterngeld gezahlt; Hausfrauen bekommen ein geringes Sozialgeld. Sie können drei Jahre Elternurlaub nehmen mit Arbeitsplatzgarantie. Allerdings bekommen sie für die zweite Hälfte dieser drei Jahre kaum finanzielle Unterstützung.

Vor diesem Hintergrund bleiben nicht viele Frauen zuhause. Da es aber keine staatlichen Kinderkrippen mehr gibt und ein privater Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren nicht nur teuer (nicht selten fast ein Durchschnittseinkommen), sondern häufig gar nicht existent ist, sind die jungen Frauen auf ihre Mütter und Schwiegermütter angewiesen.

Ein Anreiz, der viel Erfolg hatte war dagegen die Einführung des Mutterschaftskapitals, das für das ab dem zweiten Kind gewährt wird. Das ist kein Bargeld, sondern ein Betrag von inzwischen rund 450.000 Rubel (derzeit umgerechnet ca. 5.000 Euro), der für die Bildung der Kinder, die Verbesserung der Wohnsituation oder als Anlage in die eigene Altersvorsorge genutzt werden kann.

Gute Familienpolitik heißt insofern zunächst einmal gute Wirtschaftspolitik


Somit gibt es Bemühungen, Familien mit mehreren Kindern zu ermutigen. Für den Kauf einer Wohnung bekommen junge Familien ebenfalls vom Staat eine kleine Unterstützung.

Grundsätzlich gilt allerdings für Russland - wie überall auf der Welt -, dass auch Familien am ehesten dann geholfen ist wenn es der Politik gelingt die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Gute Familienpolitik heißt insofern zunächst einmal gute Wirtschaftspolitik!

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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