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19/11/2015 07:22 CET | Aktualisiert 19/11/2016 06:12 CET

Warum Smartphones die Zigaretten unserer Zeit sind

Eva Katalin Kondoros via Getty Images

Wenn man früher die Straße lang gelaufen ist und mit einem entgegen kommenden Menschen nicht sprechen wollte, dann hat man einfach demonstrativ eine Zigarette angezündet und sie paff paff geraucht.

Heißt also, dass man sich praktisch eine imaginäre Mauer der Unerreichbarkeit, eine Gesprächsbarriere errichtet hat. Man wollte auf der einen Seite Status beweisen und auf der anderen Seite zeigen, dass man beschäftigt war.

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Im Zweifelsfall hatte man die Zigarette ohnehin schon an und hat den Menschen, die einen eventuell angesprochen hätten, gleich die Signalwirkung gegeben:

"I'm busy, lass mich in Ruhe."

Wenn ihr euch heute an einen Bahnsteig stellt oder die Straße lang läuft, werdet ihr merken: Viel weniger Menschen haben eine Zigarette in der Hand und die Wirkung von früher hat die Zigarette schon lange nicht mehr, höchstens eine abwertende: "Bäh stinkt der Rauch, ekelhaft."

Man muss kein Detektiv sein um zu erkennen, dass es heute Smartphones sind, die die Zigarette von früher ersetzt haben. Jetzt stellt euch den Bahnsteig noch mal vor:

Alle Gesichter auf Halbacht, wo normale Menschen Nackenschmerzen kriegen würden, geht der Bürger von heute dieses Gesundheitsrisiko ein und baut sich seine imaginäre Mauer der Unerreichbarkeit und eben diese Gesprächsbarriere mittels smartem Phone auf.

Heißt also, dass hängende, auf die Smartphone-Displays gerichtete Gesichter die Blockade erzeugen, die früher eine Zigarette erzeugt hat: Wir denken diese Person ist beschäftigt - und überhaupt ist es natürlich nicht einladend, wenn jemand so da steht.

Smartphone- statt Zigarettensucht

Ich bin mir sicher, ihr habt die Analogie verstanden. Man könnte sie beliebig weiterführen: Beispielsweise süchtige Menschen im Restaurant, die zum Rauchen das Lokal verlassen, um ihre Zigarette zu rauchen. Wenn sie könnten, das heißt, es nicht verboten oder unhöflich wäre, würden sie auch heute noch in Anwesenheit der anderen rauchen.

Heute ist der "Süchtige" nicht mit der Zigarette, sondern mit seinem Smartphone in der Hand. Er oder sie würde am liebsten ständig drauf schauen - ist zwar nicht verboten, aber trotzdem nicht nett - und geht dafür womöglich sogar raus. Raucher von früher, Smartphoneaddicts von heute!

Die Resolution daraus sollte klar sein: In Gesprächen das Smartphone lautlos machen und weglegen, auf dem Bahnsteig auch mal einfach in die Tasche stecken, beim Spazieren WhatsApp nicht beantworten, Facebook nur schnell durchscrollen, lange Antworten zu Hause in Ruhe schreiben.

Die Mauer um einen abbauen und wieder im Reallife sein - Rauchen ist schon lange uncool.

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