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24/12/2015 08:45 CET | Aktualisiert 24/12/2016 06:12 CET

So feiert ein Muslim Weihnachten

Romano Cagnoni via Getty Images

Als Muslim ist der 24. Dezember ein schwerwiegender Tag für mich. Jedes Jahr bereite ich mich akribisch auf diesen einen Tag vor. Jetzt bloß nichts falsch machen, denn jeder Fehler könnte mich teuer zu stehen kommen.

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In manchen Hinsichten ist es schon fast das wichtigste Datum im Jahr, alles arbeitet auf diesen Tag hin - wenn ich das verhaue stecke ich in Schwierigkeiten.

Mit Ruhe und Besinnlichkeit lasse ich das gesamte Jahr Revue passieren: Wo war ich essen? Welche Arbeitswege hatte ich? Dienstreisen? Kosten für Schreibmaterial? Fort- und Weiterbildungen? Wo habe ich nochmal die Belege hingelegt? Und überhaupt: Wird das alles akzeptiert?

Kaum zu glauben, aber wahr: Am 24. Dezember eines jeden Jahres setze ich mich an meine Steuererklärung.

Zwei deutsche Tugenden konzentriert


An Heiligabend sind bei mir zwei deutsche Tugenden konzentriert: Der höchste christliche Feiertag und die Steuern. Deutscher geht es nicht.

Und warum? Na weil ich als Muslim kein Weihnachten feiere. Es ist die beste Zeit im Jahr, sich in Ruhe hinzusetzen und einer Sache völlig ungestört nachzugehen. Selbst wenn man sich ablenken wollte, dann sind die meisten Leute einfach nicht verfügbar.

Das Weihnachtsfest entschleunigt das Land und bringt mich in Fahrt: Was gibt's Neues für den Steuerzahler? Welche frohen Botschaften hat der Bundesfinanzhof verkündet? Darf ich nun dieses oder jenes einreichen? Diese Fragen beschäftigen mich am 24. Dezember.

"Mein Weihnachtshobby"


Wie sagte der deutsch-kanadischer Publizist Willy Meurer sehr treffend? „Die Geburt, der Tod, und die Steuern sind das einzige Unvermeidliche in unserem Leben." Insofern finde ich mein Weihnachtshobby auch symbolisch passend.

So (positiv) unvermeidlich wie Weihnachten mitsamt des weihnachtlichen Kitschs, der Weihnachtsmärkte, gebrannte Mandeln, Champignons & Co ist, so unvermeidlich sind auch die Steuern.

Einen Unterschied gibt es dann doch. Das Schöne am Steuernzahlen: es macht nicht süchtig. Weihnachtsmärkte schon.

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