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10/12/2015 18:12 CET | Aktualisiert 10/12/2016 06:12 CET

Das ist das wahre Problem der deutschen Medien

nirat via Getty Images

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Die deutsche Medienlandschaft hat ein Problem. Viele junge Leute fühlen sich von den Medien nicht ausreichend vertreten, ihre Stimme ist nicht hörbar. Trotz des demographischen Wandels und eines Anteils von 20% von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland ist diese Diversität in den Medien nicht vorhanden - das ist erdrückend.

Die landläufige Berichterstattung vieler Themen beleuchtet gesellschaftliche Diskurse oft zu einseitig und befeuert damit die Verdrossenheit vieler Menschen in Deutschland. Es ist vermehrt zu beobachten, dass das Vertrauen in die Medien abnimmt.

Vor zehn Jahren, als der Nationalsozialistische Untergrund noch ungestört durch Deutschland wütete, betitelten ausnahmslos alle Medien diese mit „Döner-Morden".

Weder die Polizei, noch die Justiz, noch die Medien waren in der Lage, ein ernsthaftes rassistisches Motiv hinter neun ermordeten Migranten zu formulieren, stattdessen glorifizierte man Thilo Sarrazins „das darf man ja wohl noch sagen." Heute, 258 Verhandlungstage nach der Anklage gegenüber Beate Zschäpe, ist selbst die Tagesschau nicht in der Lage, den Opfern ein Mindestmaß an Respekt zu erweisen.

Alle Namen der Mordopfer sind falsch geschrieben:

In Erinnerung an die Opfer der Rechtsterroristen vom NSU:

Posted by tagesschau on Wednesday, December 9, 2015

Gedenken an Ermordete hat auch etwas mit Respekt zu tun. Dass die Medien nicht daran interessiert sind, die Namen der Opfer korrekt zu schreiben, ist peinlich. Jede Anteilnahme wirkt dadurch heuchlerisch und gekünstelt.

Dieses Muster zieht sich durch viele Debatten: Beschneidungsdebatte, Griechenlandkrise, Antisemitismus, Islamophobie, Flüchtlingskrise und so weiter.

Muslime, Juden, Russen, Türken, Griechen, Italiener, Albaner, Serben, Roma, Bulgaren, Rumänen, Iraker, Iraner, Afghanen - Biografien der Deutschen sind heute vielfältiger denn je, und vielfältiger denn je müssen auch die Medien werden.

Viele Deutsche fühlen sich von ihren Medien nicht vertreten.

Sie sind es teilweise, aber dann meist von oben herab und ohne die Betroffenen zu Wort kommen zu lassen, weshalb man es nicht ernst nehmen kann. Aus diesen Gründen fühlen sich viele Deutsche von ihren Medien nicht vertreten.

In Deutschland ist es also an der Zeit, dass sich etwas verändern muss. Die Medienlandschaft muss sich einem Demokratisierungsprozess unterziehen und selbst die Fragen stellen: „Bildet unsere Redaktion die Gesellschaft ab? Werden wir den diversen Anforderungen gerecht? Durchleuchten wir in unserer Berichterstattung vielfältig genug?"

Wir werden die Medienlandschaft nachhaltig verändern.

Wir als Alumni der Deutschlandstiftung Integration wollen nicht nur konsumieren, wir wollen teilhaben. Deshalb haben wir das Online-Magazin „The Mig Post" gegründet. So viel steht fest: Wir sind nicht die Heilsbringer der Medien, aber sind fest davon überzeugt etwas bewegen können.

Wir sind motivierte junge Menschen mit Wurzeln in alle Teilen der Welt, Diversität und Vielfalt zeichnen uns aus. Mit The Mig Post greifen wir eine Vielzahl von Themen aus unserer Sicht auf und beleuchten sie - aus unserer Perspektive.

Für uns zählt einzig die geteilte Vision einer pluralistischen Gesellschaft, in der Diversität als Bereicherung empfunden wird: In den Medien, in der Politik, in der Wirtschaft. Und weil wir am besten unsere Geschichten erzählen und digital teilen können, haben wir uns für ein Onlinemagazin entschieden. Mit Unterstützung von Huffington Post werden wir die Medienlandschaft nachhaltig verändern.

Es tut sich was in Deutschland. Es muss ich aber noch viel mehr bewegen. Wir können nicht darauf warten, dass die Medien aktiv werden. Denn wer nach 15 Jahren NSU-Morden die Namen der Ermordeten immer noch nicht gelernt hat, der lernt es jetzt auch nicht mehr.

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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