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02/03/2015 10:22 CET | Aktualisiert 02/05/2015 07:12 CEST

5 Gründe, warum sich gerade Münchner in Berlin zu Hause fühlen

2015-03-01-K1024_muenchenberlinTOMORROWFOCUSAGUtePfeuffer.JPG Tomorrow Focus AG/Ute Pfeuffer

Städteduell - Bayern gegen Preußen, Reich gegen Arm, Böse gegen Gut: München und Berlin gelten einander als eine große Provokation. Alles Quatsch, sagt ein Münchner, der in Berlin lebt. Fünf nicht ganz ernst gemeinte Gründe, warum sich gerade Münchner heute in Berlin zu Hause fühlen können, ja eigentlich müssen.

1.) Weil man als Münchner kein Bayer ist

Wer in München geboren ist, gehört zu Bayern. Das ist formal schon wahr, stimmt aber doch nicht. Fragen Sie mal einen Nürnberger oder einen Augsburger oder gar einen Bodenmaiser im vergessenen Bayerischen Wald an der Grenze zu Tschechien, also fast in Russland. Fluchen tun sie auf München, diesen Moloch, den die Staatsregierung mit den Steuergeldern mästet, während man auf dem Land darbt.

Und auch der gemeine Münchner guckt immer gerne ein wenig herablassend auf die Provinzheinis mit ihren Kruzifixen und Geranienorgien an ihren Balkonen. Nein, Lederhose zieht der Münchner nur dann an, wenn er es muss - weil es erwartet wird. Also am Oktoberfest. Der Münchner ist vor allem zunächst Münchner, und das dann am besten in Berlin...;)

2.) Weil der FC Bayern auch in Berlin die meisten Fans hat

Nicht genug, dass fußballtechnisch Berlin immer noch klar geteilt ist: Hertha und Eisern Union sind und bleiben zwei Welten aus West und Ost. Auch dass ein Bundesligist in Berlin auf Litfaßsäulen um Unterstützung betteln muss, reicht hinten bis vorne nicht für eine starke Heimatfront.

Auf den Bolzplätzen tragen die Kids alles, nur keine Herthatrikots. Auch hier wie überall vorneweg - natürlich die roten Bayerntrikots. Gerüchte zufolge gibt es in Berlin mehr Bayernfans als Herthafreunde. Die Berliner kennen sich halt aus im Fußball. Dit gefällt mir als roter Münchner, wa.

3.) Weil auch die Münchner den Berlinern eigentlich schnurz piep ejal sind

Den Berliner zeichnet bekanntlich eine ganz ausgeprägte Wurschtigkeit aus, eine Eigenschaft, die in dieser Chaosstadt überlebenswichtig ist, und die euphemistisch immer gerne mit der besonderen Freiheit dieser Stadt gleichgesetzt wird. Was, Du bist Münchner? Das tut mir leid, ist aber doch nicht mein Problem. Aus dem Weg. Man kann sich als Berliner aber auch nicht um alles kümmern. Trinkgeld, sonst Schnauze!

4.) Weil Berlin immer mehr München wird

Der Münchner bekommt auch in Berlin immer mehr Münchner Heimatgefühle. Und das auch jenseits der Münchner Straße im noblen alt-intellektuellen Bayerischen Viertel in Schöneberg. Überall wächst das Dachgeschoss-Penthouse-Areal mit integriertem Garagenanschluss in der Hauptstadt, first we take Prenzelberg then we take Neukölln. Auf Münchner Investmentkohle in Form von Cash oder Fonds folgen dann oft die Münchner mit M-Autonummernschildern höchstpersönlich.

Denn vor allem sie können sich die hübschen Bleiben leisten. Wenn man sich dann jeden Stadtteil nach und nach langsam, aber sicher münchnerisiert, ist es fast so schee wie dahoam. Den Englischen Garten oder Kleinhesseloher See kann man sich ja dann am Tegler See oder im Grunewald schön dazu saufen.

5.) Weil viele Münchner erst in Berlin groß werden

Ok, der Giesinger Junge Franz Beckenbauer hätte es sicher außerhalb Münchens schwer gehabt, Fuß zu fassen. Zumindest am Anfang seiner Karriere. Andere Künstler mussten aber den Weg von ihrer Münchner Heimat an die Spree gehen, um Karriere zu machen. Karl Valentin, der Sprachakrobat und Meister bayerischer Dialektik, zum Beispiel wurde erst in Berlin zum Star. Bert Brecht und Kurt Tucholsky verehrten den komischen Linksdenker.

In München starb Valentin nach dem Zweiten Weltkrieg halb verhungert und ganz vergessen. Andersrum war es beim Sachsen Ernst Kästner, der auch im goldenen Berlin der 1920er-Jahre seine Glanzzeit erlebte, aber dann auch in München nach dem Zweiten Krieg reüssierte. Beide auf jeden Fall, Valentin und Kästner wären ohne München und Berlin nicht das geworden, was sie schließlich geworden sind.


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