BLOG
18/08/2015 11:34 CEST | Aktualisiert 18/08/2016 07:12 CEST

Sexuelle Aufklärungsarbeit in Entwicklungsländern

ullstein bild via Getty Images

Millionen Jugendliche auf der Welt sind nicht aufgeklärt, bevor sie zum ersten Mal Sex haben. Die Folgen sind oft dramatisch. Es wird höchste Zeit, dass die internationale Gemeinschaft Verantwortung für die junge Generation übernimmt.

Erinnern Sie sich noch daran, als Sie sexuell aufgeklärt wurden? Vielleicht war es Ihnen - wie mir auch - als Jugendlicher ein bisschen peinlich, als Ihre Eltern oder Ihre Lehrer das Thema Verhütung erstmals zur Sprache brachten.

Aufklärung

Aber Aufklärung gehörte einfach zum Erwachsenwerden dazu. Und das Wissen um Verhütungsmittel und Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV hilft uns ein Leben lang.

Millionen Jugendliche rund um den Globus wären froh, wenn sie Zugang zu diesem Wissen hätten und nicht bei ihren Eltern, Lehrern und religiösen Führern mit ihren Fragen und Sorgen auf taube Ohren stoßen und bei Gesundheitseinrichtungen abgewiesen würden.

Doch in vielen Teilen der Welt ist das die Normalität - gerade für Mädchen. Insbesondere in Afrika und Asien fehlt es vielen Mädchen und jungen Frauen an umfassenden und korrekten Informationen über Sexualität und Verhütung. Stattdessen verlassen sie sich oft auf Hörensagen und falsche Informationen. Das macht sie verwundbar.

20.000 Mädchen

So bringen jeden Tag in Entwicklungsländern 20.000 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag ein Kind zur Welt. Das entspricht 7,3 Millionen Kindern von Müttern pro Jahr, die selbst noch Kinder sind. Mehr als zwei Millionen dieser Mütter sind noch nicht einmal 15 Jahre alt.

Schwangerschaften sind in so jungen Jahren mit erheblichen gesundheitlichen und sozialen Risiken für die Mädchen und ihre Kinder verbunden. Weltweit sind Komplikationen infolge von Schwangerschaften und Geburten nach dem Suizid die zweithäufigste Todesursache bei Mädchen und jungen Frauen.

Auch laufen Jugendliche, wenn sie nicht aufgeklärt sind, Gefahr, sich mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren. In Lesotho, Swasiland und Südafrika betrifft das mehr als vier Prozent der männlichen und mehr als acht Prozent der weiblichen Heranwachsenden.

Offene Ohren statt Tabus

Nun ist Sexualaufklärung kein Allheilmittel gegen ungewollte Schwangerschaften, HIV-Infektionen oder sexualisierte Gewalt - sie leistet aber einen wichtigen Beitrag zur Prävention. Die internationale Gemeinschaft hat bereits vor langer Zeit anerkannt, dass Jugendliche ein Recht auf umfassende Sexualaufklärung haben, auf Zugang zu Verhütungsmitteln und entsprechende Beratungsangebote.

[ Film einbetten: https://www.youtube.com/watch?v=hzOBy5Rql_s ]

Dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit allerdings Welten liegen, sehen wir nicht nur bei unserer Arbeit mit Jugendlichen in Ostafrika - auch Studien führen es immer wieder vor Augen. So hat UNAIDS ermittelt, dass in Afrika südlich der Sahara in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen nur etwa ein Drittel (36 Prozent der Jungen und 26 Prozent der Mädchen) über ein umfassendes und korrektes Wissen über HIV verfügen. Wie eine kürzlich erschienene Studie des Guttmacher-Instituts über 70 Entwicklungsländer bestätigte, wendet in rund drei Viertel der afrikanischen Länder nicht einmal jede fünfte verheiratete junge Frau Verhütungsmittel an. In einem Drittel der afrikanischen Länder wissen zudem weniger als die Hälfte der Mädchen und jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren, wo sie ein Kondom herbekommen oder wo sie sich auf HIV testen lassen können.

Diese Zahlen sind alarmierend! Eine ganze Generation - die größte Jugendgeneration aller Zeiten - wird mit ihren Bedürfnissen in Bezug auf Sexualität und Gesundheit allein gelassen. Dabei herrscht nicht nur ein großer Mangel an Aufklärungs- und Gesundheitsangeboten.

Oft sind auch die strukturellen, kulturellen und rechtlichen Hürden bei ihrer Inanspruchnahme zu hoch. Das berichten uns immer wieder Jugendliche aus unseren Jugendklubs.

Der Weg nach vorn

Auch die internationale Gemeinschaft muss ihren Teil dazu beitragen, dass Jugendlichen endlich zu ihrem Recht auf Aufklärung verholfen wird. Wo Regierungen sich offiziell dazu bekennen, kann dieses Recht besser eingefordert werden. Internationale Vereinbarungen zur umfassenden Sexualaufklärung gestalten sich allerdings oft schwierig.

Zu groß sind die Vorbehalte konservativer Regierungen, die ein verfrühtes Heranführen Jugendlicher an vermeintliche „Erwachsenenthemen" fürchten - ganz unabhängig davon, wie viel Freiwilligkeit bei einer Schwangerschaft mit 14 Jahren im Spiel sein kann.

Post-2015-Agenda

So enthält die Post-2015-Agenda, die im September verabschiedet wird, zwar das Ziel, bis zum Jahr 2030 den universellen Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit herzustellen. Die umfassende Sexualaufklärung Jugendlicher ist davon aber nicht expliziter Bestandteil.

Wir dürfen die Augen nicht verschließen. Wir müssen anerkennen, dass Jugendliche manchmal schon früh ihre ersten sexuellen Erfahrungen sammeln - ob freiwillig oder nicht. Umfassende Sexualaufklärung hilft ihnen dabei, sich zu schützen. Es wird höchste Zeit, dass dem durch gemeinsame Anstrengungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene begegnet wird.

Übrigens: Im neuen Datenreport der Stiftung Weltbevölkerung berichtet Kennedy Chande, der Koordinator unseres Youth to Youth-Projekts, was geschehen muss, damit Jugendliche ihr Recht auf Zukunft wahrnehmen können.


Lesen Sie auch:

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Video: Flirttrainer: Der erste Kuss: Was Frauen wirklich wollen

Video: Video klärt auf

Die Wahrheit über Sex

Hier geht es zurück zur Startseite