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08/09/2015 14:40 CEST | Aktualisiert 08/09/2016 07:12 CEST

Traumprinz? Nein, Danke!

thinkstock

Klar, muss jeder im Leben seine eigenen Erfahrungen sammeln. Das war immer schon so, wird wahrscheinlich so bleiben und ist natürlich auch ganz gut so. Sobald unsere Töchter flügge werden, verbringen sie die meiste Zeit mit der Suche nach ihrem absoluten Traumprinzen.

Kaum eine ist bereit, sich mit der zweiten Wahl zufrieden zu geben. Passt auch nur ein winziges Pünktchen nicht mit ihren Vorstellungen überein, dann springt man eben wie ein Flummy zum nächsten Kandidaten. Das uninteressanteste, das es in dieser Situation geben kann, sind die Ratschläge der eigenen Mütter. Und, ehrlich gesagt, war das bei uns „Alten" absolut nicht anders.

Bei mir hats immerhin 40 Jahre gedauert, bis ich mit meinen überzogenen Vorstellungen abgeschlossen hatte. Glaubt mir, Mädels, am schnellsten findet ihr den idealen Partner fürs Leben, wenn ihr die utopische Suche nach dem Traumprinzen ganz schnell in den Wind schießt.

Was sind denn so die Attribute, die einen Traumprinzen ausmachen?

  • Perfektes Aussehen;

  • Markenklamotten;

  • Erfolgreich im Job;

  • Geiles Auto;

  • Möglichst viel Kohle, damit er euch zu jeder Gelegenheit mit teuren Geschenken überraschen kann, klar;

  • Sein Charme lässt alle anderen Frauen vor Neid erblassen;

  • Witzig ist er sowieso;

  • Zuverlässigkeit muss eine Selbstverständlichkeit sein;

  • Romantisch ist er, wenn Ihr es euch vorstellt, auf Knopfdruck;

  • Verständnisvoll erträgt er jede eurer Macken und hat für eure Probleme zu jeder Tages- und Nachtzeit ein offenes Ohr;

  • Dass er ein guter Redner oder, bei Bedarf, ein guter Zuhörer ist, versteht sich ganz von selbst;

  • Natürlich hat er auch ein Supergedächtnis, vergisst keinen wichtigen Jahrestag und huldigt euch, wie es euch eben gebührt.

Eigentlich schon eine ganze Menge, oder? Habe ich etwas vergessen? Ich bin mir fast sicher, dass der einen oder anderen noch ein paar weitere Punkte einfallen.

Aber glaubt mir, Mädels, am Ende bleibt ihr genau bei dem Typen hängen, den ihr überhaupt nicht haben wollt. Und, ich spreche aus eigener Erfahrung, genau der wird euer Glück sein.

Meinen Göttergatten kannte ich, bevor wir (Gott sei Dank) doch noch zusammen kamen, bereits 15 Jahre und der letzte, den ich haben wollte, war er. Tatsache, Hand aufs Herz.

Er möge mir verzeihen, wenn ich euch verrate, dass er

  • sich exakt zu dem Zeitpunkt noch die Haare waschen muss, wenn ich schon fertig bin um zu unserer Verabredung aufzubrechen. Wohlgemerkt, natürlich nur, wenn ER auf diesen „Termin" keine Lust hat,

  • pupst und rülpst, weil das ja sooo gut tut und außerdem sooo gesund ist (und ich? NATÜRLICH nicht),

  • mich jedes Jahr wieder fragt, an welchem Tag im März ich Geburtstag habe,

  • unserer Hündin nach dem Gassi gehen niemals die Pfoten sauber macht bevor er sie ins Haus lässt, obwohl sie „kiloweise" Matsch ins Wohnzimmer trägt. Sie hatte ja sooo viel Spaß dabei, im Dreck zu wühlen,

  • trotz Einkaufszettel beim nach Hause kommen, die Hälfte vergessen hat,

  • wenn ich ihn, nach überhöhtem Alkoholkonsum, nach Hause fahren muss (ich hasse nachts Auto fahren wie die Pest), mir ständig gute Ratschläge erteilt, obwohl er das, wenn er selbst fährt, nicht ausstehen kann,

  • mir vor jedem Fest verspricht, dieses Mal früher nach Hause zu gehen, wir nicht wieder die letzten sein werden und ich nicht erst fahren muss, wenn ich bereits müde bin. Nun, in der Regel sind wir dann trotzdem bei den letzten, die seinen Ort der Freude verlassen, nachdem ich ihm ungefähr zwei bis drei Stunden vorher schon gesagt habe, dass ich jetzt gerne nach Hause fahren würde,

  • und,

  • und,

  • und,

  • und.

Diese Liste ließe sich jetzt noch bis ins Unendliche weiter führen (o.k., zugegeben, das ist jetzt ein kleines bisserl übertrieben).

Was ich euch damit sagen will, Mädels, ist dass das alles nicht wirklich wichtig ist und wir trotzdem (von meinen KLEINEN Macken will ich hier nicht sprechen) eine sehr glückliche Ehe führen.

Wir verstehen uns super, ergänzen uns, können (fast) jeden Tag viel zusammen lachen, stehen auch in Problemzeiten zueinander (obwohl der andere hin und wieder nervt. Er NATÜRLICH öfter als ich), nehmen uns selbst nicht so ernst und genießen unser Leben mit einer gehörigen Portion Humor. Genau das ist es was wirklich zählt.

Mir könnt ihr das glauben, meine Süßen, denn ich bin nicht eure Mutter

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