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08/02/2016 07:46 CET | Aktualisiert 08/02/2017 06:12 CET

Warum der Dschungelkönig ein tolles Vorbild in Sachen Kommunikation ist

dpa

Vor einigen Tagen sah ich im Fernsehen ein Interview mit dem frisch gekrönten Dschungelkönig Menderes Bagci. Beim Zuschauen dachte ich mir "Wow, von Menderes kann man ganz viel in Sachen Kommunikation lernen!".

Vielleicht denken Sie jetzt: "Wie kann Frau Wenz diese Sendung nur schauen! Und das als Mediatorin!", dennoch muss ich gestehen, dass ich zu den Leuten gehöre, die gerne "Dschungelcamp" schauen.

Natürlich finde ich die Prüfungen, die die Prominenten absolvieren müssen, sehr ekelhaft, aber meiner Meinung nach ist es auch sehr interessant zu sehen, welche Gruppendynamik, Konflikte, Streitherde, Diskussionen und auch Freundschaften in den zwei Wochen entstehen und wie die Bewohner des Camps damit umgehen.

Dieses Jahr hat Menderes gewonnen - mit über achtzig Prozent der Zuschauerstimmen. Er ist ein extrem sympathischer junger Mann, der auch bei den anderen Campbewohnern sehr beliebt ist. Aber was ist es, was ihn so sympathisch macht? Was können wir von Menderes lernen?

Über den Werdegang und das Gesangstalent von Menderes möchte ich gar nichts schreiben, das tun im Moment genug Fachleute. Ich möchte vielmehr bei meinem Metier bleiben und darüber berichten, was ich an Menderes in Sachen Kommunikation ganz bemerkenswert und nachahmenswert finde - woran wir uns unbedingt eine Scheibe bei ihm abschneiden sollten:

1. Menderes ist immer dankbar

Extrem bewundernswert finde ich Menderes´ wertschätzende Art, sich ständig bei allen Menschen, die seinen Weg kreuzen, zu bedanken! Er ließ im Dschungel keine Gelegenheit aus, intensiv seinen Dank auszudrücken: Ob vor der Dschungelprüfung bei Dr. Bob, dem Dschungelarzt, nach der Dschungelprüfung beim RTL-Team oder bei den Zuschauern für die zahlreichen Anrufe - Menderes vergaß es niemals, ausgiebig danke zu sagen.

Das Moderatorenteam griff diese Eigenschaft immer wieder gerne auf, um sich darüber zu amüsieren.

Dabei finde ich diese Eigenschaft viel eher nachahmenswert als amüsant! Geht es Ihnen auch so: Oft sind wir im Stress und abgelenkt und vergessen dabei, einfach mal "Danke" zu sagen, wenn uns jemand etwas Gutes tut. Ob in der Beziehung, bei der Arbeit, oder einfach nur beim Einkaufen an der Kasse: Wir sollten nie vergessen, uns für die Unterstützung der Anderen zu bedanken!

Also fragen Sie sich doch heute mal ganz à la Menderes: Bei wem könnten Sie sich heute denn mal bedanken? Wer tut Ihnen viel Gutes und bekommt nur selten ein "Dankeschön" von Ihnen? Ist Ihnen jemand eingefallen - Ja dann los geht´s : Rufen Sie heute noch an, schreiben Sie eine liebevolle Postkarte oder bedanken Sie sich doch in einem persönlichen Gespräch - ganz nach Menderes: Man sollte nie das Bedanken vergessen!

2. Er kommuniziert immer voller Wertschätzung und Höflichkeit

Eine weitere bewundernswerte Eigenschaft von Menderes ist, dass er in jeder Situation höflich bleibt - wie man im Camp sehen konnte. Im Gegensatz zu den anderen Bewohnern hat er nie auch nur die Stimme erhoben oder sein Gegenüber beschimpft, beleidigt, kritisiert oder ähnliches.

Ausnahmslos hat er nett und voller Wertschätzung mit den Anderen gesprochen. Auch an den Lästereien im Camp hat sich Menderes nicht beteiligt. Ich gebe zu, es kommt mir gerade so vor, als würde ich über einen Heiligen schreiben ;-).

Bitte schämen Sie sich jetzt nicht, wenn es Ihnen - im Gegensatz zu Menderes - nicht in allen Momenten, in denen Sie sich gerade heftig ärgern, gelingt, höflich und wertschätzend zu bleiben.

Ich kann Sie beruhigen, wenn Sie auch mal schimpfen, zetern und lästern, gehören Sie zum Großteil der Bevölkerung! Wir sind ja alle nur Menschen! Aber dennoch können wir üben und immer wieder versuchen, wertschätzend und höflich mit unseren Mitmenschen zu kommunizieren - wieder ganz im Sinne von Menderes.

Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde es ganz wichtig, dass wir dem Anderen auch sagen, wenn uns etwas stört und wenn wir wütend sind. Wir sollten es sogar tun und unsere Bedürfnisse und Gefühle nicht unterdrücken, wie ich finde! Aber wir haben die Wahl, ob wir dies wertschätzend oder kränkender und vielleicht sogar beleidigender Art und Weise tun!

3. Menderes akzeptiert seine Mitmenschen so wie sie sind

In dem Interview, das ich heute gesehen habe, erwähnte Menderes, er habe seine Mitbewohner immer so genommen, wie sie sind. Und auch hier muss ich wieder voll Anerkennung sagen: das ist eine sehr bewundernswerte Eigenschaft!

Selbst als er mit seiner Campmitbewohnerin Natalie in einer Dschungelprüfung steckte, in der dem Zweierteam Wissensfragen gestellt wurden und Natalie ihn komplett im Stich ließ, blieb er wertschätzend und nett. Als Zuschauer hätte man am liebsten geschrien: "Natalie, jetzt hilf Menderes doch!".

Er aber nahm die Situation und Natalie einfach wie sie waren bzw. sind und gab sein Bestes, die Fragen alleine möglichst gut zu beantworten. Auch im Anschluss an die Prüfung verkniff er sich die Vorwürfe, die ihm sicherlich auf der Zunge lagen. In dem Moment habe ich einfach nur gedacht "Hut ab, Menderes!".

Nicht immer gelingt es uns, die Anderen so zu nehmen, wie sie sind: Oft haben wir das Gefühl, sie müsste anders sein, sich anders verhalten. Wie oft entsteht Streit, weil unser Gegenüber nicht das Verhalten zeigt, das wir uns von ihm wünschen? Ich kann daher nur empfehlen: Versuchen wir uns öfter mal ein Beispiel an Menderes zu nehmen und unsere Mitmenschen einfach mal so zu nehmen, wie sie eben sind!

Und so lautet mein Fazit: Menderes ist ein würdiger Dschungelkönig - auch in Sachen Kommunikation! Natürlich kann man einen Mensch nicht umfassend anhand einiger Ausschnitte im Fernsehen einschätzen, aber der Eindruck, den Menderes bei mir hinterlassen hat, ist wirklich gut!

Erlauben Sie mir noch eine Bemerkung zum Schluss: Als ich diesen Text schrieb, kam mir der Gedanke, dass ich als Mediatorin und Konfliktcoach Menderes auf jeden Fall eine Sache gerne noch mit auf den Weg geben würde: Bei aller Nettigkeit, Dankbarkeit, Zurückhaltung und Wertschätzung unseren Mitmenschen gegenüber, sollten wir auch immer uns selbst und unsere Bedürfnisse und Wünsche im Blick behalten! Wir sollten den Mut haben, zu uns zu stehen und den Anderen auch regelmäßig mitteilen, was in uns vorgeht.

Wir haben auf jeden Fall das Recht, unserem Gegenüber zu sagen, wenn uns etwas stört oder ihm mitzuteilen, was wir uns wünschen. Wenn wir dies auf höflichem Weg tun - super! ;-) Einfach mal auch ein bisschen Mut zu Ecken und Kanten haben, heißt die Devise! Auch dann mögen wir Dich noch, Menderes!

Herzlichst,

Ihre Christina Wenz