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28/10/2015 06:18 CET | Aktualisiert 28/10/2016 07:12 CEST

So lernen junge Unternehmer soziale Verantwortung

Tom Merton via Getty Images

Ausbildung als Mittel zum gesellschaftlichen Wandel

Social Business und Social Entrepreneurship sind Begriffe, die man in Deutschland immer öfter wahrnimmt, auch wenn Social Entrepreneurship in unserer Gesellschaft nichts wirklich Neues ist. Bereits im 19. Jahrhundert haben es Personen wie Friedrich Wilhelm Raiffeisen oder Adolf Kolping vorgemacht.

Durch den ausgeprägten Wohlfahrtsstaat in Deutschland, ist das Social Entrepreneurship Ökosystem zwar nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise in den angelsächsischen Industriestaaten. Einsparungen im öffentlichen Sektor und unter anderem der demographische Wandel bewirken jedoch, dass auch die Zahl der Sozialunternehmer in Deutschland stetig wächst.

Immer mehr junge Menschen suchen nach dem berühmten Job mit Sinn, um Gutes zu tun. Und genau hier setzen wir an. In der Social Entrepreneurship Akademie, einer Kooperation der vier Münchner Hochschulen, bilden wir junge Menschen zu Sozialunternehmern aus.

Das Ziel: Verantwortung übernehmen

Wir inspirieren sie, gesellschaftlich relevante Unternehmensinitiativen als neue Perspektive für sich zu sehen. Sei es durch die Gründung eines eigenen Sozialunternehmens oder als „Social Intrapreneur" in einer Organisation. Ziel ist, in unserem Handeln die gesellschaftliche Wirkung voranzustellen. Diese Art von „Verantwortung übernehmen" ist die Grundlage für alles.

Indem wir ihnen Methoden, Instrumente und Netzwerke an die Hand geben, entsteht dann ein Hebel, um gesellschaftliche Wirkung zu erzielen. Die Studenten und Berufseinsteiger lernen bei uns praxisnah, wie man als Social Entrepreneur denkt und handelt - und zwar außerhalb des Seminarraumes.

Gerade jetzt möchten beispielsweise viele unserer Studierenden Flüchtlinge unterstützen. Dazu schicken wir sie in die Flüchtlingsunterkünfte, um zunächst die Bedürfnisse und Probleme vor Ort zu verstehen. Erst dann entwickeln sie ihre eigenen Ideen und beginnen mit der Umsetzung.

Social Entrepreneurship Qualifizierung in Europa

Wir haben festgestellt, dass es bisher nur eine begrenzte Anzahl an europäischen Hochschulen gibt, die Social Entrepreneurship-Programme anbieten. Zeitgleich nehmen wir, vor allem in den europäischen Krisenländern eine hohe Nachfrage nach Qualifizierungsprogrammen für sozialunternehmerische Gründungen wahr.

Daher unterstützen wir diese Hochschulen gemeinsam mit der KfW Stiftung, um Social Entrepreneurship in ihrem Lehrplan zu verankern. Das dafür entwickelte zweitägige Einsteigerseminar ZGI: kompakt bietet beispielsweise Raum, um komprimiert in die Welt des Social Entrepreneurship einzutauchen und erste Methoden zur eigenen Ideengenerierung zu lernen.

Neue Methoden zur Maximierung von gesellschaftlicher Wirkung

Vor kurzem veröffentlichten die Vereinten Nationen die neuen „Ziele für nachhaltige Entwicklung". Wir sind der Meinung, dass die Qualifizierung in Social Entrepreneurship ein möglicher Weg sein kann, diese Ziele zu erreichen.

Wir müssen mehr Lernmöglichkeiten und physische Umgebungen schaffen, die es jungen Menschen ermöglicht, praktisch an Lösungen zu den akuten Herausforderungen unserer Zeit zu arbeiten.

Darum haben wir uns entschlossen, einen „Massive Open Online Course" (MOOC) zum Thema (Social) Entrepreneurship anzubieten. Dieser dient als Vorabqualifizierung für unsere Global Entrepreneurship Summer School, die wir gemeinsam mit den vier führenden universitären Entrepreneurship Centern in München sowie unserem Partner, der SAP Stiftung, organisieren.

Durch den MOOC möchten wir jährlich 30.000 Menschen aus aller Welt erreichen, damit sie ihre unternehmerische Denkweise schärfen und lernen, unsere globalen Probleme mit nachhaltigen Lösungen anzugehen.

Solche skalierbare Programme können helfen, soziale Innovation und unternehmerische Lösungen zu fördern, um die Ziele nachhaltiger Entwicklung zu erreichen und obendrein die Welt unternehmerisch ein Stück zu verbessern.

Seit 2014 ist Christina Hunn für die europaweite Verbreitung des zweitägigen Intensivworkshops "ZGI:kompakt" verantwortlich. Zudem arbeitet sie als Projekt Managerin der Global Entrepreneurship Summer School, ein internationales Projekt der vier Hochschulgründungszentren in München.

Vor ihrer Tätigkeit für die Akademie war sie zwei Jahre lang in Kolumbien für den Friedensnobelpreisträger Prof. Muhammad Yunus tätig. Sie leitete dort den strategischen Aufbau und die Implementierung des Social Business Incubation Centers von Grameen Caldas/Yunus Social Business Colombia.

Christina hat „Business Administration and Economics" an der Universität Passau und am PSG Institute of Management in Indien studiert. Ihre Leidenschaft für Social Entrepreneurship entwickelte sie bei der Arbeit in Argentinien, wo sie als Volontärin für eine NGO mit Straßenkindern arbeitete und die Notwendigkeit nach sozialunternehmerischen Modellen erlebte.

Video: Dieser Junge brach mit 16 die Schule ab und lernte nur noch das, was ihn interessierte

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