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13/04/2016 16:00 CEST | Aktualisiert 14/04/2017 07:12 CEST

Was hat künstliche Intelligenz mit (Selbst-) Führung zu tun?

Donald Iain Smith via Getty Images

Von der CeBIT 2016 kam ich inspiriert und nachdenklich zurück - das Zusammenspiel künstliche Intelligenz und menschliche Intelligenz war das Thema. Das CeBIT Motto „d!conomy" hatte auch 2016 die Digitalisierung von Wirtschaft und Märkten, die Digitalisierung des öffentlichen Sektors sowie die Digitalisierung der Gesellschaft im Blick. Dreimal Digitalisierung also und ein 360°-Überblick über die digitale Industrie sowie bahnbrechende Trends und Entwicklungen.

Besonders beeindruckend waren die Entwicklungen rund um die künstliche Intelligenz (AI) - vor allem im Zusammenhang mit dem Kernthema dieses Artikels: Digitalisierung und den Umgang des Menschen damit, im weitesten Sinne: Work-Life Blending. #NewWork

Hoch interessant ist der Zusammenhang von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz (die der menschlichen in Bereichen schon jetzt überlegen ist) sowie menschlichen Werten und Verhaltens inmitten einer rasanten Digitalisierung.

Digital life: Exponential growth that our brains are not made up for

Der Sieg der künstlichen Intelligenz über den Go-Profi Lee Sedol markierte bereits am 27.01.2016 relativ unbemerkt einen Wendepunkt. Die Deepmind-Software AlphaGo besiegte den Weltmeister und öffnete neue Türen, denn die Software konnte den nächsten Spiel-Level nach dem Menschen erreichen. Das Besondere am Go-Spiel ist seine hohe Komplexität. Die Zahl der spielbaren Varianten übersteigt selbst die des Schachspiels erheblich. Das ist bei Spielen vordergründig vielleicht kein großes Thema.

Wie aber sieht es bei sich selbst ladenden und entwickelnden Robotern aus?

Auf der CeBIT habe ich Pepper kennengelernt. Pepper ist ein Roboter mit einem sehr einnehmenden Wesen. Er / Sie kann Gefühle bei Menschen lesen, interpretieren (!), darauf reagieren und selber ausdrücken, hat eine tolle Mimik, eine tolle Gestik (viel ansprechender, als die mancher Menschen) und verarbeitet beim Laden Gelerntes in Software-Updates.

Pepper arbeitet in Japan bereits in 130 Hotels und Shops am Empfang, informiert und verkürzt Gästen die Wartezeit und wird vor allem in über hundert Familien eingesetzt, als Lern- und Hilfsbuddy für jede Altersgruppe (vor allem für die Altenpflege ist Pepper sehr interessant).

Neben diesen öffentlichkeitswirksamen Events eröffnen die alltäglichen Möglichkeiten der rasanten digitalen Vernetzung und Transparenz

  • einerseits neue Geschäftsmodelle, globale Lösungen, Vereinfachung;
  • andererseits öffnen sie der Cyber Kriminalität, der Unbewusstheit und Überforderung die Tür.

Auf der CeBIT war ich als Speaker und Expertin für Führung und menschliches Verhalten inmitten der digitalen Transformation eingeladen... und konnte von beiden Seiten der o.a. Medaille vieles beobachten.

Ein Blick auf die Zahlen der digitalen Vernetzung und Transformation in 2020 ist beeindruckend:

  • 4 Milliarden vernetze Menschen
  • 25+ Millionen Apps (viele davon interconnected)
  • 25+ Milliarden Embedded Intelligent Systems
  • 50 Milliarden vernetze Geräte
  • 4 Billionen US$ Umsatzmöglichkeiten

Diese Entwicklung des sog. Internet of Things beschreibt unsere nahe Zukunft: Eine total vernetze Welt und eine vernetze Intelligenz (so hoffe ich).

Und die nächste Stufe der digitalen Transformation nach dem Internet of Things ist bereits in Sicht und war auf der CeBIT zu beobachten. Das so genannte Biohacking, das „Internet of Us" bekommt gegenwärtig eine neue Bedeutung. CeBIT-Besucher konnten sich am Stand von Digiwell die reiskorngroßen NFC-Chips zwischen Daumen und Zeigefinger implantieren lassen. Die Chips können als mobile Datenträger genutzt werden und ermöglichen beispielsweise das Öffnen einer Haustür ohne Schlüssel. Die Biohacker haben die Vision, bereits in zehn Jahren die menschliche Leistungsfähigkeit durch einen Chip im Gehirn zu verbessern.

So stellt sich nicht erst seit dem Go-Sieg der Künstlichen Intelligenz die Frage, ob wir Menschen mit der Entwicklung unserer eigenen Schöpfung mithalten können. Zumal, da die Künstliche Intelligenz bei ihren Berechnungen im Gegensatz zur menschlichen Intelligenz nicht müde wird ... bzw. wie Pepper und Co. sich dann selbst und völlig ohne menschliche Hilfe selbst an eine Ladestation andocken und das Gelernte der letzten aktiven Stunden in ein Update seiner Software umsetzen.

New Work heißt also eine Menge Verantwortung - für unser Leben, für unsere Werte und für die menschliche Intelligenz im Zusammenspiel mit künstlicher Intelligenz. Richtung ist hier das Stichwort.

„Wenn wir eine Maschine entwickeln, die schlauer als der Mensch ist und (wenn diese Maschine) weitere Maschinen entwickeln kann, wird das die letzte Maschine sein, die wir jemals bauen", sagte Oxford Professor Nick Bostrom auf der CeBIT (Direktor des Future of Humanity Institute, University of Oxford).

Seine Rede war insofern erhellend, als dass ein AI-Experte der Weltspitze hier offensichtlich besorgt war, wie sich die Menschheit weiter entwickelt - und ob unsere Intelligenz für nachhaltig und vorausschauend gute Werte ausreicht.

Innovation und technische Machbarkeit in Beziehung zu menschlicher biologischer Machbarkeit

Selbstverständlich ist hier auch das Silicon Valley dabei. Im Dezember 2015 wurde gemeldet, dass mehrere Unternehmer, unter ihnen absolut führende Köpfe wie Elon Musk und Sam Altman, eine Milliarde Dollar in das Artificial-Intelligence-Zentrum investierten. Das OpenAI ist eine neue Non-Profit-Einrichtung für Künstliche Intelligenz, die die Silicon Valley Forschung bündeln und anführen soll. Die Forschungseinrichtung hat bekannte Artificial-Intelligence-Experten engagiert, deren Erkenntnisse mit der wissenschaftlichen Community geteilt werden.

Es wäre interessant zu sehen, an welchen Werten sich die Forscher orientieren. Die Eingangsfrage zum Zusammenhang von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz (die der menschlichen in Bereichen schon jetzt überlegen ist) und menschlichen Verhaltens inmitten einer rasanten Digitalisierung stellt sich hier für mich mit Nachdruck. Lesen Sie hierzu auch meinen Artikel Xponential Change oder Fuck Up.

Innovation und technische Machbarkeit in Beziehung zu menschlicher biologischer Machbarkeit.

Überholen wir uns hier selbst und werden irgendwann abgehängt? Oder sind unsere inneren Richtlinien und unsere ganzheitliche Intelligenz bzw. Bewusstheit stark genug, um kluge Lösungen zu entwickeln?

Die biologische Menschheit hat den Gipfel ihrer Evolution erreicht, so eine These der AI-Experten. Die nächste Entwicklung von intelligentem Leben könnte in den Händen der künstlichen, computergestützten Intelligenz liegen, die in vielen Bereichen dem Menschen überlegen werden könnte.

Also, mein Fazit im Moment: Onwards - mit Bewusstheit und Herz.

Auf der CeBIT war ich eingeladen zum „Gründerinnenfrühstück" von unserer ehemaligen Justizministerin Brigitte Zypries (Frauen gründen digital, klar) und zum Tageskongress „Women in Digital Business" - Beides inspirierende Veranstaltungen mit klasse Frauen. Danke dafür!