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30/08/2014 09:53 CEST | Aktualisiert 30/10/2014 06:12 CET

Storytelling - Wie sind Geschichten aufgebaut?

Thinkstock

Storytelling ist der englische Begriff für "Geschichten erzählen". Mit erzählten Geschichten haben die Menschen ihr ganzes Leben lang zu tun. Als Kinder hören sie ihren Eltern begeistert bei den beliebten Gute-Nacht-Geschichten zu, später fangen sie selbst an, sich Geschichten auszudenken und diese auch zu verbreiten. Dabei wird oft unterbewusst ein ganz bestimmter Aufbau der Geschichte gewählt, um diese noch spannender werden zu lassen.

Unterschiedliche Strukturen von Geschichten

Um dem Leser eine Geschichte zu bieten, die er gut verfolgen kann, braucht jede Story eine Handlungsstruktur. Mithilfe dieser Struktur ist der Leser eher in der Lage, die Geschichte zu verstehen. Man unterscheidet beim Storytelling zwischen verschiedenen Strukturen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Die Drei-Akte-Struktur

Eine Geschichte in drei Akte zu teilen, ist eine sehr bekannte Methode, die man auch in der Schule an vielen Beispielen gezeigt bekommt. Die Struktur ist auch deshalb so beliebt, weil sie den Autoren viel Platz für Handlungsmöglichkeiten bietet.

1. Einleitung: In der Einleitung werden Hauptcharaktere, Ort sowie der Konflikt, um den es gehen wird, vorgestellt.

2. Hauptteil: Im Hauptteil führt der Konflikt zu dem Höhepunkt der Geschichte, bei dem die Hauptfigur ihren Tiefpunkt erreicht.

3. Schluss: Im Schluss wird durch die Konfliktlösung der Tiefpunkt der Hauptfigur überwunden.

Zwischen den Akten werden Wendepunkte eingeführt. Das können z. B. Ereignisse sein, die besonders überraschend oder sehr bedeutend für den weiteren Verlauf der Geschichte sind. Die quantitative Verteilung der Akte ist unterschiedlich. Als Faustregel sagt man jedoch, dass der Hauptteil die Hälfte der Geschichte einnimmt und die Einleitung und der Schluss jeweils ein Viertel.

Die Fünf-Akte-Struktur nach Freytag

Eine genauere Geschichtenstruktur stellt der Fünf-Akte-Aufbau nach Freytag dar. Dieser geht auf den deutschen Autor Gustav Freytag zurück, der die Struktur bei Dramen von Shakespeare und bei Geschichten aus dem alten Griechenland entdeckt hat.

1. Exposition: In der Exposition stellt der Autor die Hauptcharaktere, Gegenspieler, Örtlichkeiten und den Konfliktauslöser vor. Der Konflikt muss noch nicht unbedingt klar zu erkennen sein.

2. Handlungssteigerung: Der Konflikt wird näher beschrieben und weitet sich durch neue Schwierigkeiten aus. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

3. Klimax: Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt, indem der Konflikt auf die Spitze getrieben wird.

4. Handlungsabfall: Der Höhepunkt ist überwunden, führt jedoch zu gewissen Nachwirkungen. Die Spannung der Geschichte baut sich ab.

5. Denouement/Auflösung: Im Schluss kommt es zur erwarteten Konfliktauflösung.

Die Sieben-Akte-Struktur

Der Aufbau mit sieben Akten stellt eine Erweiterung der Fünf-Akte-Struktur nach Freytag dar. Der Handlungsaufbau wird noch ausführlicher beschrieben.

1. Aufhänger: Im Aufhänger wird der Konflikt vorbereitet.

2. Erste Wendung: Es kommt zu der Offenbarung des Konflikts. Neue Geschehnisse stellen die Hauptfigur und ihre Umwelt vor Veränderungen.

3. Erster Kniff: Eine negative Situation lädt die Figuren zum Reagieren ein. Der Konflikt kann noch nicht gelöst werden, da die Gesamtsituation zu schwierig ist.

4. Mittelpunkt: Die Lage verschärft sich weiterhin, wodurch die Figuren zum Handeln gezwungen werden.

5. Zweiter Kniff: Eine erste versuchte Konfliktlösung scheitert. Es besteht kaum mehr Hoffnung, da die Situation sich immer weiter zuspitzt.

6. Zweite Wendung: Die Hauptfigur entwickelt sich weiter (z. B. durch eine Erkenntnis oder einem helfenden Gegenstand/ einer helfenden Person).

7. Auflösung: Es kommt dank der positiven Entwicklung zur Auflösung des Konflikts. Die Auflösung ist damit das Gegenstück zum Aufhänger.

Die Struktur der Heldenreise

Eine weitere Handlungsstruktur von Geschichten ist die der Heldenreise. Große Hollywood-Filme wie z. B. Star Wars oder Harry Potter folgen diesem Prinzip. Den Lesern ist dieser Aufbau damit nicht unbekannt und er steht ihm offen gegenüber. Im Zentrum der Heldenreise steht natürlich der Held oder die Heldin.

1. Die gewohnte Welt: Die Alltagswelt des Helden wird vorgestellt. Der Held, oft ein Außenseiter, sehnt sich jedoch nach mehr.

2. Der Ruf zum Abenteuer: Der Held denkt aufgrund von Einblicken in eine andere Welt zum ersten Mal über einen Ausbruch aus seiner eigenen Welt nach.

3. Die Verweigerung des Rufs: Der Held ignoriert den Wunsch nach einem Abenteuer zunächst, um Risiken zu vermeiden. Er zweifelt jedoch an seiner Entscheidung und sehnt sich nach der Erfüllung seiner Träume.

4. Begegnung mit dem Mentor: Der Held trifft seinen wahren Mentor und erhält Ratschläge. Der Mentor meint es gut mit dem Helden und kennt sowohl die normale als auch die fremde Welt.

5. Überschreiten der ersten Schwelle: Der Held beweist Mut und einen starken Willen. Er nimmt den Weg in die neue Welt auf sich und kann nicht mehr zurück. Die fremde Welt ist mit seiner eigenen nicht zu vergleichen.

6. Bewährungsproben, Verbündete, Feinde: Der Held lernt die Regeln der neuen Welt kennen und trifft auf Freunde und Feinde. Dabei ist er sich noch unsicher und gefährdet andere mit seinem Verhalten.

7. Vordringen in die tiefste Höhle: Der Held wird sicherer und fügt sich zunehmend besser in die neue Welt sein. Er kämpft nicht nur gegen seinen größten Gegenspieler, sondern tritt auch gegen sich selbst an.

8. Entscheidungskampf: Der Entscheidungskampf stellt den Wendepunkt der Geschichte dar. Der Held verliert den Kampf gegen sich selbst.

9. Belohnung und Ergreifen des Schwertes: Es kommt zu einer Widergeburt des Helden, die ihn selbstbewusst und zufrieden zurückblicken lässt.

10. Rückweg: Der Held nimmt den Rückweg in seine alte Welt auf sich und fühlt sich durch seine neuen Erfahrungen gestärkt. Der Rückweg kann z. B. durch ein Wettrennen gegen die Zeit oder eine Verfolgungsjagd dargestellt werden. Nebenfiguren werden unter Umständen geopfert.

11. Erneuerung/Verwandlung: Es kommt zu einem letzten Kampf, bei dem der Held die ganze Welt retten muss. Dafür nutzt er seine gesammelten neuen Erfahrungen.

12. Rückkehr mit dem Elixier: Die neuen Erfahrungen verbessern die alte Welt des Helden. Er hat seine Aufgabe bewältigt und ist zufrieden.

Natürlich gibt es noch viele weitere Handlungsstrukturen von Geschichten. Man muss sich bewusst sein, dass es in dem Sinne keinen richtigen oder falschen Aufbau gibt. Eine Kombination aus verschiedenen Schemata ist z. B. ebenso denkbar.

Welchen Aufbau bevorzugen Sie für Ihre Story?

Quellen: Literaturjournal, learnhub, "Writing a Novel and Getting Published For Dummies", waltermedia