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22/12/2015 11:47 CET | Aktualisiert 22/12/2016 06:12 CET

In sieben einzigartigen Feiertagen um die Welt

Betsie Van Der Meer via Getty Images

Jede Kultur -- ganz zu schweigen von jeder Familie-- hat ihre eigenen Festtagstraditionen und es lohnt sich wirklich, mehr über manche von ihnen zu erfahren. Schließlich macht es Spaß, etwas über verschiedene Bräuche auf der ganzen Welt zu lernen, und es kann dich auch davor bewahren, bei deinen Reisen ins Ausland von einer dieser Traditionen (unangenehm) überrascht zu werden.

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Beim Besuch einer sonst friedlichen österreichischen Stadt könntest du beispielsweise vom Krampus überrumpelt werden. Oder stell dir vor, du gehst morgens in Caracas joggen und musst Rollerskatern ausweichen, die auf dem Weg zur Messe sind.

Diese Traditionen lockern den Dezember, der oft so trüb und dunkel ist, auf jeden Fall etwas auf und werden dich vielleicht sogar überzeugen, das jeweilige Land in der Vorweihnachtszeit zu besuchen.

Der glücklose Strohbock


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Hast du etwa gedacht, der Weihnachtsmann habe ein Monopol auf den Titel des Promis der Saison? Falsch gedacht! Der Gävlebocken hat seinen eigenen Blog, eine E-Mail Adresse und eine Live Cam, die über neuntausend Follower auf Twitter und Instagram auf dem Laufenden hält. Allerdings solltest du ihm nicht zu nahe kommen, wenn du nicht von seinen Bodyguards übermannt werden möchtest.

Du fragst dich vielleicht, warum ein 13 Meter großer Strohbock, der über 3,6 Tonnen wiegt, seine eigenen Bodyguards braucht. Der Grund sind die Pyromanen, die jedes Jahr nach Gävle pilgern, um einen Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen.

Das Spiel beginnt am ersten Adventssonntag, wenn der Bock auf dem Schlossplatz im schwedischen in Gävle aufgestellt wird, und endet am Neujahrstag, wenn er wieder abgebaut wird. Ziel des Spiels ist es, den Strohbock anzuzünden, bevor die Frist endet. Rate mal, wie oft es der Bock seit seiner Einweihung 1966 geschafft hat, bis zum Schluss durchzuhalten! Nur 22-mal in 49 Jahren, was eine Überlebensrate von 45% bedeutet.

Oh, und wir möchten dich noch darauf hinweisen, dass es als Brandstiftung und Vandalismus gilt, den Bock in Brand zu setzen. Also überlasse das lieber anderen.

Das Postamt: Dein Brieffreund zur Weihnachtszeit


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Sobald der November vor der Tür steht, können Kinder auf der ganzen Welt endlich ihre Wunschlisten an den Weihnachtsmann verschicken. Verschiedene Postämter, unter anderem in Deutschland, Australien, Frankreich, Polen, Finnland und der Ukraine, nehmen Briefe an, die an Santa Claus (bzw. den Weihnachtsmann oder das Christkind) adressiert sind.

Die Canada Post ist allerdings am beliebtesten und ein treuer Weihnachtsbrieffreund für viele Kinder.

Mitarbeiter der Canada Post beantworten seit über drei Jahrzehnten die an Santa adressierte Post. Seit Generationen erreichen sie damit Kinder auf der ganzen Welt. Auch Sprachbarrieren sind kein Problem für Santas Postamt, und selbst Briefe in Brailleschrift werden pflichtbewusst beantwortet. Du kannst deinen Wunschzettel an Santa Claus am Nordpol, HOH OHO, Canada schicken.

Santas einziger Wunsch? Verschicke deinen Brief bis zum 16. Dezember, um bis Weihnachten eine Antwort zu bekommen, und vergiss nicht deine Adresse anzugeben.

Die Mari Lwyd: Lasst den lyrischen Wettstreit beginnen


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Die Mari Lwyd, oder die graue Stute, ist eine uralte Tradition in Wales. sie wird von einem Pferdeschädel an einem Pfahl, dessen oberes Ende von einem Tuch bedeckt ist, repräsentiert. Das klingt vielleicht etwas morbid, aber glücklicherweise wird die Mari Lwyd von einer witzigen Sängergruppe begleitet.

Solltest du die Stute im späten Dezember auf deiner Türschwelle vorfinden und dich trauen, ein Liedchen zum Besten zu geben, kannst du die Sänger zu einem spontanen Gesangsduell, auch Pwnco genannt, herausfordern. Wenn die Mari Lwyd gewinnt, muss ihr Zugang zu dem jeweiligen Heim, Restaurant oder Pub gewährt werden.

Leider wirst du die Mari Lwyd heute nur noch selten durch die walisischen Straßen traben sehen. Sicher liegt es auch daran, dass ein Pferdeschädel einfach nicht mehr so leicht zu finden ist wie früher. Wie so viele Relikte wird die Tradition der Mari Lwyd aber in manchen örtlichen Museen bewahrt. Der beste Ort, um einen Auftritt der Mari Lwyd und ihrer Männer mitzuerleben, ist das St. Fagans National History Museum.

O du fröhliche ... Hähnchenzeit


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Die Japaner machen einiges richtig, wenn sie Weihnachten, einen Feiertag, der nicht traditioneller Bestandteil ihrer Kultur ist, nutzen, um zusammenzukommen und ein leckeres Festtagsmahl zu genießen. Du fragst dich vielleicht, warum diese eher banal wirkende Tradition auf unsere Liste verrückter Festtagsbräuche gelandet ist.

Der Grund ist, dass das oben beschriebene Szenario sich überall in Japans KFC-Filialen abspielt. Viele reservieren sich sogar ganze Eimer voller frittierter Hähnchenstücke im Voraus oder stehen ewig dafür Schlange. All das ist Teil der Kurisumasu ni wa kentakkii (Kentucky zu Weihnachten) Tradition.

Sie ist das Resultat einer sehr erfolgreichen Marketingkampagne aus dem Jahr 1974. Die Inspiration dafür waren Ausländer, die keinen Truthahn für ihr Festtagsessen finden konnten und japanische Supermärkte und Restaurants nach einer passenden Alternative absuchten.

KFC hat, um es vorsichtig auszudrücken, aus Japans Truthahnmangel Kapital geschlagen. Dank ihrer Marketinggurus ist es mittlerweile akzeptabel, Feiertage, die traditionell mit einem selbstgekochten Festmahl im Kreise der Familie begangen werden, in Fast-Food-Restaurants zu feiern.

Der Krampus und der Nikolaus -- Yin und Yang im Alpenland


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Es gibt viele unterschiedliche Nikolausbräuche in Europa, aber die „guter Cop, -böser-Cop" Nummer, mit dem Heiligen Nikolaus in der Rolle des Guten, ist immer ein Teil davon. Unter all diesen Varianten sticht die im Alpenraum beliebte Krampusnacht besonders hervor.

Die Nacht des 5. Dezember lässt den Kindern in dieser Gegend das Blut in den Adern gefrieren. Sie warten darauf, dass der Krampus vorbeikommt, um offene Rechnungen zu begleichen, und bereuen alles, was sie in den Wochen zuvor angestellt haben.

Fairerweise muss man zugeben, dass das Krampuskostüm auch vielen Erwachsenen Angst einjagt -- die erste Begegnung mit dem Krampus vergisst man schließlich nie. Oft trägt er eine Rute, Ketten und Glöckchen bei sich, sowie einen Sack, in den er die unartigen Kinder steckt, für die der Nikolaus am nächsten Tag keine Geschenke bereithält.

Venezuela: Nicht die Messe zählt, sondern der Weg dahin


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Zwischen dem 16. und 24. Dezember finden in Venezuela Frühmessen statt, auch Misas de Aguinaldo genannt. Es ist grundsätzlich verpönt, diese Gottesdienste zu verpassen, auch wenn sie zu einer wirklich unchristlichen Zeit beginnen.

Deshalb hat sich unter religiösen Venezolanern eine Tradition entwickelt, die es ihnen erlaubt, morgens ein bisschen länger liegen zu bleiben und trotzdem rechtzeitig in der Kirche zu sitzen. In manchen venezolanischen Städten, wie zum Beispiel Caracas, werden daher morgens bis acht Uhr die Straßen gesperrt, so dass die gläubigen Katholiken auf Rollschuhen zur Messe skaten können.

Kinder, die nicht die Messe besuchen wollen, binden sich oft einen langen Faden an den Zeh und lassen diesen aus dem Fenster hängen. Freundliche Skater ziehen an dem Faden, wenn sie die Messe verlassen haben, um die Kinder so zu wecken.

In diesen Tagen finden auch viele Nachbarschaftsfeste statt, bei denen Lagerfeuer angezündet und Türen für die Nachbarn geöffnet werden. Gegenseitige Besuche gehören genauso dazu wie die eine oder andere Köstlichkeit.

Zamenhofa Tago -- ein Nischenfeiertag


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Haben wir dir noch nicht genug Gründe genannt, um im Dezember zu feiern, oder wäre dir ein säkularer Feiertag vielleicht lieber? Dann solltest du die Universalsprache Esperanto lernen und Zamenhofa Tago (15. Dezember) in deinem Kalender markieren.

Leichter gesagt als getan? Tatsächlich gibt es kaum eine einfachere Sprache als Esperanto und besonders Muttersprachler indoeuropäischer Sprachen sollten keine Probleme damit haben, sie zu lernen. Leo Tolstoy behauptete sogar, Esperanto in nur wenigen Stunden erlernt zu haben, was viele allerdings stark bezweifeln.

Zamenhofa Tago gedenkt des Geburtstags des Esperanto-Erfinders, L. L. Zamenhof. An diesem Tag kommen Esperantisten auf der ganzen Welt zusammen, um ihre geliebte Sprache zu ehren. Du könntest zum Beispiel ein Gedicht in Esperanto rezitieren oder dir ein neues Buch in dieser Sprache lesen, um diesen Tag gebührend zu feiern.

Zwar macht das nicht so viel her wie ein reich geschmückter Weihnachtsbaum, und es gibt weder Lebkuchen noch Weihnachtspunsch, aber für die rund zwei Millionen Esperantisten auf der Welt ist Zamenhofa Tago ein ganz besonderer Tag.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf dem InterNations Blog.

(Image credit: Photos 1 &2 by iStockphoto; Photo 3 by R. fiend / CC BY-SA 3.0; Photo 4 by iStockphoto; Photo 5 by tribp / CC BY 2.0; Photo 6 by iStockphoto; Photo 7 by Martin Schmitt / CC BY 2.0)

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