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29/12/2016 04:00 CET | Aktualisiert 29/12/2017 06:12 CET

Teheran-Ausstellung in Berlin geplatzt

Machtkämpfe im Iran lassen internationalen Kulturdialog scheitern

Berlin hofierte den Hinrichtungsstaat mit der Absicht, dem Regime internationale Reputation nach dem Atomabkommen in 2015 zu verschaffen. Das Regime in Teheran lässt nun nach grosser Unentschlossenheit und innenpolitischen Zerwürfnissen die Appeasementpolitik Steinmeiers scheitern.

Die geplante Präsentation von Kunst, die das iranische Volk sowieso nicht zu sehen bekommt, wäre in Berlin und anschliessend Rom eine zynische und verlogene Veranstaltung auf dem Rücken der hunderttausend Opfer des Regimes gewesen. Dank der aufklärerischen Arbeit des Iranischen Widerstandes und seiner Sympathisanten über das Wesen des iranischen Fundamentalismus und der Zerstrittenheit des Regimes konnte dieses beschämende Kulturereignis zur Absage gebracht werden.

Die Idee zum so genannten Dialog der Kulturen entstand in Frankfurt und Berlin. Als anfängliche persönliche Idee des Leiters der Schirn und des Direktors des Museums of Contemporary Art in Teheran angesichts des angeblichen Endes der Eiszeit zwischen Iran und dem Westen wurde vom Außenminister Steinmeier aufgegriffen und konkretisiert. Letztlich landete die Durchführung beim Präsidenten Parzinger der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und scheiterte nun auch an seiner Ungeduld über die iranischen Partner. Zunächst entlarvte die iranische Opposition den iranischen Ausstellungsdirektor als Holocaustleugner und Mitveranstalter des Holocaustkarikaturenwettbewerbes. Das setzte in Deutschland Widerstände frei, die auf der deutsch-israelischen Freundschaft basieren und entsprechende Wirkungen entfalten können.

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Neben diesen Bedenken , die sich auch noch auf die Lage der Menschenrechte im Iran außsweiteten und damit die Absage forderten, ergab sich ein massives inneriranisches Problem. Die Ausladung des iranischen Kunstdirektors fiel in einen Zeitraum , in dem innerhalb des iranischen Establishment eine umfassende Korruptionsaffäre grassierte. Darüber hinaus wurde die anfängliche Idee des internationalen Kulturdialogs immer mehr in Frage gestellt und von Hardlinern genutzt, die ganze Angelegenheit in Misskredit zu ziehen .

Das Kernproblem ist jedoch die Atomvereinbarung von 2015, an die Teile der Rohani-Administration und deren Unterstützer Hoffnungen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art geknüpft hatten. Diese Versprechen des Präsidenten Rohanis auf Verbesserungen und Erleichterungen sind bis heute nicht eingetroffen. Auch Teile des westlichen Establishments hatte euphorische Hoffnungen auf die Öffnung des iranischen Marktes. Die Ausstellung der Kunstsammlung des Schah sollte zum Symbol der Öffnung werden und scheiterte an diesem Anspruch selbst. Die Macht im Iran konzentriert sich beim Religiösen Führer Chameneii und dieser hatte zwar den Deal mit dem Westen geduldet, aber neuerdings vermehrt in Abrede gestellt, je mehr sich herausstellte, dass das iranische System keine Veränderungen vollziehen kann. Das Scheitern des ohnehin fragwürdigen Atomvertrages , den im übrigen niemand unterschrieben oder ratifiziert hat, wird immer mehr zur Realität in den internationalen Beziehungen des Iran. Das Land ist nicht in der Lage und auch nicht Willens, sich zu öffnen oder zu reformieren. Der Deal stirbt den langsamen Tod und wirft den Iran wieder in die fast überwundene Isolation zurück.

Das Regime hat es aber auch nicht vermocht, irgend eine konstruktive Rolle zur Lösung des Nahostkonfliktes beizutragen. Vielmehr erwies es sich wieder einmal als Hauptbrandstifter . Im syrischen Bürgerkrieg rettete der Iran Assad und holte Russland ins Boot. Im Irak dominieren Iranisch gesteuerte Milizen die Rückeroberung der vom IS besetzten Gebiete mit menschenverachtenden Härte gegen die Zivilbevölkerung. Hier lässt sich vermuten, dass der Iran den Irak , Syrien und Libanon als eigene Herrschaftszone unter Russland Gnaden etablieren will und deshalb ethnische und religiöse Säuberung und einen Bevölkerungsaustausch betreibt. Ca. 80.000 Iranisch finanzierte schiitische Söldner kämpfen in Syrien.

Nur so ist zu verstehen, dass man in Teheran die Rückeroberung Aleppos wie einen eigenen Sieg feierte und der General Suleimani in Aleppo auftauchte , um sich als Sieger ablichten zu lassen.

Der Iran hat sich zu expansiven und imperialistischen Machtfaktor entwickelt und braucht anscheinend westliche Appeasementpolitik nicht mehr. Die Hardliner sind dabei, die sogenannten Moderaten Kräfte kalt zustellen. Der politische Druck auf Präsident Rohani und seinen Außenminister Zarif wird immer größer. Ihr Misserfolg liegt aber auf der Hand. Rohani war nie ein Reformer, in seiner Zeit explodierte die Hinrichtungsrate auf Rekordniveau. Wirtschaftlicher Fortschritt ist nicht eingetreten, die Sanktionen der USA wurden nicht aufgehoben. Die Banken finanzieren keine Geschäfte und die Lage im Westen scheint sich fundamental zu verändern. Die unberechenbare Poilitik des neuen US Präsidenten Trump beunruhigt den Iran massiv. In Washington regieren bald keine Freunde mehr.

Deshalb gibt es kein Interesse mehr an Öffnung und Reformen. Das Regime wähnt sich auf der Siegerstrasse im Irak und Syrien weil die USA unter Obama und der Westen , speziell Minister Steinmeier nicht erkannt haben, welchen Charakter das Regime in Teheran hat. Die Zeiten stehen auf Sturm und nicht auf Dialog.

Dieser Fehleinschätzung westlicher Appeasementpolitik fällt die geplante Ausstellung zum Opfer und das ist auch gut so.

Mehr dazu: https://www.huffingtonpost.de/christian-zimmermann/kunstgenuss-uber-menschen_b_12006464.html