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06/10/2015 07:53 CEST | Aktualisiert 06/10/2016 07:12 CEST

Lutherweg: In den Fußstapfen Martin Luthers

ullstein bild via Getty Images

Noch sind es zwei Jahre bis zum 500. Jubiläum der Reformation. Damals schlug der Mönch Dr. Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Pforte der Wittenberger Schlosskirche. Diese fanden weltweit Widerhall und machten Luther zum bekanntesten und bedeutendsten Reformator überhaupt.

Rechtzeitig vor dem Jubiläum haben Luther-Orte in Thüringen damit begonnen, sich für den zum Reformations-Jubiläum erwarteten Besucheransturm herauszuputzen. Über den Lutherweg kann man als Wanderer oder Pilger auf über tausend Kilometern in die Fußstapfen Martin Luthers treten und Kultur und Natur gleichermaßen erleben.

Das Leben des Jungen Luthers

Die Geschichte des Reformators beginnt im kleinen Dorf Möhra. Als ältester Sohn musste Vater Hans das väterliche Gehöft verlassen und sich auf Suche nach Arbeit machen. Deshalb wurde Sohn Martin am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Nach einigen Schuljahren in Magdeburg kam er im Aller von 15 Jahren schließlich nach Eisenach. Dort soll der spätere Kirchenreformator über seine Schulzeit hinweg im in diesem Jahr als Museum neu eröffneten Lutherhaus gelebt haben.

Mit einem Aufwand von fast vier Millionen Euro wurde das mittelalterliche Fachwerkhaus saniert und in ein modernes Museum verwandelt. In der Ausstellung „Luther und die Bibel" werden heute 120 Ausstellungsstücke, darunter Schnitzplastiken aus dem Mittelalter, wertvolle Bibeln und Gemälde gezeigt. Während seiner dreijährigen Schulzeit verdiente Luther seinen Lebensunterhalt als Sänger im örtlichen Chor. In der Nähe des Museums liegt die Georgenkirche, in der Luther einst oft sang.

Nach der Schulzeit begann Martin Luther im Jahr 1501 in Erfurt sein Studium an der philosophischen Fakultät. Nachdem dieses absolviert war, schrieb er sich auf Wunsch des Vaters für Rechtswissenschaft ein. Später begann er an dieser Entscheidung zu zweifeln, da ein Großteil der Bevölkerung zur damaligen Zeit zu arm war für juristischen Beistand und das Studium pro Semester 16 Gulden und damit den Gegenwert von zwei fetten Schweinen kostete.

Luther als Mönch

Bei einem Besuch bei den Eltern im Jahr 1505 geriet Luther in ein schweres Gewitter. Als er um sein Leben fürchtete, versprach er der Heiligen Anna im Falle seiner Rettung ins Kloster einzutreten. Luther überlebte und wurde zum Mönch und Studenten der Theologie. Heute erinnert ein 1917 gestifteter Gedenkstein an dieses Ereignis. Der Lutherstein steht in Stotternheim bei Erfurt.

Wo Luther einst in den Schoß der Kirche fand, liegt inmitten landwirtschaftlicher Flächen heute eine Seenplatte mit Baggerseen. In Sichtweite des Gedenksteins aus polnischem Granit nutzen viele Erfurter die Gelegenheit im Sommer für ein verbotenes Bad und kommen dabei höchstens den zahlreichen Schwänen in den Weg.

Zunehmender Bruch mit der katholischen Kirche

Mit der Zeit wurde Luther immer unzufriedener mit der katholischen Kirche. Ein besonderer Dorn im Auge war ihm der florierende Ablasshandel. Um die Einnahmen für den Bau des Petersdoms und zur Deckung der Schulden der Kirche zu erhöhen, hatte der Ablassprediger Johann Tetzel die Vergebung der Sünden immer weniger von tätiger Reue und immer mehr von der Zahlung von Geld abhängig gemacht. Sogar vorab für noch gar nicht begangene Taten und auch für Verstorbene sei die Vergebung möglich.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt", wurde den Sündern gesagt, um diese zum Kauf von Ablassbriefen zu bringen. Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Durch den aufkommenden Buchdruck verbreiteten sich diese in Windeseile in der ganzen bekannten Welt.

Das rief auch die katholische Kirche auf den Plan. Luther wurde aufgerufen, seine Thesen zu widerrufen. Doch dazu war dieser nicht bereit und äußerte zum Beispiel auf dem Reichstag in Worms im Jahre 1521, dass „allein die heilige Schrift" Grundlage für sein Tun sei und er nur widerrufe, wenn ihm anhand der Schrift ein Fehler nachgewiesen werden könne.

Während die Theologen noch über die Schrift stritten, begann eine kontinentale Reformbewegung. Zur gleichen Zeit wurde Luther von seinen Gegnern für vogelfrei erklärt und war damit in Lebensgefahr.

Schutz in der Wartburg

Mit seinen Gedanken hatte Luther sich nicht nur Feinde gemacht, sondern auch einige Freunde. Ein einflussreicher davon war Kurfürst Friedrich der Weise. Dieser ließ die Kutsche von Martin Luther im Glasbachgrund bei Steinbach stoppen und nahm Luther in Schutzhaft. Wo die Kutsche einst von den Reitern des Kurfürsten gestoppt wurde, grasen heute Kühe im Schatten des dort errichteten Denkmals.

Für Luther ging es mitten in der Nacht zurück nach Eisenach. Dort ließ ihn der Kurfürst heimlich auf die Wartburg bringen. Die war einst aus 40.000 Tonnen Sandstein in weniger als 20 Jahren Bauzeit oberhalb der Stadt errichtet worden. Zur damaligen Zeit stand die Burg nicht im Mittelpunkt des Interesses, sodass sie ein optimales Versteck für den Reformator war.

Der lebte zehn Monate in der Burg und verließ diese nur als Ritter verkleidet. Als „Junker Jörg" begab Martin Luther sich gelegentlich in die Stadt, um sich während seines zehnmonatigen Aufenthalts über die Lage in der Welt zu informieren. Zugleich nutzte er die Zeit, um das neue Testament in die deutsche Sprache zu übersetzen und insgesamt 14 Bücher zu schreiben.

Die Wartburg heute

Heute erreicht man die Wartburg vom Stadtzentrum aus über den Luthererlebnispfad. Der steile Aufstieg ist von 14 Informationstafeln über Luthers Leben gesäumt. In der Saison kann man die letzten Meter auf dem Rücken von Eseln zurücklegen. Wer oben angekommen ist, wird mit einer beeindruckenden Aussicht über die Stadt und ihre Umgebung belohnt.

Bis zu 2.000 Gäste pro Tag nutzen heute die Gelegenheit, die eindrucksvolle Burganlage zu besichtigen. Dabei erfahren sie zum Beispiel, dass die Tür zum Rittersaal so schmal war, dass ein einziger Mann diesen Eingang verteidigten konnte. Der Durchgang zum Frauengemach war doppelt so breit, damit bei Turnieren siegreiche Ritter gemeinsam mit der von ihnen erwählten Frau durch diese treten konnten.

Bei einer Schlossführung mit Ulrich Baumhauer oder einem seiner Kollegen erfahren Wartburg-Besucher auch, dass der 350 Quadratmeter große Saal des Landgrafen aus dem 12. Jahrhundert als Blasphemie galt, weil dieser eindrucksvoller als manche Kirche war. Zudem sehen sie den Raum, in dem einst ein Sängerwettstreit mit Walter von der Vogelweide stattfand und der vielfach die Inspiration für das Bühnenbild bei der Oper Tannhäuser liefert.

Der legendäre Tintenfleck

Sehenswert ist auch ein Mosaik, an dem sechs Handwerker jeweils fünf Jahre lang arbeiteten und die Lutherstube. Diesen seit damals kaum veränderten Raum haben bis heute mehr als 3,5 Millionen Touristen besucht. Der Legende nach wurde Luther dort während der Übersetzung der Bibel vom Teufel gestört und warf sein Tintenfass nach diesem. Der Tintenfleck an der Wand machte die Wartburg zu einem attraktiven Ziel für Souvenirjäger.

Was die Besucher nicht wussten: Die Tinte wurde von den Burgbesitzern in regelmäßigen Abständen nachgemalt. Einige Besucher kratzten Tinte und Putz von der Wand, sodass im Laufe der Jahre ein Loch in der Wand entstand, in das ein Kaminofen eingesetzt wurde. Als die Wand um diesen erneut beschädigt wurde, hörte man schließlich auf, den Tintenfleck nachzumalen.

„Sonst hätten die Besucher bis heute die ganze Burg weggetragen", frotzelt Führer Ulrich Baumhauer, der den Gästen auf dem Boden einen Walknochen zeigt. Dieser gehörte zu einem auf Usedom gestrandeten Wal und diente Luther als Fußbank. Nach zehn Monaten konnte Luther die Wartburg wieder verlassen. Die Kontroverse um die Reformation ging weiter.

Die Legende um den Lutherbrunnen

Jahre später war Martin Luther zu Gast beim Konvent in Schmalkalden. Wegen eines Nierenleidens musste er diesen vorzeitig verlassen. In der Nähe der Ortschaft Tambach-Dietharz hatten sich durch die rüttelnde Fahrt und vielleicht unterstützt von einem Fußbad im nahen Bach die Nierensteine gelöst und Luther von den Schmerzen befreit. Der Legende nach hatte auch das Wasser aus der klaren Quelle im Tammichgrund heilsame Wirkung.

Heute steht dort am Rande des Lutherwegs der Lutherbrunnen. Er liegt an einem besonders schönen Teilstück des Weges, das an der neuen Ausspanne beginnt. Von dort führt der Weg durch den Thüringer Wald zunächst nur leicht bergauf. Nach einer Weile gelangt man zur alten Ausspanne. An diesem Ort wurden starke Pferde, die reisende Händler mieten mussten, um mit ihren Kutschen den Berg zu queren, wieder ausgespannt. Wanderer und Pilger biegen an dieser Stelle ab und gelangen bergab über malerische Waldwege bis zum in der Nähe des Ortes gelegenen Brunnen.

Besonderheiten der Altstadt Schmalkalden

Sehenswert ist auch die denkmalgeschützte Altstadt von Schmalkalden. Stadtführerin Bertl Werner zeigt dort nicht nur das historische Rathaus, in dem einst der Schmalkaldische Bund der Protestanten tagte, sondern auch Schloss Wilhelmsburg. Das Schloss liegt oberhalb der Stadt, die im Jahr 2015 durch die Landesgartenschau neue Impulse bekam.

Einen schönen Blick hat man von der Rasenfläche vor dem Tor. Im Schloss ist besonders die lichtdurchflutete Schlosskirche mit Renaissanceorgel einen Besuch wert. Altar, Kanzel und Orgel sind übereinander angeordnet. Bemerkenswert ist, dass die Orgel mit ihren 252 hölzernen Pfeifen bis heute gespielt werden kann und hin und wieder für Konzerte genutzt wird.

Im Keller der Nebenresidenz der Landgrafen von Hessen-Kassel wird die Geschichte des Ritters Iwein erzählt, während im Museum im Schloss Geschichte lebendig wird. Ein anderer Weg zurück in die Stadt führt vorbei an den terrassierten Gärten. „Fehlende Bildung lässt den Teufel triumphieren", soll Luther im Jahr 1537 dort gesagt haben.

Heute wundert man sich mehr über knappe Öffnungszeiten und mancherorts miserablen Service. Trotzdem sollte man die mittelalterliche Fachwerkstadt besuchen. Wer mag, findet im Zinnfiguren Museum in einem Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert 10.000 vollplastische Figuren und eine historische Münzpresse.

Schloss und Park Altenstein

Eine weitere Station auf dem Lutherweg sind Schloss und Park Altenstein. Die Sommerresidenz in Bad Liebenstein ist 1982 ausgebrannt und wird gerade grundlegend restauriert. Treppenhaus und Festsaal mit Prunkkabinen sollen dabei nach alten Fotos wiederhergestellt werden.

Schon heute sehenswert ist der vielseitige Landschaftsgarten, durch den schon Komponist Johannes Brahms flanierte. Der 160 Hektar große Park mit Beeten, Wiesen und Wald bietet viele Anziehungspunkte. So bietet der Bonifacius-Felsen eine schöne Aussicht. Die Teufelsbrücke schaukelt und die Teppichbeete bezaubern die Augen.

Luther inspiriert noch heute

Wer die verschiedenen Stationen im Leben Martin Luthers entdecken möchte, ist auf dem Lutherweg genau richtig. Der Wanderweg mit spirituellen Wurzeln verbindet 21 Lutherstätten, läuft in vier Schlaufen um das Erfurter Augustinerkloster und erschließt fünf Erlebnisräume.

Gekennzeichnet ist der 1.010 Kilometer lange Weg durch ein grünes „L" auf weißem Grund. Natürlich erschließt er auch viele weitere interessante Orte. Kultur und Natur liegen überall am Wegesrand.

Selbst Jahrhunderte nach seinem Tod im Jahr 1546 inspiriert Martin Luther. Pünktlich zum 500. Jubiläum der Reformation feiert 2017 nicht nur die Lutheroper von Lars von Trier (25. Februar), sondern auch ein Musical (5. Mai) Premiere.

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